Wir schlagen uns gegenseitig die Türen vor der Nase zu

Es ist eine üble Sache, von Vorurteilen gegenüber anderen Menschen belastet zu sein. Ich erinnere mich daran, dass Ralph Gioardano einmal in einem Interview sinngemäß erzählt hat, dass auch er mit Vorurteilen zu kämpfen hatte.


Vorteile, die ihm plötzlich bewusst wurden und gegen die er angekämpft hat. Vorurteile kann man los werden.

Durch Nachdenken, durch Informationen, durch Gespräche darüber, die man mit anderen Menschen führt. Wir wissen aber, dass auch das Gegenteil passiert. Zum Beispiel, wenn man auf die „richtigen Partner“ trifft, die einem die eigenen Vorteile nur zu gern bestätigen.

Die Basis von Vorurteile sind nicht eigene Erfahrungen

Dass es sich um Vorurteile handelt bemerkt man -jedenfalls, wenn man ehrlich zu sich ist- ziemlich rasch. Denn persönliche negative Erfahrungen fehlen komplett. Deshalb beruhen die Vorurteile auf Schilderungen von Freunden, Bekannten oder Arbeitskollegen. Manchmal sind es auch über Generationen „gepflegte“ Vorurteile, die uns zu schaffen machen. Allesamt sind nicht sonderlich konkret, trotzdem belasten sie unser Zusammenleben mit anderen Menschen.

Wenn Zeitungsredakteure oder Redaktionen Vorurteile transportieren hat das eine andere Qualität als das Gerede zwischen Privatleuten. Der Effekt ist erheblich größer. Nicht nur deshalb, weil die Zahl der Empfänger vergifteter Botschaften, wie ich sie einmal nennen will, viel größer ist, sondern vor allem deshalb, weil wir erfahrungsgemäß (trotz aller Kritik an „der Lügenpresse“) immer noch das für bare Münze nehmen, was in der Zeitung steht.

Eine Gesellschaft muss mit ihren Problemen umzugehen lernen

Trotz solcher ernüchternder Tatbestände: Wir müssen anerkennen, dass eine Gesellschaft ist wie ist ist. Wir können uns keine neuen Menschen backen. Jeder an seinem Platz muss seinen eigenen Beitrag dafür leisten, dass diese Gesellschaft ihre Werte findet und diese lebt und vor allem auch verteidigt. Das ist uns vielleicht ein bisschen abhanden gekommen. Warum sonst reden so viele darüber, dass unsere Gesellschaft immer mehr auseinander driftet? Auch solche Phänomene haben dabei ihren Einfluss.

Ich fand Sascha Lobos vehemente Anklage am letzten Donnerstag bei „Maybrit Illner“, wir hätten in Deutschland ein massives Rassismusproblem, übertrieben. Aber ich einräumen, dass ich eine ganze Weile darüber nachgedacht habe.

Ich habe Freunden gegenüber in meiner Wut schon vor langer Zeit so was ähnliches behauptet. Aber mir hat Gott sei Dank kein Millionenpublikum zugehört.

Vielleicht müssen wir uns auch mal fragen, ob durch die Flut so vieler negativer Nachrichten, nicht mit dazu beitragen könnten, dass sich die Lage noch weiter zuspitzt.

Studie über Vorurteile in den Medien

Die Studie soll belegen, dass bei Zeitungsleuten Vorurteile ebenso verbreitet sind wie beim Rest der Bevölkerung. Ist das eine Überraschung oder sollten wir mit dieser nicht so überraschenden Erkenntnis etwas weniger aufgeregt umgehen?

Wir müssen mit dieser Gesellschaft die Probleme lösen, die wir haben. Polarisierungen helfen vielleicht bis zu einem bestimmten Punkt.

Uns fehlen in diesem Land nicht nur Fachkräfte, es fehlen Brückenbauer, vom Schlage eines Johannes Rau. Wir müssen miteinander reden. Aber wie soll das gehen, wenn wir uns (wegen unserer vielen Vorurteile) gegenseitig die Türen zuschlagen?

Ein System – ein Misstrauen

Die Diskussion darüber, ob es richtig war, die Bilder der toten Flüchtlinge aus dem Lastwagen in Österreich zu zeigen, hat etwas Unehrliches an sich.

Es gab in einer österreichischen Zeitung die Schlagzeile „Kein Bild kann dieses Verbrechen beschreiben„. Ich glaube, das stimmt nicht.

Außerdem frage ich mich, ob es wirklich die Sorge um die Würde der toten Menschen auf dem LKW-Boden gewesen ist, die Redaktionen daran hinderten, die Fotos zu veröffentlichen oder waren es nicht andere Gründe, die einige davon abhielten, sie abzubilden?

Ich denke, die Würde dieser toten Flüchtlinge hat viele von uns vor diesem Ereignis nicht interessiert. Weshalb sollte das angesichts ihres schrecklichen Todes anders sein? Das klingt schrecklich. Aber ist es nicht so?

Fotos sind schon allein deshalb gut und wichtig, weil sie uns aus unserer Lethargie aufwecken können. Unsere Aufmerksamkeitsspanne lässt sich nicht einfach verlängern. Durch schreckliche Nachrichten allein jedenfalls nicht mehr.

Wir sind nicht unschuldig

Ebenso wenig interessieren sich die meisten von uns dafür, welche die Ursachen für den Exodus sind, und inwieweit die Politik der EU und der Nationalstaaten dafür mitverantwortlich sind. Sie konzentrieren sich auf Hass und Ablehnung der Flüchtlinge. Sie stören ihre Heimatgefühle oder machen ihnen Angst aus Gründen, die allesamt nur davon zeugen, wie egoistisch sie sind.

Wer sich mit der Materie nur ein wenig auseinandersetzt, hat außer dem Zugewinn an eigenen Erkenntnissen zwar auch noch keinen Beitrag dafür geleistet, dass sich die Verhältnisse ändern. Es wird dadurch nichts besser, dass dem System sämtliche Schuld angelastet wird, zumal die genannten Gründe sich nicht auf eigene Erfahrungen beziehen, sondern oft auf diffuse Ängste, die die Zukunft betreffen.

Außerdem müssen wir uns bewusst machen, dass wir das System zwar nicht selbst kreiert haben aber dass wir es durch unserer Verhalten von innen heraus gestärkt und zu dem gemacht haben, was es heute ist.

Krebsmedikamente mit astronomischen Preisen

Heute las ich in der Tageszeitung, dass manche Krebsmedikamente bald nicht zu verfügbar stehen, weil ein Engpass entstanden sei. Der Grund ist exemplarisch für unser kapitalistisches System.

Die Pharmaindustrie verdient an diesen Krebsmitteln angeblich nicht genug. 2000 Euro Umsatz, der mit einer Packung gemacht wird, ist offenbar zu wenig. Deshalb klettern die Preise durch die künstliche Verknappung dieses Mittels in astronomische Höhen. Das ist eine Pervertierung der Marktgesetze, die unter Umständen dazu führt, dass Menschen sterben. Die Politik scheint sich nicht in der Lage, dagegen etwas zu unternehmen.

Vielleicht wollten die Redakteure der Zeitungen, die die Bilder nicht veröffentlicht haben, dass unsere zarten Seelen nicht verletzt werden. Aber vielleicht ist es ja auch so, dass sie in Sorge waren, dass die Veröffentlichung Auflage, Umsatz und Gewinn kosten könnte?

Ein System – ein Misstrauen.


Man sagt, Bilder seien stärker als Worte! Meiner Erfahrung entspricht das. Bilder vermögen es – mehr als Worte -, starke Emotionen zu erzeugen.

Bilder als Zeugen

Als ich vor ein paar Tagen die offenbar als „Offensive“ von Buzzfeed (diese 20 Fotos allen Flüchtlingsgegnern zeigen), gedacht war, las, überkam mich ein Anflug von Zynismus und die deprimierende Einsicht, dass „solche Leute“ sich ganz bestimmt nicht von irgendwelchen Fotos beeindrucken lassen würden.

Aber woher weiß ich das? Wie spreche ich anderen jedes Mitgefühl ab? Zu meiner Rechtfertigung muss ich sagen, dass die Leute dieser Zielgruppe mit ihren hasserfüllten Hackfressen auf mich diesen Eindruck nicht machen.

Aber ich glaube trotzdem, dass Menschen immer dazu in der Lage sind, ihre Ansichten und Überzeugungen zu ändern. Schon die Bibel erzählt von der Verwandlung Saulus zum Paulus. Saulus war ursprünglich ein Christenverfolger und aus ihm wurde ein Missionar des christlichen Glaubens. Oder ist es bezeichnend für uns, wie weit wir uns von solchen Bildern heutzutage entfernt haben?

Doch, das ist mein Ernst! Und als Gutmensch kann man sich das sowieso erlauben.

Auf dem Weg nach Damaskus, kurz vor der Stadt, umstrahlte ihn plötzlich ein Licht vom Himmel. Er stürzte zu Boden und hörte eine Stimme: »Saul, Saul, warum verfolgst du mich?« »Wer bist du, Herr?«, fragte Saulus. Die Stimme sagte: »Ich bin Je­sus, den du verfolgst. Aber steh auf und geh in die Stadt! Dort wirst du erfahren, was du tun sollst.« Den Männern, die Saulus begleiteten, verschlug es die Sprache. Sie hörten zwar die Stimme, aber sie sahen niemand. Saulus stand von der Erde auf und öffnete die Augen – aber er konnte nichts mehr sehen. Da nahmen sie ihn an der Hand und führten ihn nach Damaskus. Drei Tage war er blind und aß nichts und trank nichts.Quelle: Lebenswende :: Die-Bibel.de | LINK

Wir sind emotionale Wesen und deshalb auch zu Mitgefühl mit anderen Lebewesen fähig.

Das trifft auch auf diejenigen zu, denen wir momentan im Überschwang unserer Gefühle am liebsten einfach verbieten würden, weiter ihren Hass auf die Menschen abzuladen, die in ihrer Lage weder ein noch aus wissen und die so sehr auf unsere Hilfe angewiesen sind.

Und wenn nur ein Foto wenigstens ein paar dieser Flüchtlingsgegner in seinem Menschsein packt und ihn über den ersten Zweifel hinweg trägt, dass die „Lügen- oder Systempresse“ ein Spiel mit ihm treiben könnte – hätte dieses Foto etwas Gutes bewirkt.

Ein Nachmittag auf Schloss Dyck

Schloss Dyck 29.08.2015

Auf Schloss Dyck tritt es nicht ganz. Wir waren hauptsächlich im Schlosspark unterwegs und haben uns den Innenhof des Schlosses angesehen.

Die meisten Details kannten wir schon ganz gut. Aber es lohnt immer, diesem wunderschönen Schloss einen Besuch abzustatten. Gestern waren wir zum ersten Mal im Sommer dort.

Meistens fahren wir im Frühjahr dorthin – zur Magnolienblüte. Meine Schwiegermutter (90) war gestern zum ersten Mal dabei. Sie war sehr begeistert.

ARD/ZDF – Programm: Zum Glück habe ich das Internet

Immer habe ich zu den öffentlich-rechtlichen Sendern gehalten, wenn ich die zum Teil unflätige Kritik in Blogs oder sozialen Netzwerken gelesen habe. Aber in diesem Jahr hat mich das „Sommerprogramm“ (das nun wirklich keines war!) total angenervt.

Vorbei die Zeiten, wo die Programmverantwortlichen von ARD und ZDF wenigstens versucht hat, kreativ zu sein und dem Zuschauer ein Angebot in der Sommerzeit gemacht haben.

Da wurden z.B. mehrere Filme zur Auswahl gestellt und man konnte per TED den Film wählen, den man an lauen Sommerabenden gucken wollte. So etwas fällt den öffentlich-rechtlichen Sendern heutzutage gar nicht mehr ein.

Ich glaube, jetzt läuft die letzte Ferienwoche an. Übernächste Woche sind damit wohl im gesamten Bundesgebiet die Ferien zu Ende.

Ob ab dem nächsten, spätestens übernächsten Wochenende ARD und ZDF die Wiederholungen endlich stecken lassen werden? Fast kein Abend am Wochenende, in denen seit Monaten nicht ausschließlich Wiederholungen gelaufen wären.

Die Pilchers und Katie Fjords sind schon in der Erstausstrahlung nicht immer leicht zu ertragen. Aber die Zwangssichtung der zweiten und dritten Wiederholung kommen einem Martyrium gleich.

Gestern las ich, dass die ARD einen zusätzlichen Finanzbedarf in beträchtlicher Höhe angemeldet hat.

Wofür bitteschön? Haben sich die Herren Direktoren ihre Gehälter erhöht und machen nun Lücken in ihren Haushalten aus?

Das Filmangebot selbst kann nicht der Kostentreiber sein. Die Betriebskosten für die Ausstrahlung dieser elenden, langweiligen Wiederholungen werden außer ein paar Lizenzen und bisschen Strom nicht viel kosten. Deshalb tun sie ja auch, was sie tun.

Als ich noch jünger war, war mir das TV-Programm egal. Die Interessen lagen auf ganz anderen Gebieten. Jetzt bedaure ich die Älteren (also auch mich selbst), dass wir auf solche TV-Angebote „angewiesen“ sind. Angewiesen? Ja, denn die Privaten sind ja auch nicht besser.

Aber zum Glück -muss ich jetzt mal sagen- gibt es ja das Internet. Bei Amazon und anderen Anbietern kann man bessere Unterhaltung für kleines Geld bekommen als bei unseren öffentlich-rechtlichen Grundversorgern.

Setzt die EU vernünftige Prioritäten?

Von der Europäischen Union, also dem Friedensnobelpreisträger von 2012, haben wir bisher verdammt wenig gehört, wenn es darum ging, Angebote oder Ideen zu entwickeln, die den Abertausenden von Flüchtlingen und uns helfen könnten.


Auch die öffentliche Kritik schaut bisher überwiegend auf die Nationalstaaten und nicht auf die europäischen Institutionen. Natürlich sind erstere am Ende die, die den Ausschlag für die Flüchtlinge geben.

Wir wissen, dass 18 EU-Mitglieder zu wenig tun und damit ihrem Teil der Verantwortung nicht gerecht werden.


Und auch deshalb dürfen wir die EU nicht aus ihrer Verantwortung entlassen. Sie hat dafür zu sorgen, dass alle Mitglieder sich in dieser Aufgabe solidarisch zeigen. Wenn es dafür nicht schon zu spät ist. In dieser Frage wirkt es einmal mehr so, als ob viele Nationalstaaten nur noch Rosinenpickerei betreiben. Die wirtschaftlichen Vorteile will man sich erhalten, alles andere sollen bitteschön die anderen übernehmen. Großbritannien ist in dieser Beziehung vielleicht das unrühmlichste Beispiel überhaupt.

Der Vorschlag, über den heute der „Spiegel“ berichtet hat, ist ein Beispiel dafür, wie im schlimmsten Sinn technokratisch Brüssel mit dem Problem umgeht.

Bei uns Deutschland und in anderen EU-Ländern war in diesem Zusammenhang schon häufig die Rede davon, dass Europa vor Ort helfen soll, damit nicht nicht noch mehr Flüchtlinge sich auf den Weg machen. Das klingt auf den ersten Blick auch ganz gut. Nur konkrete Vorschläge wurden bisher dazu nicht unterbreitet.

Laut „Spiegel“ will die EU afrikanischen Staaten eine Milliarde Euro überweisen, wenn diese sich bereiterklären, Flüchtlinge zurückzunehmen. Die Einzelheiten kennt die Öffentlichkeit noch nicht. Diese sollen anlässlich einer EU-Afrika-Konferenz auf Malta im November besprochen werden.

Die Grünen lehnen diesen Vorschlag ab, weil sie darin den Versuch sehen, Entwicklungshilfe nur noch gegen Wohlverhalten zu geben. Das ist oppositionelles Gehabe, das wir schon bis zum Abwinken kennen. Von eigenen Vorschlägen der Grünen habe ich bisher noch nichts gehört. Kritisieren reicht nicht! Auch nicht die Teilnahme an einem Willkommensfest in Heidenau.

Mich stört aber etwas anderes mehr. Wenn wir uns die Herkunft der Flüchtlinge nach Ländern anschauen, sehen wir, dass die Zahl der afrikanischen Länder überschaubar ist. Die meisten Flüchtlinge kommen aus den Kriegsgebieten aus Vorderasien und Nordafrika. Und um die geht es dabei ja nicht. Diese Menschen genießen nämlich bei uns das Grundrecht auf Asyl.

Entsprechend wenige Länder kämen demnach als Empfänger der Milliarde Euro infrage.

Wäre es deshalb nicht besser, wenn die EU sich um die vielen Flüchtlinge aus dem Balkan kümmern würde? Ich meine nicht die Bestrebungen der deutschen Regierung, dafür zu sorgen, dass die Länder des West-Balkan (also Mazedonien, Kosovo und Albanien) zu sicheren Herkunftsländern gemacht werden.

Es muss dort (auf dem Balkan, also innerhalb Europas!) etwas passieren, damit die Menschen nicht in den reichen Norden flüchten wollen — weil sie in ihrer Heimat keine Zukunft mehr sehen.

Wie groß müssten unter dieser Voraussetzung also zum Beispiel die Geldsummen sein, um der dort stattfindenden gnadenlosen Diskriminierung von Roma in manchen Ländern ein Ende zu bereiten?

Es ist bekannt, dass 40 % aller Flüchtlinge aus dem Balkan zu uns kommen und das weit über 90% von ihnen kein Anrecht auf Asyl haben. Es herrscht dort kein Krieg. Aber die Lebensbedingungen und Perspektiven für sehr viele Menschen sind miserabel.

Wäre unter Würdigung dieser hohen Flüchtlingszahlen aus diesen Gebieten eine Priorisierung der EU-Hilfen für den Balkan nicht sinnvoller, als vielleicht irgendwelchen dubiosen afrikanischen Regimen das Geld zu überweisen?

Sie werden es per se genauso wenig im Sinne der einheimlichen Bevölkerung oder der von uns gemeinten Gruppen einsetzen als es vielleicht auf dem Balkan geschehen würde. Deshalb müssten – egal, was letztlich getan würde – nicht nur Geld fließen, sondern es muss ein ständiger Überwachungsprozess etabliert werden.

Dieser hat ausschließlich die Aufgabe, die rechtmäßige Verwendung finanzieller Mittel im Sinne der Menschen zu gewährleisten, denen wir helfen wollen.

Aber ist ein solcher Gedanke überhaupt praktikabel?