Medien

Köln hat ein räumlich bewegliches und hochproblematisches Klientel

Polizeiarbeit ist gewiss keine einfache Sache. Deshalb finde ich es falsch, dass Polizistinnen und Polizisten oft ohne Rückendeckung der Politik dasteht.

Die Zeit nach den Silvester-Übergriffen in Köln hat gezeigt, wie fadenscheinig die Politik mit ihrer eigenen Verantwortung umgeht. Kein Wunder, dass viele Aussagen in der Öffentlichkeit als wenig überzeugend wahrgenommen wurden. Wir erlebten mir, dass es mit Ausnahme des Kölner Polizeipräsidenten keine personellen Konsequenzen gab. Ich verstehe alle, die das kritisch sehen.

In Köln gibt es 1054 Anzeigen. 13 Tatverdächtige befinden sich zurzeit in Untersuchungshaft, 59 Beschuldigte gibt es insgesamt. Ist dies das also das Ergebnis guter Polizeiarbeit? Oder kommt da noch viel mehr?

Ich erinnere mich, dass ein Polizeigewerkschafter (Wendt) gleich Anfang Januar sagte, dass er sich nicht wundern würde, wenn es in diesem Fall zu keiner einzigen Verurteilung kommen würde. So schwierig würden sich die Ermittlungen darstellen.

***

Der neue Polizeipräsident von Köln beeilte sich die Öffentlichkeit darüber zu informieren, dass nur die verstärkte polizeiliche Präsenz an Karneval dazu geführt habe, dass es nicht wieder viele schlimme Straftaten gegeben habe. Er beabsichtige, die Präsenz der Polizei deshalb weiterhin auf einem hohen Level zu halten.

Halten wir also fest: Es gab am Sonntagnachmittag die Notwendigkeit, Polizeikräfte aus dem Domumfeld kurzfristig abzuziehen. Sofort danach, so der Polizeipräsident, versammelte sich dieses „hochproblematische Klientel“ auf der Domtreppe. Deshalb sei die Polizei sehr entschieden aufgetreten und habe damit mögliche Straftaten verhindert.

Ich würde angesichts dieser Beschreibung gern wissen, warum dieses hochproblematische Klientel, wie Mathies die Gangster nennt, nicht festgenommen wurden. Waren sie alle bereits erkennungsdienstlich behandelt? Wenn man dieses Klientel doch offenbar so gut kennt, welche Erkenntnisse hat die Kölner Polizei bezogen auf diese Personengruppe hinsichtlich der Taten von Silvester?

Beiläufig fordert der Kölner Polizeipräsident (selbstredend!), dass seine Behörde personell verstärkt werden müsse. Deshalb also das Bild vom hochproblematischen Klientel?

Ich frage mich einmal mehr, weshalb die Leute nicht aus dem Verkehr gezogen werden, sondern die Polizei stattdessen in Kauf nimmt, ständig hinter ihnen herzuhecheln. Würden die Kölner Richter mitspielen und diese Leute nicht gleich wieder laufen ließen, wäre das mal als ein evolutionärer Fortschritt zu betrachten. Wir wollten doch aus Fehlern lernen – oder?

„Welt Online“ brauchte schnell mal ein Foto

Die Presse bleibt dran. Sogar gestern Abend bei „Aktenzeichen XY“ war der Terror von Köln (und Hamburg) ein Thema. Dort wurden allerdings anhand von guten Fotos Täter gesucht, die ihr Unwesen in Hamburg getrieben haben. Als ich eben diesen Artikel bei „Welt Online“ fand, erinnerte mich das mit „Kölner Silvester-Übergriffe“ untertitelte Foto an eines, das ich gestern Abend im Fernsehen gesehen hatte.

Auf der Website von „Aktenzeichen XY“ wurde ich fündig.

Beide Fotos zeigen eindeutig den gleichen Mann. Er wird vermutlich nicht gleichzeitig in Hamburg und Köln gewesen sein!

Soviel Präzision brauchen sich manche Medien trotz der Skandale um irreführende und falsche Fotos, die in den letzten Monate und Jahre öffentlich wurden, wohl immer noch nicht aufzuerlegen?

Beide Fotos zeigen einen bösen, bösen Mann. Scheinbar meint man bei „Welt Online“, dass diese Tatsache allein für die Auswahl des Fotos in einem Bericht über das Thema ausreicht.

"Welt Online" linkes Bild, "Aktenzeichen XY" rechtes Bild

„Welt Online“ linkes Bild, „Aktenzeichen XY“ rechtes Bild

Ach guck. Die haben das Bild bei Ihren Bild-Kollegen gefunden und es nur zurecht geschnitten. Gute Arbeit, Jungs und Mädels.

—-

P.S.: Ich bin ja gewöhnt, dass „Welt Online“ meine Kommentare nicht mag. So ist es auch in diesem Fall nicht weiter verwunderlich, dass mein Hinweis im Kommentarbereich „entfernt“ wurde:

 

Das kann weg.

Das kann weg.