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Ich war schon Antisemit, Linksfaschist, Gutmensch, Nazi, Sozi oder einfach Idiot

Mit Etiketten (für andere) sind wir heutzutage sehr freizügig. Vor allem im Internet. Wer da die „falsche“ Position in einer Diskussion einnimmt, der kriegt auch ganz schnell mal eins verpasst, was einem einen kalten Schauer über den Rücken jagt.

Ich persönlich bin (seit es das Internet gibt) schon Antisemit, Linksfaschist, Gutmensch (natürlich), Nazi, Idiot oder Sozi (sowieso) und vieles andere mehr gewesen.

Geht das denn alles zusammen?

Klar geht das! Du musst dir nur einen Blog zulegen und hin und wieder an den richtigen Stellen einen Kommentar hinterlassen.

Wenn du dann auch noch in den so genannten sozialen Netzwerken mitmachst und bei alledem nicht nur über nette Dinge bloggst hast du ganz fix ein Brandmal auf der Stirn. So schnell kannst du gar nicht gucken.

Wenn mich hier jemand beleidigt, kriege ich es fertig und lösche den Kommentar. Aber das ist ganz selten der Fall gewesen. Die schlimmsten Kommentare habe ich mir anderswo „eingehandelt“. Oder meine eigenen Kommentare wurden erst gar nicht veröffentlicht. Vielleicht war das sogar besser, weil substanzloses Schimpfen kann ich auch. Wenn es ganz so arg kommt und ich einen Artikel lese, bei dem ich fast ans Kotzen komme, ist das eigentlich auch nicht schlimm. Ich schreibe zwei, drei unverschämte Sätze und drücke erleichtert den Senden-Button. Wenn mein Geschimpfe nicht veröffentlicht wird, kriege ich das in den meisten Fällen nicht mal mit, weil ich solche Artikel grundsätzlich erst gar nicht abonniere.

Inzwischen ist ein Monat vergangen und meine Konten bei Facebook und Google+ sind dauerhaft gelöscht. Ihr wisst wahrscheinlich, man kann diese über einen gewissen Zeitraum (früher waren es, glaube ich 20 Tage) wieder reaktivieren. Mein Twitter-Konto hat sich aufgrund eines Umstandes immer neu reaktiviert, so dass dieses auch heute immer noch vorhanden ist. Ich behalte es jetzt erst mal. Bei Twitter kann ich meine Blase besser von Unrat freihalten als das in den anderen Netzwerken gelingen wollte.

Wie auch immer: Bisher fehlt mir nichts. Im Gegenteil. Ich bin schon etwas weniger belastet, seitdem ich dort nicht mehr mit dem galligen Arschkram der Menschenfeinde in Deutschland verschont bleibe.