Lampedusa ist überall

Und wieder kriegt die CSU ordentlich Lack, weil sie angeblich rassistische Tendenzen in unserer Gesellschaft „bedient„. Mit solchen Vorwürfen sind wir Linken schnell bei der Hand. Was aber [symple_highlight color=“gray“]weder „Grüne“ noch „Linke“ ansprechen[/alert] kann auch nicht einfach im Raum kleben bleiben.

Es gibt den Missbrauch, von dem die CSU-Leute sprechen, und wir alle wissen das. Wäre es also richtig, solche Befürchtungen und daraus abzuleitende Konsequenzen zu verschweigen, weil sie mit großer Wahrscheinlichkeit Wasser auf die Mühlen von Hasspredigern der Nazi-Szene sein werden? #Aufschreie solcher Art mögen politisch korrekt sein. Aber mancher wird sich auch fragen, was ist vernünftig; gibt es in solchen Zusammenhängen keinen Platz für Vernunft?

Ein Beispiel für die Diskussion, die von einer Seite immer gleich „eröffnet“ wird:

Seehofers Positionen müssen einem nicht gefallen. Aber eine „rassistische Fratze“ sollten man einem gewählten, demokratischen Politiker nicht andichten.

Vielleicht beruhigt dieses Verhalten unser schlechtes Gewissen

Schnell rümpfen wir die Nase, wenn wir von Klagen der Nachbarschaft hören, etwa in Duisburg wegen eines benachbarten Asylantenheimes (bekannt als „Roma“-Haus). Vor allem tun das wohl die, die nicht in unmittelbarer Nähe eines Asylantenheims leben. Der Verdacht liegt immer in Griffweite, dass es sich bei solchen Protesten um Aktionen von rechtsextremen Bürgern handeln würde. Das ist politisch nicht korrekt in einem Land, das insofern allerdings anders handelt als die Mehrheit seiner Einwohner tickt. Oder habe ich die einschlägigen Umfrageergebnisse falsch interpretiert?

Das Klima fördert eine entsprechende Berichterstattung, die den Namen manchmal wirklich nicht verdient. Möglicherweise ist es aber auch umgekehrt. Solche Lagen sind freilich den Gruppen in unserer Gesellschaft hoch willkommen,  denen es in den politischen Kram passt. Da nehmen sich Rechte wie Linke nicht viel. Beide docken sofort an und schlagen Kapital aus einer Situation, die schwer zu lösen ist.

Die CSU stellt insofern überhaupt keine Besonderheit dar. Ich will nicht naiv wirken, denn natürlich versucht die Partei aus solchen Ansagen politisches Kapital zu schlagen. Franz-Josef Strauß wurde dereinst von vielen dafür gelobt (nachträglich natürlich und keineswegs in der damaligen Situation), dass er mit einer ähnlichen Polemik den rechten Rand an die Partei binde. Rechte Parteien spielten damals eine geringe Rolle, heute tun sie das statistisch gesehen vielleicht noch viel weniger. Aber man sollte gerade an diesem Punkt den Statistiken nicht trauen!

Ist Europa egoistisch oder ängstlich?

Wahlbeteiligung Deutschland, Quelle: Wikipedia
Wahlbeteiligung Deutschland, Quelle: Wikipedia

Heute gibt es einen grundlegenden Unterschied zu Strauß‘ Zeiten. Die Wahlbeteiligung ist viel schlechter als früher, und ich empfinde eine deutlicher zutage tretende Fremdenfeindlichkeit in Deutschland. In anderen europäischen Ländern sehen wir das ebenfalls. Dort spielen extrem-rechte Parteien im politischen Spektrum eine immer größere Rolle.

Ich mag mir nicht vorstellen, was in Deutschland passieren könnte, gäbe es auch auch hier eine geschickt agierende Führungspersönlichkeit (das Wort ist nicht zufällig gewählt!) im rechtsextremen politischen Lager. Le Pen (Frankreich) und Wilders (Niederlande) sind Beispiele dafür. Den Begriff Rechtspopulisten halte ich in beiden Fällen für eine dumme Verniedlichung. Auch in den skandinavischen Ländern gibt es rechtsextreme Tendenzen, die man früher (so lange ist es nicht her!) nicht wahrgenommen hat – sogar in Norwegen – dem Land, in dem 77 Menschen von dem Nazi Anders Behring Breivik hinterhältig ermordet wurden.

Wir sehen die Berichte über die afrikanischen Flüchtlinge, die in Lampedusa und an anderen südeuropäischen Küsten unseres Kontinents stranden. Auch bei uns wird das Schicksal der Menschen viele berühren. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass eine Mehrheit der Deutschen es nicht so schlecht findet, dass die EU ihren Abwehr-Kurs genauso beibehält, wie sie ihn schon seit Jahren fährt.

Trotz der vielen Toten in diesem Jahr haben die politisch Verantwortlichen sich darauf verständigt, an den bilateralen Vereinbarungen nichts zu verändern. Diese lauten, dass [symple_highlight color=“red“]Flüchtlinge, die beispielsweise zuerst in Spanien um Asyl bitten „rechtlich legitimiert“ wieder in den als ersten betretenen Mitgliedsstaat abgeschoben werden dürfen.[/alert] Damit werden die Mittelmeerländer mit diesem schwierigen Problem allein gelassen. In Lampedusa sind in 2013 bisher über 20.000 Menschen aus Afrika gestrandet. Deutschland hat im Jahr 2012 insgesamt 64.540 Flüchtlinge aufgenommen. Mehr als alle anderen europäischen Länder. Allerdings nur, wenn man die absolute Zahl betrachtet. Schaut man sich die Pro-Kopf-Quote (sorry für den Ausdruck) an und findet Deutschland sich an ganz anderer Position wieder. Da liegen Malta, Schweden und die Schweiz weit vor uns.

1992 (vor der Änderung des damaligen Asylrechts) gab es in Deutschland über 460.000 Flüchtlinge. Die Türkei beherbergt über 600.000 Flüchtlinge aus dem Bürgerkriegsland Syrien. Wir tun uns schwer, 5000 Menschen aus diesem Land Asyl zu gewähren.

Unser Verhalten ist es, was Papst Franziskus dazu veranlasst hat, uns einige kritische Worte zu sagen. Seine Kritik galt allerdings keineswegs nur dem Kapitalismus als Wirtschaftsordnung. Persönliches Verhalten spielt die bedeutendere Rolle.

Heute, da die Netze und die Mittel menschlicher Kommunikation unglaubliche Entwicklungen erreicht haben, spüren wir die Herausforderung, die „Mystik“ zu entdecken und weiterzugeben, die darin liegt, zusammen zu leben, uns unter die anderen zu mischen, einander zu begegnen, uns in den Armen zu halten, uns anzulehnen, teilzuhaben an dieser etwas chaotischen Menge, die sich in eine wahre Erfahrung von Brüderlichkeit verwandeln kann, in eine solidarische Karawane, in eine heilige Wallfahrt. Auf diese Weise werden sich die größeren Möglichkeiten der Kommunikation als größere Möglichkeiten der Begegnung und der Solidarität zwischen allen erweisen. Wenn wir diesen Weg verfolgen könnten, wäre das etwas sehr Gutes, sehr Heilsames, sehr Befreiendes, eine große Quelle der Hoffnung! Aus sich selbst herausgehen, um sich mit den anderen zusammenzuschließen, tut gut. Sich in sich selbst zu verschließen bedeutet, das bittere Gift der Immanenz zu kosten, und in jeder egoistischen Wahl, die wir treffen, wird die Menschlichkeit den kürzeren ziehen.
Quelle: Evangelii Gaudium, ApostolischesSchreiben des Heiligen Vaters Franziskus, 2013

Man könnte glauben, wir hätten nichts dazu gelernt (ich meine nicht die Folgen des 3. Reichs!). Wir sehen immer noch eine Bedrohung in Fremden und reagieren darauf abweisend. Vielleicht ist das eine menschliche Eigenart und es dauert eine weitere, unbestimmte Zeit bis wir diese überwunden haben. Es gibt Hoffnung. Die Evolution hat uns schließlich auch beigebracht, aufrecht zu laufen.

Foto: Linksfraktion, Flickr.com

Elysium mit Matt Damon von iTunes auf Apple TV ausgeben

Da uns das TV-Angebot an den Weihnachtsfeiertagen und auch heute wieder im Stich lässt, habe ich gedacht, leih dir doch einfach mal wieder einen Film aus.

Nachdem seit dem letzten Update von iTunes auch die Übertragung meiner Musiksammlung via Apple TV auf meine Stereoanlage wunderbar funktioniert, sollte das ja mit Videos wohl jetzt auch klappen.

Das Apple TV-Symbol muss blau eingefärbt sein
Das Apple TV-Symbol muss blau eingefärbt sein

Nach dem abgeschlossenen Download des Films wurde durch das kleine, blau eingefärbte Apple TV – Symbol signalisiert, dass es gehen sollte. Abgeschlossen muss der Download eines Leihfilmes sein, bevor die Übertragung an Apple TV starten kann. Man kann den Film auch während des Downloads schon anschauen. Aber diese benötigte Funktion zum Streamen an Apple TV steht dann noch nicht zur Verfügung. Das ist gut zu wissen – für Leute (wie ich), die ein wenig ungeduldig sind. Und es steht (glaube ich) nirgends.

Nachdem bis dahin alles wunderbar geklappt hatte, wollte ich nun voller Erwartung einen Testlauf absolvieren. Der Film startete in wunderbarster HD-Qualität – leider allerdings ohne Ton.

Obwohl ich instinktiv gleich in den Apple TV-Einstellungen (Audio/Video) durchgeschaut habe, wollte der Film kein Tönchen von sich geben. Also habe ich Apple TV neu gestartet. Man kennt das vom PC. Ein Reset kann mitunter Wunder bewirken. Aber auch danach brachte das blöde Ding leider keinen Ton hervor.

Wozu haben wir das Internet? Es ist ein bisschen wie nach dem Weg fragen (trotz Navi). Eine Frau hätte die Idee sicher sofort in die Tat umgesetzt. Man kennt das vom Autofahren. Männer brauchen dafür ein bisschen, bis sie sich einen Ruck geben. Die Lösung war dann schnell gefunden. Ich habe „Dolby“ ausgeschaltet und die Audioausgabe von „Auto“ auf „16 Bit“.

Jetzt können wir heute Abend schön in aller Ruhe, wie gewünscht vom Sofa aus am TV-Gerät „Elysium“ und müssen nicht in meinem Zimmerchen am PC-Bildschirm gucken.

Vorher (jetzt gleich) gibts noch ein schönes Filetsteak mit etwas Salat. Den Rotwein habe ich schon mal dekantiert und mir ein Gläschen vorab als Belohnung einverleibt.

Vom (gedichteten) Zusammenhang „scheiternder Biografien“ mit niedrigen Löhnen

Nahles mag mit ihren Sangeskünsten kürzlich im Bundestag nicht überzeugt haben. Den Inhalt ihres Liedchens hat Welt-Autor Poschardt allerdings wirklich voll verinnerlicht. Er demonstriert dies in seinem auf mich arrogant wirkenden Artikel „Absurde Illusion vom Staat, der alle Wunden heilt“ überdeutlich.

Er schreibt:

Es sind die Unqualifizierten und Schwachen, die in Deutschland den Niedriglohnsektor benötigen, um einen Einstieg in die Arbeitswelt zu finden.

Wenn er bemängelt, dass in der neu entbrannten Diskussion keine neuen und schon gar keine besseren Argumente zum Thema Mindestlohn zu hören sind, mag das schon zutreffen. Sein Argument (s. das Zitat) gehört jedenfalls mit dazu. Es geht zudem an der Lebenswirklichkeit der Menschen vorbei.

Es befinden sich nämlich unter den heutigen mit „kostenverträglichen“ Löhnen Abgespeisten längst nicht mehr „nur“ Leute mit den von Herrn Poschardt beschriebenen Voraussetzungen, sondern als Niedriglöhner finden sich ausgebildete Handwerker, Leute mit Facharbeiterausbildungen und auch Akademiker. Du brauchst nur ein paar Jahre jünger zu sein oder etwa in einer Region zu leben, in der die „Vollbeschäftigung“ sagen wir noch nicht erreicht wurde (was es ja außerhalb Bayerns und Baden Württembergs schon mal geben soll).

Der Druck auf Löhne und Gehälter wird ohne Mindestlohn immer weiter zunehmen. Der Markt regelt vieles aber keine gerechten Löhne. Insofern ist es gerade in diesem Fall ein ganz falscher Ansatz, wenn Poschardt der Politik populistisch vorhält, in diesem Bereich Allmachtsfantasien entwickelt zu haben. Eher ist es richtig, dass die Mehrheit der Deutschen von der Politik verlangt, mehr Einfluss auf gewisse Dinge zu nehmen und diese in ihrem Sinne zu regeln. Ob das vernünftig ist, sei dahingestellt. Aber die Lohnentwicklung soll der Staat gefälligst beeinflussen! Dies tat er zuletzt mit der unsäglichen Agenda-Politik und falschen Weichenstellungen schließlich auch schon.

Insbesondere jüngere Arbeitnehmer können ein Lied davon singen, wie es heute in den Unternehmen zugeht. Sie leisten die gleiche Arbeit und erhalten dafür deutlich schlechteren Lohn, während ältere und alleine deshalb besser abgesicherte Arbeitnehmer ihren Status mit Zähnen und Klauen verteidigen. Diese älteren Arbeitnehmer sind sich nämlich durchaus dessen bewusst, was ihnen bevorstünde, wenn sie heute ihren Job verlieren würden und woanders neu beginnen müssten.

Die Zeiten sind hart und der Markt regelt auch an dieser Ecke nichts – jedenfalls keine fairen Löhne für Arbeitnehmer. Die Tarifparteien sollen das leisten? Von mir aus sollen sie das tun. Wenn diese es aber nicht hinbekommen, soll der Staat für entsprechende Regeln sorgen. Es ist ein Kampf. Einer, für den der Einzelne nicht die Kraft aufbringen kann. Insofern kann man die Debatte nicht auf die Frage reduzieren, wie viele Arbeitsplätze gefährdet sein könnten, wenn es einen Mindestlohn gäbe. Es muss den Unternehmen klar gemacht werden, dass ein auskömmlicher Lohn auch zu den Basics ihres Tuns gehören muss. Das muss wieder gesellschaftlicher Konsens werden.

Altarbesteigung im Kölner Dom wird nun doch strafrechtlich verfolgt

[symple_highlight color=“red“]“Ich glaube an die freie und selbstbestimmte Frau. Wir haben es satt, dass uns die Kirche diktieren will, was richtig ist und was falsch“, sagte Josephine Witt der „B*ld“-Zeitung.[/alert]

Als ich von der Aktion hörte, musste ich zuerst lachen. Ich fand die Vorstellung witzig, dass eine nackte Frau (Josephine Witt) vor Kardinal Meissner auf den Altar gehüpft ist und dort ihre eigene Botschaft verkündete. Inzwischen frage ich mich aber, worin der Sinn solcher Aktion tatsächlich liegen könnte – ausgenommen natürlich von der medialen Aufmerksamkeit für die Person, die diesen Zinnober abzieht.

Heute las ich im Kölner Stadt-Anzeiger, in dem zu Weihnachten noch die souveräne Reaktion der Kirche gelobt wurde, dass Domprobst Feldhoff nun Strafantrag gegen die 19-Jährige gestellt hat. Die harte Kritik aus Kirchenkreisen an dieser Aktion kann ich nachvollziehen. Sie war wohl fällig. Ich will nicht beurteilen, inwieweit der Frauenbewegung solche Aktionen helfen. So sehr ich einsehe, dass die Rechte der Frauen auch bei uns in Deutschland immer noch lückenhaft sind, glaube ich nicht daran, dass dem Anliegen mit einer Altarbesteigung Nachdruck verliehen werden kann.

Nach einer Meldung des Kölner „Express“ sagte Kardinal Meissner: „Jeder hat den Segen verdient. Sogar die verwirrte Frau vorhin. Sie schließe ich mit ein, sie hat es wohl auch am Nötigsten“. Die Haltung des Kölner Weihbischofs Dominikus Schwaderlapp fand ich sympathisch, als er zunächst fand, dass die Aktion zwar „indiskutabel“ sei, man jedoch daraus kein „kein übergroßes Bohei“ machen solle. „Man sollte so etwas nicht durch übertriebene Öffentlichkeit aufwerten“, fand er zudem. An der Anzeige kommt die Frau nun aber dennoch nicht vorbei.

Nach Angaben von Josephine Witt wurde sie von den Domschweizern nicht mit Samthandschuhen angefasst. Sie wurde angeblich in den Unterleib getreten und ihr Körper weist darüber hinaus blaue Flecken auf. Die Kirche hätte auch anders reagieren können. Sagen wir im Sinn ihrer eigenen Lehre von Nächstenliebe und Barmherzigkeit. Ich bin überzeugt davon, dass eine solche Reaktion wirklich gewirkt hätte.

Vielleicht hätte das positiv auf beide Seiten gewirkt. Witts Argument vom „Diktat der Kirche“, das aufgrund des immer weiter schwindenden Einflusses der christlichen Kirchen hätte sich als unzeitgemäß erwiesen. Vielleicht wäre es dann sogar ein Stück weit ad absurdum geführt worden. Andererseits bewegt sich die Kirche natürlich auch nur im Rahmen der rechtsstaatlichen Möglichkeiten und schöpft diese mit ihrer Anzeige aus. Mit den Pussy Riot – Aktionen, wie das in der Öffentlichkeit suggeriert wird, hat Witts Auftritt kaum etwas gemein. Die russischen Aktivistinen haben etwas riskiert, Witt nicht.

Das Höchststrafmaß könnte (theoretisch jedenfalls) 3 Jahre lauten. Aber wer glaubt schon, dass wir in diesem so um political correctness bemühten Deutschland die junge Frau so hart bestrafen würden? Btw: Ob man das wohl auch so sehen könnte, wenn es sich um einen 19jährigen jungen Mann gehandelt hätte?

Woran wir glauben

Als ich heute morgen die Nachrichten über die letzten Neuigkeiten zum Konflikt zwischen Verdi und Amazon las, ging mir wiederum die Frage durch den Kopf, warum die Gewerkschaften seit Anfang der 90er Jahre so viele Mitglieder verloren haben.

Entwicklung Mitgliederzahlen Konfessionskirche und Gewerkschaften (DGB)

Es ist doch erschreckend, wenn in der Zeit von 1991 bis 2012 die zum Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) gehörenden Einzelgewerkschaften 5,6 Mio. Mitglieder (fast 48%) verloren haben. Im Diagramm habe ich die Entwicklung des DGB-Mitgliederbestandes auf der rechten Achse dargestellt, um die Dramatik der Veränderung deutlich zu machen.) Nun könnte man sagen, dass diese Entwicklung einem gesellschaftlichen Desaster gleichkommt.

Genau das scheinen allerdings viele nicht so zu sehen. Viele sind wohl der Meinung, dass wir Gewerkschaften nicht mehr brauchen würden. Vielleicht liegt es daran, dass sie für ihre Mitglieder einfach zu wenig erreicht haben. Einerseits sind wir mehrheitlich für einen Mindestlohn aber die Institution, die diesen vielleicht sogar überflüssig gemacht hätten, werden von uns nicht gestärkt, sondern in der üblich krassen Art und Weise verteufelt. Aber ich sehe ein, dass Gewerkschaftsfunktionäre mit ihren unsäglichen Selbstdarstellungsritualen hierzu beigetragen haben.

Wie kann es zum Beispiel sein, dass man zu den oben verlinkten Pressemeldungen zu angeblichen Kündigungen bei Amazon Verdi bisher keine Stellung genommen hat?

Gewerkschaften/Kirchen
Dafür spricht auch die öffentliche Meinung, die sich im Konflikt zwischen Verdi und Amazon zeigt. Zum Teil kann ich das auch nachvollziehen. Amazon hat bei den Verbrauchern offenbar einen Stein im Brett. Das kann nur daran liegen, dass die Leistungen zufriedenstellen und die Kunden anderweitige Überlegungen erst gar nicht in Betracht ziehen – und überhaupt: geiz ist ja so geil!

Im Vergleich zum Mitgliederschwund der Gewerkschaften muten die Rückgänge der Kirchenmitglieder fast moderat an. Aber wir glauben halt nur noch an uns selbst. Kirchen, Gewerkschaften, Ärzte, Politiker, Journalisten – alle haben wir abgeschrieben. Ob das noch lange gut geht?

Schlank wie eine Nordmanntanne

Andere berichten heute über Straßenschlachten. Das wäre jetzt gerade nicht mein Fall.

Mein heutiger Beitragstitel ist eine kleine Reminiszenz an die Zeiten, in denen ich noch nicht so mit meinen Pfunden zu kämpfen hatte. Heute war ein schöner, ruhiger Sonntag, und meine Frau und ich haben, wie es schon fast am Tag vor meinem Geburtstag Tradition ist, unseren Weihnachtsbaum sozusagen gebrauchsfertig gemacht.

Wir haben uns also dem allgemeinen Weihnachtsstress ein wenig entziehen können und harren nun der Dinge, die da kommen. Die Weihnachtszeit bleibt für beide und für unsere Familie etwas ganz besonders Schönes. Hier hat es die angeblich sonst verbreiteten Familienstreitigkeiten nie gegeben (hoffen wir, dass es so bleibt )

Aber der Geschenkestress ist früher auch an uns nicht vorübergegangen – bis wir uns vor ein paar Jahren endlich dazu durchgerungen haben, mit diesem Weihnachtsbrauch zu brechen. Manchmal fällt es noch ein bisschen schwer und es gibt mal eine Ausnahme. Aber im Großen und Ganzen hält sich die Familie daran.

Ich wünsche euch friedliche, besinnliche Weihnachtstage im Kreise der Menschen, die ihr liebt und viel Glück und Gesundheit für das bald beginnende neue Jahr. Euer Horst