ARD + ZDF verarschen ihre ZuschauerInnen?

Christoph Schwennicke, Cicero, hat Kritik am öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Die Printausgabe vom Juli befasst sich ausführlich mit dem Thema.

In seiner Online-Ankündigung sagt Schwennicke, dass Deutschland zwar das teuerste öffentlich-rechtliche Fernsehen der Welt hätte, nicht aber das beste. Ich kann nicht sagen, ob es das Teuerste ist oder das Schlechteste. Dafür fehlen mir verlässliche Vergleichszahlen.

Aber vielleicht das mit den meisten Wiederholungen?

Die Umbenennung von Gebühr in Rundfunkbeitrag hat nichts besser gemacht. Die Einstellung vieler BürgerInnen zu den Öffentlich-Rechtlichen ist kritisch. Der Ärger der Zuschauer nimmt weiter zu. Gefühlt befindet sich unter jedem Artikel über eine vermeintlich missratene Sendung mindestens ein Kommentar, in dem was von GEZ-Abzocke erwähnt oder andere wütende Äußerungen über die krasse Selbstbedienung des öffentlich-rechtlichen Sender geschrieben wird.

Mir hängt es auch an den Ohren raus. Ich rede vor allem von den permanenten Wiederholungen, mit denen wir jetzt (wie zuletzt jedes Jahre) traktiert werden. Eine echte Zumutung für Leute, die gern fern sehen – und die solls ja immer noch geben!

Die Sommer-Schulferien dauern nur 6 Wochen aber diesen blöden Zirkus veranstalten die Sender den kompletten Sommer hindurch. Wenn man bei der Auswahl der Wiederholungen zumindest ein bisschen mehr Liebe walten lassen würde. Mir kommt es so vor, als würden Beiträge gezeigt, die man gerade erst vor ein paar Monaten in Erstausstrahlung oder Wiederholung zuletzt angesehen hatte.

Wenn man dann hört, welche Fehlausgaben die Verantwortlichen seit Langem immer wieder tätigen, kommt selbst dem geneigten Zuschauer die Galle hoch. Andererseits – woher will ich beurteilen können, dass 2 Mio. hier und weitere 2 Mio. dort für ein missglückten Engagement eines ehemaligen Spitzenentertainers eine Fehlausgabe darstellen? Andere tun sich mit Wertungen ganz leicht. Beispielsweise auch Herr Schwennicke. Der sagt, letztere ca. 2 Mio. Euro für Gottschalk seien zum Fenster hinausgeworfen worden. Abgesehen davon, dass Gottschalk das vermutlich anders sehen wird, könnte es ja sein, dass es entsprechende Verträge gegeben hat. Verträge hat man auch mit der Fifa abgeschlossen. Ihr wisst schon, diesem korrupten Verein aus Zürich.

432 Mio. Euro haben ARD und ZDF für die Übertragungsrechte der, wie wir inzwischen zu wissen glauben, zweifelhaft vergebenen Fußballweltmeisterschaften in Katar und Russland ausgegeben. Also, die Botschaft lautet: Wie kann man einem korrupten Verein wie der Fifa nur so viel Geld bezahlen, nur um ein bisschen Fußball zu gucken? Ich bin ganz sicher, viele werden das bei näherer Überlegung vielleicht doch ein wenig anders sehen als Herr Schwennicke. Die WM bei den Privaten. Diesen Worst Case will sich vielleicht auch keiner reinziehen?!

ARD und ZDF kriegen 7 Mrd. Euro von uns. Ein richtiger Batzen. Davon müssen u.a. 40.000 feste und freie Mitarbeiter bezahlt werden.

Vermutlich wird sich das Konstrukt öffentlich-rechtlicher Rundfunk in nicht ferner Zukunft erledigen. Der Druck durch alternative Angebote (Internet, Netflix) nimmt weiter zu und das Merkmal Qualität scheint weiter abzunehmen.

Foto von: Anthony CatalanoCC BY-NC-SA 2.0

Perspektivwechsel bringen es auch nicht

Dieses Video wurde schon vor 3 Jahren von Amnesty bei Youtube hochgeladen. Es wurde bisher 26.296 mal aufgerufen. Das sagt alles.

Sogar manche deutsche Youtuber erreichen in zwei Tagen mehrere Hunderttausend Aufrufe. Vermutlich ist der Clip einfach nicht gut genug. Oder nicht mal ein solcher Perspektivwechsel kann uns vor unserem Schrecken vor zu vielen Migranten bewahren.

Es ist einfach nur traurig.

gesehen bei: Warum uns das Schicksal von Flüchtlingen auch angeht | Intellektuelles Weichei | Quelle

Neoliberalismus vs. Humanität

Gestern Abend hatte ich seit langem mal wieder richtig Spaß bei einer Talkshow. Bei „Anne Will“ trafen Gesine Schwan und Kapt’n Ahab aus Schwabing aka Prof. Sinn aufeinander und das ziemlich heftig.

Ich twitterte darauf hin:

Ich muss also zur Enttäuschung mancher Leser zugeben, dass meine Weltanschauung viel näher bei Gesine Schwan als an der von diesem neoliberalen Professor. :-)  Und dabei geht mir das Verhalten der griechischen Regierung seit Längerem gewaltig auf den Zeiger.

Im Internet kommt Frau Schwan gefühlt deutlich schlechter weg als Herr Sinn. Sie schlossen sich dem sehr aufgebrachten Herrn Professor an, der über Schwans deutliche Ansagen höchst verärgert war. Ich würde sogar sagen, dass ich ihn so angepisst noch nie im deutschen Fernsehen erlebt habe. Und das allein war es schon wert, die Sendung anzusehen.

https://youtu.be/gn0nwZD3qQM

Ich fand Schwans Argumentation wirklich nicht schlecht, weil sie im Grunde den Punkt der beiden Standpunkte, also der Unterstützer und der Gegner der griechischen Politik gut auf den Punkt gebracht hat.

Es ist nämlich auch nach meiner Meinung sehr wohl „geliefert“ worden. Und Schwan hatte recht, wenn sie davon sprach, dass der Dissens nicht etwa darin bestehe, dass die Griechen bisher nicht geliefert hätten, sondern vielmehr darin, dass sie ein diametral anderes Konzept favorisiere als die andere Seite.

Sinn stellte fest, Griechenland unterliege gar keinem Joch der Austeritätspolitik. Vielmehr verhielte es sich so, dass Griechenland an den Finanzmärkten seit 2008 keine Kredite mehr erhalten könne. Aus diesem Grunde seien die Länder der Eurogruppe sowie der IWF eingesprungen.

Sinn führt sinngemäß aus: „Die Kapitalmärkte üben den Sparzwang aus, nicht die Institutionen. Diese Geldgeber mindern im Gegenteil den Sparzwang und zwar in einem gewaltigen Umfang. Es wurden bisher schon 184 % des griechischen BIP an Krediten gegeben. Das entspricht dem 35fachen des Marschallplanes.

Sinn bezeichnet die Vorschläge aus Athen als reine Luftnummern. Über diese Aussage sollte er vor dem Hintergrund nochmal nachdenken, dass die Renten in Griechenland inzwischen um ca. 40 % gekürzt wurden. Und wir wissen, es gibt sehr viele und ziemlich schreckliche Auswirkungen dieser Poltik.

Sie hat im Übrigen negativ gewirkt. Das haben nun wirklich alle verstanden. Trotzdem findet diese Erkenntnis keinerlei Niederschlag in der praktischen Politik. Schon komisch – oder? Die Verschuldungsquote Griechenlands ist nach alledem weltweit die zweithöchste. Nur Japan steht in dieser Hinsicht noch schlechter da.

„So stellt sich ein Ökonom Politik und Gesellschaft vor“, hielt Schwan Sinn vor, als dieser seinen Favoriten zum besten gab – den Grexit, der der Pleite Griechenlands folgen solle. „Spätestens nach 2 Jahren“ wäre die Phase der Verarmung für die Griechen abgeschlossen.

Ich finde, Schwan hatte mit dem geäußerten Vorbehalt wirklich recht. Sie ließ sich von Sinn mit seinen für mich geradezu menschenverachtend wirkenden technischen Argumenten nicht maßregeln. Der Mann muss wirklich ganz dringend in Rente. Er ist auch schon 67.

Und dann noch ein interessanter Rhetorikcheck. Ja, der Röttgen. War da nicht auch was mit einem Versprechen? Aber das ist Schnee von gestern!

Stadt Bedburg 5k Einwohner: Planer will urbanes Quartier errichten

Man hat ja schon oft davon gehört, dass das heutzutage so eine Sache wäre. Die Bürgerinnen und Bürger wählen (wenn sie denn noch zur Wahl gehen) Abgeordnete oder Stadtratsmitglieder, und die machen ihren Job. Na, richtig wäre: sie versuchen, ihren Job richtig zu machen.

Wenn wir sie denn ließen. Der grassierende Vertrauensverlust in die Politik verhindert zunehmend diese prinzipiell sinnvolle Aufgabenteilung. Aber bestimmt ist diese kurze Beschreibung der Situation unzureichend? Davon zeugt die immer stärkere An- und Übernahme der beklopptesten Verschwörungstheorien.

Jeder hat schon davon gehört, dass große Bauvorhaben in Deutschland durch die Bockigkeit von uns Bürgerinnen und Bürger (Wutbürger allzumal) kaum mehr zu realisieren wären. „Stuttgart 21“ ist nur ein Beispiel für viele. Obwohl das Projekt sogar den Segen durch eine Volksabstimmung bekommen hat, sind viele dagegen. Diese Gegner ist zum Teil derart radikal, dass die Aktionen mit den lange zurückliegenden Protesten gegen die Atomenergie durchaus mithalten können.

Das eigene Verhalten wird nicht hinterfragt, immer nur das der anderen Seite. Kann Demokratie so überhaupt noch funktionieren? Oder verstehe ich das Verhalten nur deshalb nicht, weil ich 61 und an bestimmten demokratischen Prozessen zu wenig interessiert bin? Ist das am Ende die Weiterentwicklung der Demokratie? Demokratie 2 Punkt 3?

Darüber kann man ruhig einmal nachdenken. Ich fürchte jedoch, dass diese Aufforderung naiv daherkommt. Bürgerbeteiligung, Transparenz, Mitsprache. Das sind Begriffe, die angesagt sind. Wenn solche hehren Ziele jedoch die Arbeit von gewählten Abgeordneten oder Stadträten behindern, wer trägt dann die Verantwortung zum Beispiel für die hohen Kosten durch die logischerweise damit einhergehenden Verzögerungen? Ich rede jetzt nicht vom BER! Richtig – die Politiker natürlich. Oder?

Das ist ihr Job, werden einige jetzt lakonisch feststellen. Und immer funktioniert das ja nicht. „Wenn sie nur mal lernen würden, die Bürgerinnen und Bürger rechtzeitig in die Vorhaben mit einzubeziehen…“ Ich bin ziemlich sicher, dass man immer einen Weg findet, die Verantwortlichen dumm dastehen zu lassen. Eine Gruppe findet sich nämlich immer, die lautstark ihre Interessen vorbringt. Und die Medien fahren voll darauf ab. Zur Not haben wir ja die sozialen Netzwerke, nicht wahr?

[x_custom_headline type=“center“ level=“h5″ looks_like=“h6″ accent=“true“]Der Fall „Toom Markt Bedburg“[/x_custom_headline]

Ich war dagegen, als es vor 3 Jahrzehnten darum ging, den sogenannten Internatsplatz in Bedburg (eine ausgedehnte Grünfläche) gegen einen Verbrauchermarkt einzutauschen. Ich habe eine Initiative unterschrieben, die sich nicht durchsetzte. Oder sagen wir besser: Ich habe nie wieder was von ihr gehört. Das Ding wurde gebaut, der Internatsplatz war Geschichte.

Die Stadt setzte sich dafür ein, dass auf dem sanierten Gelände (um den Jahrtausendwechsel) der ehemaligen Zuckerfabrik ein Real-Markt (Metro) angesiedelt wurde. Befürchtete Wettbewerbsnachteile führten zu Beginn der 2000er Jahre [sic?] dazu, dass die Rewe ihren Toom Verbrauchermarkt in Bedburg aufgab. Seitdem steht der größte Teil des Gebäudes leer.

Positionspapier Bedburg Mitte Kurzgutachten | PDF-Datei

Wegen des geplanten Projektes „Neue Mitte“ haben sich die früheren Mieter des Gebäudes anders orientieren müssen. Das war bereits vor Monaten. Die Mieteinheiten wurden vorübergehend belegt, damit diese Flächen, die durch die vielleicht etwas voreiligen Maßnahmen leer standen, wenigstens genutzt werden. Die politischen Veränderungen in der Stadt haben dazu geführt, dass es -meinem Empfinden nach- ziemlich ruhig um das Projekt geworden ist. Das ursprüngliche Konzept hat sich seit Vorlage der ersten Pläne stark verändert.

Dem Stadtrat wurde inzwischen die 25. Version der Planung für das Toom-Gelände präsentiert. Der Investor besteht auf seinen Abbruchplänen. Immerhin wird dabei Rücksicht auf den Bestand der historischen Laubengänge und des Schlossteiches genommen. Die Intervention des Landschaftsbeirates war zum Glück erfolgreich.

Als ich heute im Bericht des Kölner Stadt-Anzeigers über die Diskussionen im Stadtrat las, stach mir die Äußerung eines der Planer dieses Projektes, Herrn Christian von Roda, ins Auge:

Es soll ein neues urbanes Quartier entstehen, das auch am Abend belebt ist Christian von Roda, Planer

Die Stadt Bedburg zählt mit allen Ortsteilen ca. 25.000 Einwohner. Im Ortskern der Stadt Bedburg, dem Standort dieses Projektes leben nicht einmal 5000 Menschen. Bei uns werden, wie es in ländlichen Gegenden gern heißt, spätestens um 20:00 Uhr die Bürgersteige hochgeklappt. Daran dürfte auch ein neuer Vollsortimenter wenig ändern.

Abgesehen davon frage ich mich, ob die Stadträte vergessen haben, wie es dazu kam, dass die große Fläche seit Jahren leer steht? Wie schon erwähnt, nahm Rewe damals in Kauf, den Markt in Bedburg aufzugeben. Es stand zu befürchten, dass durch den Mitbewerber ein längeres Engagement in Bedburg ökonomisch nicht vertretbar sein würde.

Inzwischen hat sich die Wettbewerbssituation natürlich weiterentwickelt. Wir sehen, dass ökonomische Prinzipien bei den Expansionsmaßnahmen vieler Filialisten in den Hintergrund getreten sind. Das erkennt man auch, wenn man beobachtet, wie auf einer Dorfstraße drei Bäckereien auf nicht mal 300 Metern miteinander konkurrieren. In anderen Sparten kommt das ebenfalls vor.

Der ursprüngliche Gedanke für das Projekt „Neue Mitte“ war der, den Ortskern von Bedburg wiederzubeleben. Die Geschäftsleute im Stadtkern beklagen zurückgegangenen Umsatz.

Inwieweit dafür das Angebot eines zusätzlicher Vollsortimenters von Nutzen sein kann, vermag ich nicht zu beurteilen. Die glasklar erkannten Nachteile des Projektes wurden von interessierten Bürgern in der letzten Stadtratsitzung benannt:

1.) Verkleinerte Parkplatzfläche auf dem „Schloßparkplatz“
2.) Nicht mehr ausreichend vorhandene Fläche für den Wochenmarkt und Brauchtumsfeste
3.) Lärmbelästigung der neuen Mieter durch die Veranstaltungen auf dem „Schloßparkplatz“

Zudem ist die Verbindung zwischen der „neuen Mitte“ und dem alten Stadtkern nur durch einen kleinen Durchgang gegeben. Dieser besteht in dem schon vorhandenen Minidurchgang an der Kreissparkasse.

Der Investor ist für eine  sogenannte Wiederbelebung des alten Toom-Gebäudes nicht zu erwärmen. Diese schloss er bei seiner gestrigen Präsentation aus. Bürgermeister Solbach fasste die Intentionen beider Seiten so zusammen:

„Der Investor will ein Projekt, das wirtschaftlich funktioniert. Wir müssen die städtebauliche Entwicklung im Auge behalten“. Nun, das ist schon logisch. Vermutlich haben die Stadtoberen nach ähnlichen Prämissen auch damals gehandelt, als der Toom Baumarkt die letzte große Grünfläche im Stadtkern ersetzte. Und was daraus geworden ist, wissen wir heute.

Ich bin heilfroh, dass ich mich mit solchen Diskursen und Entscheidungen nicht auseinandersetzen muss. Die Politiker meiner Heimatstadt befinden sich nicht gerade in einer beneidenswerten Lage.

Private Fotos aus 6 Jahrzehnten

Reise im Timetunnel

https://youtu.be/F1YLgis1PW4?t=40m33s

Wovon Jens Spahn auch lebt wissen wir Dank Focus und anderen Leitmedien schon seit ca. Dezember 2012. Diese Frage des Lobbyismus war gestern also kein Thema. Über das Thema ist also längst Gras gewachsen.

Wohl aber die steile Karriere Spahns (der inzwischen Mitglied im CDU-Parteivorstand ist) und von dem wir heute (ganz frisch) erfahren durften, dass er bald Staatssekretär (unter einem sehr kritischen Chef – wir erinnern uns?!) sein wird. Glückwunsch. Ich finde übrigens, Spahn ist ein fähiger Mann, von dem wir in Deutschland mehr brauchen würden. Ganz im Ernst!

„Wie finanziert sich das und können Sie davon leben? Sie hatten ja mal einen anständigen Beruf, Sie waren mal Werbetexter….“ Die Frage stellte Lanz an den Mann hinter einem der erfolgreichsten Blogs Deutschlands. Der Blog heißt Schlecky Silberstein, sein Chef ist Christian Brandes. Ein sehr sympathischer Kerl.

Markus Lanz ist manchmal doch für was gut. Ist nicht bös gemeint! Durch seine Sendung habe bestimmt nicht nur ich endlich mal Christian Brandes kennengelernt – den Mann hinter Schlecky Silberstein, der uns seit gefühlten 100 Jahren (dabei sind es „erst“ 5 Jahre!) so viel Freude macht.

Bei ihm (im Blog) habe ich eine Idee bekommen, wie toll die Reise in diesem Timetunnel sein würde – wenn ich sie denn endlich mal antreten könnte. Den Film kennt doch noch jemand? Ich meine das Original mit Rod Taylor? Von mir aus auch die Serie, die schon den richtigen Namen hatte.