Medien

Ist di Lorenzos Wahlversagen tatsächlich Ausdruck von Überheblichkeit?

Den „Zeit“-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo habe ich persönlich bisher noch nie als Repräsentanten einer Gruppe elitärer Journalisten zugeordnet. Da gibt es andere Kaliber. Mein persönlicher Eindruck ist, dass Knüwer, seit er nicht mehr für das „Handelsblatt“ schreibt, den Faden aufgenommen hat, der im Internet mit wachsender Vehemenz gegen „die Qualitätsjournalisten“ gesponnen wird.

Den Beitrag, den Herr Knüwer vorgestern in Sachen Wahlirrtum di Lorenzos vom Stapel gelassen hat, halte ich für ziemlich übel. Da wird lang und breit ausgeführt, wieso sich di Lorenzo diesen Fauxpas erlaubt hat. Leute wie di Lorenzo oder Joffe sind Knüwers Meinung nach zu abgehoben. Habe ich Knüwers Text etwa missverstanden?

Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen in diesem Fall gegen di Lorenzo aufgenommen. Damit dürfte der von anderer Seite zu erwartende Hinweis ausgeräumt sein, dass di Lorenzo nicht mal belangt würde, wohl noch rechtzeitig ausgeräumt worden sein. Denn ich bin mir sicher: Im Internet wäre auch das noch hinzugekommen.

Knüwer zitiert di Lorenzo und merkt selbst an, mit welch „erstaunlicher Selbstverständlichkeit“ dieser sein Outing ausgeplaudert hätte. Aus dieser Selbstverständlichkeit leitet Knüwer seinen Vorwurf der „elitären Arroganz“ ab. Und er hält natürlich weitere Beispiele bereit. Knüwer führt einige journalistische Fehlleistungen di Lorenzos namentlich auf. Knüwer demonstriert damit – vielleicht sogar ohne es selbst zu merken, wie arrogant das wirkt.

Statt ordentlich Kritik hagelt es Shares und jedenfalls zustimmende Kommentare (bisher insgesamt 17). Ich weiß nicht, was die Leute über Knüwers Attacke denken oder über di Lorenzos Fehlleistung. Ein Leser findet gar, dass di Lorenzo nun als Chefredakteur untragbar geworden sei. Er bezeichnet di Lorenzo als Blender und vergleicht ihn mit Guttenberg… Da war doch was… Tssts.

Die „Zeit“ ist auch in dieser für den Journalismus kritischen Zeit sehr erfolgreich und das wird wohl mit ein Verdienst dieses Giovanni di Lorenzos sein. Der Mann macht den Job nun schon fast 10 Jahre. Das kann schon neidisch machen.