Jetzt muss mein Biorhythmus wieder richtig ran

Diese Nacht wird diese Normalzeit auf die verfickte Sommerzeit vorgestellt. Man klaut uns einfach 1 Stunde. Eine Stunde mit der keiner was tut. Also ein absolut sinnloses Unterfangen, diese Sommerzeit,  die übrigens von der EU eingeführt wurde. Solche Projekte soll es ja nicht wenige geben. Experten sagen, dass sie keinerlei Energieeinspareffekte mit sich bringt. Das glaubt ihr nicht? Das schaut euch den Bericht im „Heute Journal“ (ca. ab Min. 20) an.

Von 1950 bis 1979 gab es in Deutschland keine Sommerzeit.

Die EU schafft diesen Blödsinn heute deshalb nicht wieder ab, weil es zu kompliziert wäre. Das ist mal ein tolles Argument. Wahrscheinlich war es doch nicht weniger kompliziert, die Sommerzeit einzuführen. Welche Lobby könnte es denn wohl sein, die die EU daran hindert, die Uhr zurückzudrehen?

Die besonders empfindlichen Zeitgenossen werden sich jetzt wieder ein paar Tage oder Wochen mit Zeitzonenbeschwerden herumplagen. Auf Einzelschicksale kann die europäische Union aber natürlich keine Rücksicht nehmen. Für die Lösung müsste man vielleicht zusätzliche Sitzungen in Brüssel oder Straßburg einlegen, weil das ja eine so komplizierte Materie ist. Das wäre einfach zu viel verlangt.

Fastenzeit: Warum lassen wir so oft unseren Einsichten keine Taten folgen?

Bis Ostern dauert es noch etwas – bis zum 20. April. Dann ist die Fastenzeit endlich rum. Ich habe nicht gefastet. Obwohl mir das wieder mal gut getan hätte. Anregungen dafür gibt es ja immer genug. Aber ich gehöre halt nicht zu den Leuten, die einen Sinn für Disziplin haben. Bei Essen und Trinken noch weniger als bei anderen Dingen. Wie sagte eine alte Freundin mal: „Was haben wir denn sonst noch?“ Genau!

Dabei würde ich mein Leben nicht für besonders luxuriös halten. Erstens haben wir nicht das nötige Geld und zweitens fehlt mir auch ein bisschen der Sinn für luxuriöse Übertreibungen. Beides wird sich ein Stück weit wohl bedingen.

Ulrich Greiner hat heute eine Kolumne in der „Zeit“ geschrieben. Er hebt, wie man es gerade in der Fastenzeit häufiger erlebt, den moralischen Zeigefinger und warnt anhand historischer Beispiele davor, dass wir „überdrehen“. Einige Leser haben in der Kommentarspalte ihr Missfallen über derlei „Bevormundung“ zum Ausdruck gebracht. Dabei ist es doch (wieder mal) nur gut gemeint von Herrn Greiner. Zu diesen Gutmeinenden gehöre ich ab und an ja auch. „Linksgrüne Gutmenschen“ sind eben so.

Auch wenn viele Deutsche nicht in Reichtum schwelgen, die meisten haben immer genügend zu essen. Das gilt wahrscheinlich auch für die wachsende Zahl von Menschen, für die Suppenküchen zur normalen Anlaufstelle geworden sind, weil sie mit ihren finanziellen Möglichkeiten keine andere Wahl haben. Aber für das immer noch anwachsende gesellschaftliche Gefälle hat unsere Gesellschaft kein Ohr. Auch darauf weist Greiner zu Recht hin. Dafür sind auch nicht die Politiker verantwortlich. Wir alle tragen an solchen Entwicklungen die Verantwortung.

Beim Lesen der Kolumne fiel mir ein Erlebnis aus den 70er Jahren wieder ein. Die Ehefrau eines Kriegskameraden meines Vaters war für zwei Wochen bei uns zu Besuch. Ihr Mann konnte sie nicht begleiten. Sie lebten in der DDR – er hatte keine Ausreisegenehmigung erhalten. Wir sind damals in einen Allkauf gefahren. Die Frau war geradezu erschlagen. Allein das Angebot von Margarine und Butter erstreckte sich auf mehrere Regalreihen. Wir hatten schon zu diesem Zeitpunkt dafür keinen Blick mehr. Das Überangebot schien uns schon damals ganz normal zu sein. Seitdem hat sich meines Erachtens viel geändert. Das Markenbewusstsein ist auf die Spitze getrieben worden, viele haben ein Gefühl für ein maßvolles Konsumieren verloren. Es scheint manchmal fast wichtiger zu sein, welche Marke der Anzug hat als die Eigenschaften des Menschen der ihn trägt.

Wie gesagt, wenn man schon fragt, wer für diese Entwicklung verantwortlich ist, müssen wir ehrlicherweise sagen, dass wir alle unseren Anteil daran haben. Ich weiß, dass wir die Vergangenheit im Rückspiegel gern verklären. Aber es gibt so viele Anhaltspunkte dafür, dass unsere Lebensart irgendwann auch dazu führen könnte, dass unsere Kultur nach historischen Vorbildern sang- und klanglos untergehen wird. Unsere Lernfähigkeit ist leider stark eingeschränkt. Anders lässt es sich nicht erklären, weshalb wir unseren Einsichten so selten Taten folgen lassen.

Foto von: Stefanie BednarzykCC BY-NC-SA 2.0

Putin singt „Blueberry hill“

Da sieht man es wieder. Dieses Video habe ich noch nie gesehen. Und sofort erscheint (für mich) Putin in neuem Glanz. Der Mann stellt sich hin und singt ein Stück Popmusik, das Fats Domino Mitte der 50er Jahre zu Weltruhm gebracht hatte. Vielleicht macht er es nicht besonders gut. Aber die Wirkung ist schon verblüffend. Oder geht es euch anders?

Sicher, das ist noch eine Ecke besser:

[Webmasterfriday] Internetsucht – dass es soweit kommen musste

1985 wurde mein Interesse an Computern geweckt. Es waren persönliche Gründe, die hier nichts zur Sache tun. Die Welt der Computer (später des Internets) hat mich fasziniert und nie wieder losgelassen. Auch zum Leidwesen meiner lieben Frau.

Beim Webmasterfriday stellt Martin die Frage: „Wie Internet-süchtig bist du?“. Ich versuche hier, darauf eine Antwort zu geben.

Als sich Anfang der 90er Jahre nach und nach das Internet Bahn brach hatte ich längst ein Faible für die neuen Möglichkeiten entwickelt. Ich weiß noch genau, welche innere Unruhe mich gepackt hatte, als ich beinahe atemlos auf einem „richtigen PC“ (mit 5 1/4 “ Diskette und 20 MB Festplatte!) dem Norton Commander (weiß/blau) bei seinen Kopier- und Verschiebeprozeduren zusah. Wie viel spannender wurde das Ganze, als nach und nach die Anbindung ans Internet Platz griff?! BTX, Modems und Boris Beckers Frage: „Bin ich schon drin“ sind mir noch absolut präsent.

Zuvor hatte ich die Zeit der Spielkonsolen überlebt. Für einige Jahre habe ich die „Spielhöllen“ meines Wohnortes und der Umgebung heimgesucht und dort in einigen Disziplinen Rekorde aufgestellt. Ob es „Defender“ oder „Städte verteidigen“ war, ich war vorn mit dabei. Es gab damals Kirmeswagen, die Konsolen mit diesen Spielen ausstellten. Kein Quatsch. Es bildeten sich drum herum Trauben von Menschen, die den Cracks Bewunderung zollten. Ich erinnere mich an einen Abend (Anfang der 80er Jahre) als ich in einem der vielen Spielsalons über 2 Stunden lang „Städte verteidigt“ habe. Ein Spiel für eine Mark! Der Angestellte hatte uns ein Spiel zugebilligt. Er konnte nicht fassen, dass ich nach über zwei Stunden immer noch ein „paar Städte“ übrig hatte.

So war das. Bevor das Internet kam!

Heute besitze ich einen Desktop-PC, ein Notebook, ein iPad und ein iPhone – alle mit Internetzugang. Ach, apple-TV habe ich vergessen. Im Grund geht nichts mehr ohne Internet. Dabei finde ich es selbst komisch, manchmal sogar grässlich, wenn die Leute in geselliger Runde sitzen und einige – wenn nicht alle – ihren Blick fest aufs Smartphone gerichtet haben. Ob es wohl Leute gibt, die ihren Internetzugang (ob per Smartphone oder Rechner) vor diesem Hintergrund tatsächlich abgeschaltet haben? Gibt es so konsequente Zeitgenossen? Oder reden wir alle nur über solche negativen Begleiterscheinungen, machen aber fröhlich weiter mit?

Wahrscheinlich geht es doch ohne das Internet gar nicht mehr. Wenn an meinem Arbeitsplatz, in meinem Hotel oder zu Hause die Internet-Verbindung gekappt ist, bin ich nur ein halber Mensch. Ich erkenne mich selbst nicht wieder. Meine Frau ist vollkommen ratlos, hat aber nichtsdestotrotz längst ihren Widerstand gegen diesen Gegner aufgegeben. Ohne Internet kann ich nicht bloggen, kann keine Nachrichten empfangen, keine E-Mails checken. Nichts geht mehr! Das ist ebenso lächerlich wie tragisch. Denn dieses Verhalten – mein Verhalten – zeigt: ja, ich bin internetsüchtig.

Aber ich mache auch mal Pause von meiner Sucht. Wenn ich Urlaub habe nehme ich keinen Rechner mit. Es gibt überall Internetcafés. Um die mache ich dann bewusst einen Bogen. 10 – 14 Tage halte ich das durch – ohne Entzugserscheinungen. Meine Frau und ich sind dann immer ganz stolz auf mich. :-)

Foto von: hdzimmermannCC BY-NC-SA 2.0

Wie eine beleidigte Leberwurst

Mir kommt die Welt des Bloggens manchmal echt eine Spur zu positiv rüber. Aber das liegt sicher an mir. Es kommt halt immer auf die eigene Einstellung an. Ob man etwas total gut, schlecht oder – was mitunter vielleicht noch schlimmer ist – gerade mal mittelmäßig findet, liegt immer im Auge des Betrachters. Warum sollte dieser Dreiklang ausgerechnet beim Bloggen nicht gelten?

Als Blogger bemühen wir uns wahrscheinlich immer zumindest ein bisschen darum, bei unseren Lesern gut anzukommen. Und manchen gelingt das. Ich bewundere nicht selten den Esprit anderer Blogger!

Ein Artikel von Vladislav Melnik, den er in dieser Woche veröffentlichte, hat mich einerseits angesprochen und andererseits auch provoziert. Vladislav hat einen excellenten Titel für seinen Artikel gewählt: „5 Gründe, warum deine Blogleser dich nicht mögen“. Ich fühlte mich sofort angesprochen. Ich wäre nicht ich, hätte ich das einfach so hingenommen. Mein Leserbrief:

Das klingt plausibel. Aber auch ein bisschen nach Opportunismus. Und damit haben wir es auf dieser Welt schon genug zu tun. Da ich über durchaus kontroverse Themen schreibe werde ich es wohl kaum meinen LeserInnen immer recht machen (können). Und ist auch nicht mein Ziel. Dafür habe ich in den letzten Jahren schon einige verbale Prügel einstecken müssen. Aber beliebt machen sollen sich andere. Entschuldige, wenn das jetzt etwas ruppig herüber kommt. So war das nicht gemeint. Für viele Blogs mag das Rezept durchaus ein Gutes sein, für mich käme es nicht infrage. LINK
5 Gründe, warum deine Blogleser dich nicht mögen – affenblog

Das ist vielleicht ein Ansatz, der auch bei einigen Bloggern auf Zustimmung treffen könnte. Schließlich haben wir gerade in Deutschland ein Problem mit der Streitkultur. Das mag aber auch Einbildung sein?! Nee, kann nicht sein, denn dafür liest man davon zu oft.

Was ist schon dabei, wenn ein Leser fragt, ob man die geschriebenen Artikel vor dem Veröffentlichen auch einmal quer liest? Natürlich lese ich jeden Artikel (mindestens) einmal, bevor ich ihn veröffentliche. Allerdings muss ich zugeben, dass ich (leider) häufig Fehler übersehe, die ich erst viel später bemerke – wenn ich nicht von Marcus darauf aufmerksam gemacht werde. :-) Das ist dann auch schon mal etwas peinlich, und natürlich korrigiere ich die Fundstellen sofort.

Wenn mich Leser auf solche Fehler (inhaltlicher, grammatikalischer oder orthografischer Art) hinweisen, hängt meine Reaktion immer davon ab, wie ich gerade drauf bin. Im Moment bin ich richtig scheiße drauf. Ich will nicht erzählen, warum es so ist!

Vor kurzem hat mir ein langjähriger Weggefährte und Leser meines Blogs die Freundschaft gekündigt. Dem war ein monatelanges Scharmützel über alle möglichen Kleinigkeiten vorausgegangen. Nun will er nicht mehr, und ich…  habe ihn ziehen lassen.

Sebastian hat mir Anfang letzten Jahres mal ins Blog geschrieben:

Du schreibst zwar, dass Du hier eher nichts schnell mal “hinrotzt”. Die meisten Deiner Artikel sind zwar lang, aber nicht wirklich fundiert. Man merkt, dass Du Dir meist nicht die Mühe machst, ordentlich zu recherchieren, sondern in epischer Breite Deine unsortierten Gedanken abspulst.

Damit gewinnt man keine Stammleser. Und das endet dann in wenig frequentierten Blogs. Bei denen es ganz egal ist, ob man sie abschaltet, neu startet oder einfach so weiter dahinsiechen lässt.

Huuh. Das war wieder mal an der Zeit, ein Zeichen zu setzen. Kurzerhand habe ich eine Pause eingelegt. Ehrlich gesagt – ich hatte überhaupt keine Lust mehr noch weiter zu bloggen. Es gab hier im Blog natürlich einige Zuschriften, die ähnlich deutlich waren. Der Unterscheid bestand darin, dass ich Sebastian gut leiden kann, und ich viele der anderen „Kritiker“ überhaupt nicht kenne. Damit meine ich jetzt natürlich nicht Sven und Marcus!

Es macht eben einen Unterschied, ob Sven mir „den Marsch bläst“ oder Marcus oder eben Sebastian. Ihre Meinung beschäftigt mich viel mehr als die von anonymen Postern, die mir zu verstehen geben möchten, dass mein Geschreibsel sie entweder gerade überhaupt nicht interessiert oder komplett am Arsch vorbei geht.

Vielleicht sollte ich mehr bei anderen Bloggern kommentieren. Aber die Worte „Guter Artikel“ oder „Danke für den schönen Beitrag“ sind mir ein bisschen dünn? Da mag ich es dann doch lieber Tacheles zu schreiben. Selbst dann, wenn ich danach zuerst mal richtig angepisst bin.