Meinungsforschung? Manipulation in Muttis Diensten.

Die Lügenpresse und die Systemmedien allein sind es jetzt nicht mehr. Endlich sind die AllesBesserwisser darauf gekommen, dass die Meinungsforschungsinstitute auch nur das liefern, was ihre Auftraggeber direkt oder indirekt wünschen.

[easy-tweet tweet=“Wie können sich diese Schlappschwanzmedien nur erdreisten?“]

So einfach ist die Welt. Vor allem dann, wenn es einem (und natürlich „dem Internet“) prima in den Kram passt.

Die Möglichkeit, Merkels Politik zu kritisieren, weil sie zu hart gegenüber Griechenland auftrat, bot die Umfrage nicht.Quelle: Stefan Niggemeier | Wer gegen den “Grexit” ist, muss für Merkel sein: Wie der “Stern” und Forsa Stimmung für die Union machen | LINK

Das an sich ist ja schon eine absolute Frechheit, nicht wahr? Wie können sich diese Schlappschwanzmedien nur erdreisten, die Suggestivfrage der eigenen Wahl einfach links liegen zu lassen?

Mir gehen diese Einseitigkeiten so auf den Sack, dass ich das Internet am liebsten an die Wand klatschen würde.

Und in Athen weiß man, wie man „die Europäer“ kriegt. Zumindest wissen es die Extremisten. Sie mobilisieren die Leute, um Europa, vor allem natürlich Deutschland, klarzumachen, wie furchtbar das alles für das griechische Volk ist, was ihnen Merkel und Schäuble angetan haben.

Und natürlich wird in Deutschland bei diesen schrecklichen Bildern geflissentlich ausgeblendet, dass es nicht Deutschland, sondern 17 weitere Eurogruppenländer gewesen sind, die einen einstimmigen Beschluss in Brüssel getroffen haben. Aber das sind Sachfragen, für die sich nicht mal ein Sven Giegold interessiert – und das, obwohl er selbst im europäischen Parlament sitzt und seine Grünen Merkels Vorgehen ausdrücklich gutgeheißen haben.

Mit Meinungsverschiedenheiten hat all das, was im Moment im Internet abläuft, rein gar nichts mehr zu tun. Zum Glück findet dieser Krieg virtuell statt und zwar ausschließlich.  So viele Bekloppte kann es nämlich „in Wahrheit“ gar nicht geben.

Schlechte Löhne, schlechte Renten, wenig Sicherheit – das ist die Bilanz der Agenda 2010

Wie oft habe ich hier schon darüber spekuliert, dass die deutsche Wirtschaft auch ohne die „Zumutungen“, genannt „Agenda 2010“ und im speziellen „Hartz IV“, aus der Krise der 1990er Jahre herausgekommen wäre. Meistens stand mein Ärger im direkten Zusammenhang mit den Behauptungen, die von Wirtschaftsfachleuten und gewissen Politikern bis zum Erbrechen (ich bitte das wörtlich zu nehmen!) wiederholt wurden.

Danach sollte nicht die Welt aber doch Europa am „deutschen Wesen“ genesen. Die „schmerzhaften Sozialreformen“ sollten verantwortlich dafür sein, dass Deutschland heute als Musterschüler da stünde. Mit dieser Empfehlung gehen deutsche Eliten nach Griechenland, Portugal, Spanien, Italien und – etwas weniger forsch – auch nach Frankreich. Wer weiß, ob Hollande seinen Mut nicht noch verlieren wird, bevor er mit den Sozialreformen wirklich ernst macht. Ich wünsche das den Franzosen. Aus der Krise werden sie vielleicht auch ohne solche „Zumutungen“ herauskommen.

Sind das jetzt die richtigen oder die falschen Ökonomen?

Jetzt hat eine Gruppe anerkannter nationaler und ausländischer Ökonomen vom University College London, der Humboldt-Universität und der Universität Freiburg „Hartz IV“ nämlich infrage gestellt. Diese Wissenschaftler gehen sogar weiter. Sie behaupten nämlich, dass die Etablierung der Hartz-IV-Gesetze kontraproduktiv gewesen sei.

Natürlich ist es nicht zu erwarten, dass die Wissenschafter und Politiker (nicht mal die von der SPD!), die damals den Weg in die soziale Verelendung großer Bevölkerungsteile beschritten haben, sich von ihren Missetaten distanzieren. Schlimm sind solche „Erkenntnisse“ für die Leidtragenden, die nicht mehr auf die Füsse gekommen sind und von unserer Gesellschaft längst abgeschrieben wurden. Die lesen jetzt, dass ihr Opfer umsonst war und dass es vielen Menschen deutlich besser gehen könnte, als dies nach dem Druck auf das allgemeine Lohnniveau in Deutschland, der nur den Reformen zuzuschreiben ist, immer noch der Fall ist.

Schlechte Löhne, schlechte Renten, wenig Sicherheit – das ist die Bilanz der Agenda 2010.

Verfolgungsbetreuung von Jugendlichen aus Hartz-IV-Familien: Gut betreut ist halb verloren

Man hat zwar nicht immer den Eindruck, aber es gibt in Deutschland doch eine ganz ordentliche Menge an Gläubigen. Ich meine nicht die Angehörigen der Kirchen, sondern diejenigen, die unseren Politikern und Top-Managern abnehmen, dass die Einführung dieses verschissenen Hartz-IV-Gedöns‘ etwas Gutes für unser Land gebracht hat.

Nur wenns ganz so arg wurde und es schon zum Himmel stank, hat man ein bisschen daran herumgeflickt. Viel gebracht hat das für die Leute, die unter den Bedingungen leben, aber nicht.

Großzügigerweise hat der Gesetzgeber zum Beispiel den Betrag, den Kinder aus so genannten Bedarfsgemeinschaften beispielsweise durch einen Ferienjob verdienen dürfen, auf 1.200 Euro (jährlich!) heraufgesetzt. Liegt der Betrag darüber wird die monatliche Zahlung der Hartz-IV-Leistung entsprechend gekürzt. Die 1.200 Euro gelten nur für Ferienarbeiten von einer Dauer von höchstens vier Wochen je Kalenderjahr. Wer länger arbeitet, wird bestraft, die Hartz-Bezüge gekürzt. Das soll es ja geben, dass Jugendliche sich durch Ferienjobs etwas Geld verdienen, damit sie sich ohne Hilfe der Eltern einen Wunsch erfüllen können. Das Engagement kann sich lohnen – nur nicht für Kinder und Jugendliche aus Hartz-IV-Familien!

Ein Schüler aus einer Hartz-IV-Familie darf elf Monate lang je 100 Euro anrechnungsfrei hinzuverdienen und zusätzlich noch einmal 1.200 Euro in einem vierwöchigen Job in den Sommerferien. Geregelt ist dies in Paragraf 1 Absatz 4 der ALG-II-Verordnung. Insgesamt ist ein anrechnungsfreier Verdienst von 2.300 Euro im Jahr erlaubt – also gar nicht so wenig.
Quelle: Hartz-IV-Kinder: 1.200 Euro im Ferienjob sind erlaubt – geldsparen.de

Bis 2010 war das noch anders geregelt.

Es gibt allerdings Freibeträge, die auch bei Arbeitseinkommen aus Ferienjobs gelten. Nicht angerechnet werden die ersten 100 Euro aus der Tätigkeit. Von dem Einkommen, was zwischen 100 und 800 Euro liegt, wird 20 Prozent nicht angerechnet, vom Einkommen über 800 Euro ist 10 Prozent anrechnungsfrei. Ab der Obergrenze von 1200 Euro wird alles Einkommen angerechnet. Beispielsrechnung: Ein Schüler verdient 500 Euro mit seinem Ferienjob. Dann sind 180 Euro anrechnungsfrei. Die Differenz von 320 Euro wird vom Arbeitslosengeld 2 abgezogen, das die Eltern erhalten. Sie erhalten somit für den maßgebenden Zeitraum diesen Betrag weniger vom Jobcenter bzw. der Kommune.
Quelle: Hartz IV Kinder beim Ferienjob benachteiligt

Heute las ich von einer Hartz-IV-Regelung, die ebenfalls Kinder aus so genannten Bedarfsgemeinschaften treffen. Sobald ein Kind 15 Jahre alt ist und weiterhin eine Schule besucht, wird es automatisch vom Jobcenter zur Stellensuche aufgefordert. Nun könnte man meinen, dass sich dieser Mechanismus dadurch durchbrechen lässt, dass die Eltern des Kindes beim Jobcenter eine Schulbescheinigung vorlegen. Mitnichten! Die Behörden fordern die Jugendlichen dazu auf, regelmäßige Beratungstermine zu vereinbaren sowie auf Stellengesuche zu reagieren.

Der formale Grund dafür ist, dass Jugendliche ab dem 15. Lebensjahr als erwerbsfähig gelten und damit – Achtung! – in die so genannte [symple_highlight color=“blue“]Verfolgungsbetreuung[/alert] aufgenommen werden. Was für ein Wort!! Eines, das man getrost als Unwort des Jahres prämieren könnte. Folgt man den Regeln dieser Verfolgungsbetreuung nicht, man ahnt es bereits, hat dies Konsequenzen. Leistungen werden komplett oder teilweise gekürzt.

Leider handelt es sich nicht etwa um eine Ausnahme. Die in diesen Fragen oft zitierte Insiderin Inge Hannemann bestätigte, dass es sich keineswegs um Ausnahmefälle handle.

Arbeit kann krank machen, keine Arbeit aber auch

ic_wirtschaftArbeit kann erfüllend sein. Arbeit kann auch Therapie sein in schlimmen Lebenslagen, beispielsweise bei Verlust eines wichtigen Menschen. Leider hören wir in den letzten Jahren aber auch immer öfter, was Arbeit noch sein kann. Die Zahl der Menschen mit psychischen Erkrankungen, deren Ursache in der Arbeit liegen, hat stark zugenommen. Stichwort: Burnout.

Menschen wollen arbeiten. Das ist der Regelfall! Und es gibt in Deutschland zum Jubel der Politiker über 42 Mio. Erwerbstätige – ein Rekord. Wir wissen, dass viele nicht von dem Leben können, was sie in ihrem Job verdienen. Entweder haben diese Menschen mehrere Jobs oder, wenn es zeitlich nicht passt, stocken sie auf. Sie sind Hartz IV-Empfänger, obwohl sie einem Fulltime-Job nachgehen.

Wie zielführend kann es sein, eigene Erfahrungen dazu in die Waagschale zu legen? 

Gegen Ende meines Berufslebens kann ich sagen, dass ich Phasen durchlebt habe, auf die ich gern verzichtet hätte. Insgesamt war ich mehrere Monate arbeitslos. Diese „Wartezeiten“ (man nennt es heute verniedlichend „Bruch der Erwerbsbiographie“) geben einem ein Gefühl dafür, wie es sich anfühlt, Existenzangst zu entwickeln, die alles bestimmt. Und wie viel schlimmer muss es sein, wenn man über u.U. über Jahre vergeblich nach einem neuen Arbeitsplatz sucht? Wenn man immer mehr die Hoffnung verliert, weil eine Absage nach der anderen kommt und man deshalb die eigenen Erfolgsaussichten immer geringer einschätzt? Man verliert den Glauben an sich und an die Zukunft. Trotz der fast 3 Mio. (offiziellen) Arbeitslosen scheinen diese Schicksale in der öffentlichen Diskussion kein vorrangiges Problem mehr zu sein. In Umfragen hörte man, wie zufrieden „die Deutschen“ mit ihrer gegenwärtigen Situation wären.

Man könnte daraus schlussfolgern, dass etwas daran ist, wenn liberale und konservative Politiker behaupten, dass „sozial ist, was Arbeit schafft„. Deshalb kann man auch danach fragen, ob das Risiko, dass durch Mindestlöhne Arbeitsplätze verloren gehen könnten, nicht ein zu hohes darstellt. Arbeitslosigkeit macht verzweifelt und macht krankt. Dazu braucht man keine Studien. Viel Vorstellungskraft braucht man nicht, um das nachzuvollziehen.

Keine Arbeit ist scheiße, manche Arbeit ist es auch

Dass wir aber auf der anderen Seite hören, dass auch die, die Arbeit haben, immer häufiger unter psychischen Erkrankungen leiden, gibt schon zu denken. Persönlich würde ich es auf die Formel bringen, dass Arbeit Spaß machen muss. Wenn man Spaß an der Arbeit hat, wird man hoffentlich nicht so schnell zu denen zählen, die irgendwann nicht mehr können. Aber was ist das überhaupt, Spaß an der Arbeit? Und haben wir einen Anspruch darauf, dass Arbeit Spaß macht? In einer Diskussion über dieses Thema hat mich mal ein Unternehmensberater gefragt, wer eigentlich die These entwickelt habe, dass Arbeit Spaß machen müsse? Wahrscheinlich hat er Recht. Einen Anspruch haben wir nicht darauf. Aber wir müssen alles daran setzen, dass uns unsere Arbeit Spaß macht. Bliebe zu klären, welche Mittel uns dafür zur Verfügung stehen?  Das kann so individuell sein, dass man darauf wohl keine allgemein gültige Antwort geben kann. Vielleicht gelingt es auch nur phasenweise. Aber auch das ist ja schon mal was.

Ist das Interesse der Unternehmen grundsätzlich anders beschaffen als das eigene? Oder anders herum, wird die Motivation, die ein Arbeitnehmer aus einem erfüllenden Arbeitsgebiet ziehen kann (ich übersetze das mit Spaß!), nicht automatisch auch zum Vorteil des Unternehmens werden? Ich habe das Gefühl, dass sich solche Fragen heute kaum noch stellen. Darin liegt m.E. das Problem. Noch in den 1990er Jahren hatte ich das Gefühl, dass es keine Floskel war, wenn Unternehmen davon berichteten, wie wichtig ihnen das Wohl ihrer Mitarbeiter wäre und wie hoch sie den Wert dieser Mitarbeiter für das Unternehmen einschätze. Nicht nur, dass Programme zur Entwicklung von Mitarbeitern trotz irrsinnig gestiegener Unternehmensgewinne kaum noch stattfinden, die allgemeine Wertschätzung der Mitarbeiter hat in meinen Augen dramatisch abgenommen. Es ist also nicht nur das Einkommen, das Gehalt, das für Arbeiter und Angestellte wichtig ist. Das Gefühl, dass die eigene Arbeit geschätzt wird, dass man als Mensch geachtet und wertgeschätzt wird, ist wahrscheinlich nicht weniger bedeutend. Eigentlich ist es also ziemlich einfach. So einfach, dass man sich wundert, dass die Personalabteilungen scheinbar nicht imstande sind, für ein Gelingen zu sorgen.

Obwohl vom Facharbeitermangel die Rede ist, zahlen viele Unternehmer insbesonderen jungen Mitarbeitern oft Löhne und Gehälter, die nur schwer als gute Startbasis zu betrachten sind. Wahrscheinlich gibt es ausreichend gut ausgebildete Leute im Land. Nur, dass deren Gehaltsvorstellungen über dem liegen, was Unternehmen zu zahlen bereit sind. Da holt man sich lieber Leute aus dem Ausland (Spanien, Portugal und Griechenland), weil deren existenzielle Notlage so groß ist, dass sie sich mit noch geringeren Löhnen zufrieden geben. Auch eine Art von Wettbewerb, der krank ist.

 

Wie originell sich die SPD in der Regierungsarbeit als kleiner Partner profilieren will

Was kann die SPD tun, damit sie die nächste große Koalition besser übersteht als die letzte? Sigmar Gabriel hat diese Frage in letzter Zeit häufig gestellt bekommen. In seinem Facebook-Account antwortet er darauf und schließt seine Ausführungen mit folgendem Satz ab:

„Wenn es zu einer Großen Koalition kommt, wird die SPD Anwalt der Arbeitnehmer, der Familien und der ganz normalen Menschen in Deutschland sein.“

Die SPD als Anwalt der Arbeitnehmer? Wie originell. Das hatten wir ja noch nie!

Die Hartz IV – Empfänger gehören als Opfer der Partei also nicht dazu. Gut zu wissen! Und ehrlich gesagt, das hätte ja auch keiner erwartet.


DRadio Wissen: Interview mit Inge Hannemann

Inge Hannemann arbeitet(e) in einem Jobcenter in Hamburg. Sie erlebte aus erster Hand, wie es dort Hartz-IV-Empfängern erging. Irgendwann begann sie damit, über ihre eigenen Erfahrungen zu bloggen.

Interview von DRadio Wissen mit Inge Hannemann

Ihren Blog führt sie seit April 2012. Ihr bisher letzter Beitrag „Hartz IV führt zur Erpressung“ setzt also nach einem Jahr einen Kontrapunkt zu dem Gesülze, mit dem uns Politiker und etliche Wirtschaftsgrößen zum 10-jährigen Jubiläum dieses Teils der in diesen Kreisen hochgelobten Agenda 2010 beglückten.

Der Druck, der auf Arbeitslose und Hartz-IV-Empfänger im Besonderen ausgeübt wurde und der genauso politisch gewünscht war, hat weitaus mehr Auswirkungen auf eine Gesellschaft als nur statistische. Der Euphemismus vom „Fördern und Fordern“, von dem bei Lichte gesehen nur der zweite Teil funktioniert ist nicht weniger fragwürdig, wie die Aussage, die „Flexibilisierung des Arbeitsmarktes“ habe zum starken Rückgang der Arbeitslosenzahlen geführt.