Unpassende Verlinkungen sind heute so was wie Schicksal

Verlinkungen zeigen immer wieder ihre Tücken. Algorithmen sind halt pietätlos, wie man in den letzten Tagen auch wieder sehr eindrücklich vor Augen geführt bekam.

Hier zwei Beispiele von gestern, die mir ins Auge fielen:

Fokus Screenshot
Focus Screenshot

In diesem aktuellen Artikel wird von Focus Bezug genommen auf die bekannten Übergriffe von Rechtsradikalen auf freigewählte Politiker. Direkt darunter platziert ist ein Beitrag aus Oktober 2014 über den umstrittenen Auftritt von Xavier Naidoo vor Leuten der rechten Szene.

Ich habe mir nicht verkneifen können, hier dazu meine Meinung zu sagen. Daraufhin habe ich Dinge über mich erfahren müssen, die mich etwas überrascht haben. So läuft das in Deutschland. Aber der Autor dieser für mich neuen Erkenntnisse hatte nicht einmal einen Algorithmus nötig. Das hat der sich alles selbst ausgedacht. Wissenschaftlich fundiert – meinte er. (http://goo.gl/fIlTgc).

Spiegel.de
Spiegel.de

In diesem 2. Bild (diesmal ist es der Spiegel) erscheint wiederum ein Bild von Xavier Naidoo und -Überraschung! – im gleichen Zusammenhang.

Einerseits zeigt das, wie viel da noch zu tun ist und andererseits wie sehr uns solche Sachen heute am Arsch vorbeigehen.

Das nervt mich besonders am Älterwerden

Mit 61 merke ich die Hypothek, die mir das Älterwerden allmählich aufbürdet. Mir ist klar, dass das für sehr viele in meinem Alter überhaupt kein Thema ist. „Jedes Alter hat seine schönen Seiten“. Nee, is klar.

Man kann viel machen. Man kann sich vernünftig ernähren, Sport treiben, sich sozial engagieren, Gutes tun, einer Partei beitreten. Oder was für den Kopf tun – was Letzteres vielleicht wiederum ausschließt. :-) Man könnte beispielsweise studieren oder, wenn das Abi fehlt, als Gasthörer ein paar Vorlesungen des Fachs besuchen, das einen schon immer interessiert hat.

Tricks, um jung zu bleiben

Manche ziehen etwas extremere Formen vor, um jung zu bleiben. Sie tauschen die Frau, den Mann oder wagen eine Schönheits-OP, Fett absaugen und so. Das jugendliche Selbstverständnis bietet heutzutage viele Alternativen.

Bei mir ist es anders. Älterwerden liegt mir nicht. Das gebe ich unumwunden zu. Die Frage nach der Alternative muss mir aber auch keiner stellen. Nein, ich bin kein Jammerlappen – auch wenn es danach klingt. Ich versuche nur ehrlich zu sein. Mir gehts nicht um zu viele Kilos, die ich meinem Körper seit Jahren zumute und auch nicht um andere, auch optische Begleiterscheinungen des Alters.

Nach dem Berufsleben

Wenn daran denke, dass ich sehr bald meinen Beruf an den Nagel hänge und eine neue Zeitrechnung beginnt, schwanken meine Gefühle hin und her.

Wie werde ich das hinbekommen? Ich möchte meine Zeit sinnvoll nutzen und sie nicht verplempern? Ich will, solange ich kann, nicht mehr auf meinem Hintern sitzend, am Bildschirm (TV oder Internet) das Leben tracken. Ich will aktiv leben! Wie gelingt ein solches Projekt nach fast 47 Berufsjahren? Eine ganz schön große Umstellung. So viel ist mal klar. Bei meinem Vater habe ich das aus nächster Nähe beobachtet und auch bei vielen anderen. Die haben das geschafft, und ich werde es wohl auch hinbekommen.

Jeder wird Fehler machen

Vielleicht war es einer der Fehler meines (bisherigen) Lebens, zu passiv gewesen zu sein. Kann man das überhaupt noch ändern, wenn man die 60 überschritten hat? Immerhin gibt es ein Bewusstsein und Einsichten sollen ja entscheidend sein, wenn man was ändern möchte. Aber Verhaltensänderungen sind bekanntlich das schwerste, was man sich vornehmen kann.

An einer Sache will ich jedenfalls mit Vorrang arbeiten: Ich muss dringend etwas gegen meine Rührseligkeit tun. Keine Ahnung, ob das wissenschaftlich zu belegen ist. Aber mir scheint, Sentimentalität wächst mit zunehmendem Alter exponentiell. Früher habe ich das bei Älteren beobachtet und mich oft genug sogar darüber amüsiert. Bei der Selbstbespiegelung geht mir der Humor völlig ab. Es nervt einfach.

Heute passiert es mir, dass ich bei einem Konzert urplötzlich von einem Lied so ergriffen bin, dass mir die Tränen kommen. Wie peinlich! Beim Filmgucken ist das nur deshalb nicht so schlimm, weil es im Dunkeln passiert.

Rührung als Ventil

Ich kann es gar nicht nicht leiden, wenn mich die Rührung packt. Ich versuche dann krampfhaft an etwas ganz anderes zu denken. Aber das gelingt nur ganz selten. Diese Gefühle sind eigentümlich. So sehr mich auch die Szene ergreift, ein paar Minuten später ist es damit vorbei. Im wahren Leben scheint dafür ja ohnehin kein Platz. Die Prioritäten liegen anderswo.

Aber – nichts ist schwerer zu ertragen als das Leid anderer Menschen anzusehen. Es ist kaum zu ertragen, verhungernde Kinder am Fernsehbildschirm zu sehen. Und was habe ich in meinem Leben speziell dagegen getan? Ja, gespendet habe ich mal was und (natürlich) das Maul aufgerissen. Nicht nur hier im Blog.

Sentimentalität hat per Definition nichts mit Sensibilität oder Empathie zu tun. Wikipedia beschreibt den Begriff so: „Sentimentalität ist somit eine Form der emotionalen Selbststimulation ohne Handlungsantrieb.“

„Denn Sentimentalität ist das sich Erlaben an Gefühlen, die man in der Wirklichkeit nicht ernst genug nimmt, um ihnen irgendein Opfer zu bringen, um sie irgend je zur Tat zu machen.“ Hermann Hesse

Damit ist noch nicht erklärt, weshalb ältere Menschen häufiger zu dieser Selbststimulation „greifen“ als jüngere. Das Gefühl habe ich nämlich. Bestimmt gibt es auch dagegen Pillen! Aber mir reicht ehrlich gesagt schon das Blutdruckmittel.

Ich frage mich, warum Sentimentalität bei jungen Leuten weniger ausgeprägt zu sein scheint. Vielleicht hat das mit zunehmender Lebenserfahrung zu tun. Scheiße nicht? Die Rührseligkeit nimmt also möglicherweise parallel mit der Erkenntnis zu, dass wir fast nichts an den vielen grauenhaften Dingen ändern konnten, die wir während unseres Lebens gesehen und vielleicht sogar selbst erlebt haben. Aber wir empfinden sie als sehr belastend.

Probleme, die wir nicht lösen, vergraben wir in unserem Unterbewusstsein. Deshalb können einem eben auch schon mal die Tränen kommen.

Wer heilt unser destruktives Alter Ego?

Das ist typisch für unsere Zeit. Wir beklagen uns lauthals über gravierende gesellschaftliche Missstände, es scheint uns aber nicht einzuleuchten, dass wir durch unser eigenes Verhalten daran direkt beteiligt sind.

Vielleicht hat unsere Stimme durch das Internet an Einfluss gewonnen. Ich fürchte, gesamtgesellschaftlich hat sich nicht viel verändert. Dafür wissen wir, dass Cybermobbing alltäglich geworden ist. Aber es ist wahrscheinlich, dass sich die rasante Entwicklung längst auch auf unser Reallife ausgewirkt hat. Wenn z.B. der angeblich so unerträgliche Sportreporter Marcel Reif zuerst verbal im Internet und dann vor dem Stadion angegriffen wird, ist das nur ein populäres Beispiel aus jüngster Zeit.

Es wird ja nicht nur untereinander (so von Kommentator zu Kommentator) gehetzt und gemobbt, dass die Fetzen fliegen, sondern die „Aktivitäten“ finden schon lange wie selbstverständlich ihre menschlichen Adressaten in Politik, Medien und Gesellschaft. Aber sie finden auch ihr Ziel in abstrakteren Formen.

Ob es Religion, Kirche, Partei, Verein oder Firma ist, alle bekommen ihr Fett im Internet weg.

Statt aber darüber nachzudenken, ob es ein Kraut, irgendein wirksames Gegenmittel gegen unser destruktives Alter Ego gibt, nehmen die Medien solche Geschichten auf und machen es ihrerseits zum Geschäftsmodell: Die Programmverantwortlichen sehen darin neue, kommerziell erfolgversprechende Formate.

Auf die Kritik wird erwidert, dass eine Informationspflicht bestehe oder dass es sich gar um „nachgefragte“ Inhalte handle. Ich glaube, beides ist falsch!

Die Gefahr, die diese Handlungsweise verursacht, besteht meines Erachtens darin, dass die für einzelne Menschen traumatischen Erlebnisse ins Lächerliche gezogen oder sogar kultiviert werden. Die logische Folge davon ist wiederum, dass sich in dieser Hinsicht ein nicht gewünschter Umgang mit den Medien weiter etablieren kann.

Statt Cybermobbing oder auch allgemein die Verrohung unserer Streitkultur deutlich zu verurteilen und zu bekämpfen wird die Fehlentwicklung eher hoffähig gemacht.

Manchmal frage ich mich, ob es nicht vielleicht besser wäre, lieber gar nichts darüber zu bringen. Wir wissen, dass solche elenden Mechanismen nicht nur im Internet funktionieren. Sie tun das von jeher auch in den anderen Medien. Es ist keine neue Erkenntnis aber die Entwicklung hat sich in meinen Augen durch die sozialen Netzwerke bzw. durch das Internet überhaupt noch erheblich verstärkt.

Vielleicht liegt eine minimale Chance in der Verbreitung solcher Videos wie des „Canadian Safe Schools Network“ (CSSN). Aber ich habe Zweifel.

 

Blockupy: Schweinesystem mit Gewalt bekämpfen

Bis gestern war es linke Gewalt über die sich in vielen Medien aufgeregt wurde. Es beruhigt mich, dass sich heute herausstellte, dass auch ein paar Rechte mitgemacht haben.

Schade, dass die Polizei nicht durchgezählt hat. Dann könnten wir die genauen Anteile berechnen und so die entscheidende Frage klären, ob Gewalt mehr von links oder von rechts kommt.

Das wird die Opfer brennend interessieren.

Bei dieser Petition mache ich nicht mit

Petitionen sind eine gute Sache! Ich habe bei einigen davon mitgemacht, weil mir die damit verbundenen Anliegen wirklich wichtig waren.

Sind mir die Verbrechen an indischen Frauen nicht wichtig oder weshalb mache ich bei dieser nun ausgerechnet nicht mit?

Dabei sind die Aussagen der Anwälte wirklich unfassbar:

„Sie reden über Mann und Frau als wären es Freunde. Entschuldigen Sie, aber dafür ist kein Platz in unserer Gesellschaft. Eine Frau ist für einen Mann unmittelbar ein Objekt sexueller Begierden.“Petition · Manan Kumar Mishra, Vorsitzender der Indischen Anwaltskammer: Maßnahmen ergreifen gegen die Anwälte ML Sharma und AP Singh · Change.org

Es gibt zwei Gründe:

1.) Ich bin fest davon überzeugt, dass sich im Wege einer Petition überhaupt nichts an den furchtbaren Verhältnissen in Indien ändert.

Was bringt es, wenn zwei Arschloch-Anwälte aus dem Verkehr gezogen werden? Die indische Gesellschaft muss sich ändern und dazu ist viel mehr nötig als eine weltweite Petition zu zeichnen.

2.) Wenn ich gebeten werde, eine Petition zu zeichnen, kommt in mir der Gedanke auf, ob die Zahl der Petitionen (auch bei Change.org) nicht zu sehr angestiegen ist. Wird das Instrument durch manche Anliegen sogar entwertet?

Es tut mir leid, dass ich diese Frage gerade bei diesem schlimmen Thema aufwerfe. Aber mich beschäftigt diese Frage schon eine ganze Weile.

Im konkreten Falle wäre richtig, wenn von politischer Seite, vielleicht auf der Ebene der UN, viel mehr gegen diese menschenverachtenden Verbrechen getan würde. Seit Jahren hören wir davon, es scheint sich aber bisher nichts geändert zu haben.