Haben Frau Slomkas aggressive Interviews etwas mit investigativem Journalismus zu tun?

Ganz schön frech, die Frau Slomka. Jetzt hat sich sogar der bayerische König über sie beklagt. Dabei wird es in der Öffentlichkeit doch vielleicht heißen, wenn eine denen da oben auf die Füße tritt, dann ist das ja wohl Marietta Slomka vom ZDF. Jedenfalls, wenn man fair ist und von Stefan Raabs „Ausfall“ beim so genannten „Duell“ zwischen Merkel und Steinbrück („King of Kotelett“) einmal absieht.

Da wird gerade den öffentlich-rechtlichen immer vorgehalten, sich als Regierungssender zu gerieren und nun macht der bayrische Horst alles noch schlimmer. Dass Seehofer Sigmar Gabriel beispringt und ihn gegen Frau Slomka verteidigt, mutet ja doch etwas seltsam an.

Wenn ich ehrlich bin, stößt mich die Interview-Technik (ich will das mal so bezeichnen) von Frau Slomka häufiger etwas ab. Sie wirkt irgendwie zickig und steigert ihre (gespielte) Angriffslust beifallheischend in einer Art, dass es jedenfalls mir fast unangenehm wird.

Dass solche zur Schau gestellten Wortgefechte in der Öffentlichkeit vielleicht sogar schon als Nachweis für „investigativen Journalismus“ gelten könnten, stört mich!  Vielleicht hat aber auch meine Schwester Recht, die mir sicher um die Ohren hauen würde, ich hätte halt ein Problem mit „starken“ Frauen.

Dass Slomka Gabriel verbal mal eins vor den Latz geknallt hat, fand ich so schlecht nicht – irgendwie…

Ein böser Fleischhauer

Das hat Fleischhauer sich für die Zeit danach aufgehoben. Wie er selbst schreibt, ist das ökonomische Problem der TAZ kein neues. Bald könnte es für viele TAZ-Mitarbeiter virulent werden – dank des von der SPD durchgesetzten Mindestlohns.

Es ist nicht neu, dass die TAZ aus wirtschaftlichen Gründen schlecht bezahlt und dass ihre Gegner das ebenso thematisieren, ist genauso nachzuvollziehen, wie die Kritik derjenigen, die die Kirchen aufs Korn nehmen, weil die ihnen zuzurechnenden Institutionen ihre Leute bekanntermaßen grottenschlecht bezahlen. Der Fall aus einer moralisch überhöhten Position kann nur hart sein.

Für mich sind die zynischen Vorhaltungen, mit denen Fleischhauer sich und sein Publikum zu delektieren versteht, leider inhaltlich nicht beiseite zu wischen. Keiner wird das tun, dem das Thema einer gerechten Bezahlung am Herzen liegt. Und vielleicht ist es ja überhaupt wichtiger, dass dieses so überaus relevante Thema für unsere Gesellschaft mit großem Nachdruck in die Köpfe zurückgeholt wird. Ich habe den Eindruck, dass dies notwendig ist. Das Interesse sollte sich nicht auf diejenigen beschränken, die persönlich schlecht bezahlte Jobs haben und davon leben müssen. unter Umständen auf den Gang zum Sozialamt angewiesen sind.

Wer wollte sich schon hinstellen und ernsthaft behaupten, ein höherer Stundenlohn sei wichtiger als der Job selbst? Kaum jemand würde diese Position einnehmen, wenn es darauf ankäme. Wenn die endgültige Durchsetzung des Mindestlohnes im Jahr 2017 abgeschlossen sein wird (und wir bis dahin nicht längst ganz andere politische Verhältnisse im Bund haben werden!) werden wir vielleicht wissen, ob die Maßnahme die erhoffte Wirkung gezeigt hat.

Fleischhauer macht – wie sonst auch – Stimmung gegen Links. Das ist unterhaltsam – bisweilen auch anregend. Außerdem hat Fleischhauer bei „Spiegel Online“ seine Nische. Lest die Kommentare zu seinen Kolumnen. Ich persönlich fände es langweilig, wenn in einem eher linken Medium die Zahl der (hörbaren) Autoren mit anderer politische Positionen gegen Null reduziert würde.

Wenn es stimmt, dass die TAZ die Spiegel – Chefredaktion aufgefordert hat, Fleischhauer rauszuschmeißen, ist das ein dicker Hund.

Foto von: Uwe HikschCC BY-NC-SA 2.0

Wäre ja noch schöner: Für lächerliche 1.071 Euro Mindestlohn arbeiten?

Viele sind ja überzeugt davon, dass mit 140 Zeichen kein allzu großes Unheil angerichtet werden kann. Aber Blödsinn kann man damit schon anstellen:

Wie wäre es denn mit 1.500, 2.000, 3.000 oder gleich 10.000? Ich hätte damit kein Problem. Ich kann gönnen.

Liest man die Gazetten, die man hierzulande Zeitungen nennt (frei nach Herbert Wehner), so ist der ganze Koalitionsvertrag Müll. Und viele Kommentatoren im Netz beurteilen ihn auch nicht anders. Dann muss wohl was dran sein – oder?

Da haben sich Politiker wochenlang die Köpfe heiß geredet und versucht, ihr Mandat, also unsere Interessen, wahrzunehmen. Für das Ergebnis müssen sie sich nun von Leuten kritisieren lassen, die (wie ich) erst gar nicht wählen gegangen sind oder für die von Beginn an klar war, dass die Koalitionsverhandlungen nichts als faule Kompromisse hervorbringen würden. Und wie oft ist von Politikern die Rede, die nichts anderes als ihren persönlichen Vorteil im Kopf hätten.

Dass wir uns einzelne Politikfelder vornehmen und Beschlüsse inhaltlich kritisieren ist unser Recht und insofern natürlich voll in Ordnung. Aber wir neigen immer mehr zu Verkürzungen (schaut euch die Tweets doch an!) und die Leistungen unserer Politiker in Bausch und Bogen zu verdammen. Ob es Einträge in den anderen sozialen Netzwerken oder ins Blogs sind: überall das gleiche Bild.

Ja, Demokratie ist langweilig, so mühsam und immer ein streitiges Terrain. Vielleicht müssen wir uns vergegenwärtigen, dass sie auch vom Streit um den besten Weg lebt und dass nicht jeder Kompromiss Teufelswerk ist. Wir haben das tausendmal gehört, aber man muss es wiederholen. Ich habe die Sorge, dass – wenn wir so weitermachen und jeden Kompromiss als faul verteufeln – uns irgendwann die Augen reiben, weil wir das Kind mit dem Bade ausgeschüttet haben. Unsere Demokratie ist Gott sei Dank stabil. Aber sie braucht schon einen Grundkonsens.

Foto von: cobalt123CC BY-NC-SA 2.0