Bedauerlich, dass Deutschland sich wieder der Stimme enthalten hat

Interview

Tom Negev, israelischer Historiker, äußerte sich heute im Südwestfunk (SWR2) zur gestrigen UN-Entscheidung. Es ist bedauerlich, dass Deutschland sich der Stimme enthalten hat. Westerwelles „Erklärungsversuche“ waren in meinen Augen pures Politikergewäsch. Vermutlich haben wir in Deutschland andere Probleme, aber von unserem Außenminister hätte ich mehr erwartet. Natürlich war sein Statement mit der Kanzlerin abgestimmt. Nur ja nichts tun, was irgendwie Ärger mit Israel bedeuten könnte.

Ohne Navigationsgerät wäre ich aufgeschmissen

Zum Glück bin ich nur wenig mit dem Auto unterwegs. Von der Fahrt zur Arbeit und zurück abgesehen. Das sind in der Woche nur rund 300 km, weil ich ja wochentags im Hotel übernachte. Obwohl das so ist, habe ich mein 1. Navigationsgerät (das Auto dazu habe ich seit 2007) schon oft in den höchsten Tönen gelobt. Wenn sich das bei Freunden oder in der Familie mal so ergab.

Mein Orientierungssinn ist nicht besonders gut ausgeprägt und deshalb bin ich dankbar für diese bahnbrechende Erfindung. Aber jetzt kommt’s. Man sollte ja eigentlich mit dem Teil auch gut um Staus herumkommen. Wenn die Daten stimmen würden, wäre das bestimmt auch der Fall. Aber woher kommen diese Staudaten bloß? Ich habe manchmal das Gefühl, dass die Sammlung und Weitergabe von aktuellen Staumeldungen überhaupt nicht funktioniert.

Heute war das wieder der Fall. Im Radio wurde ein 6 Kilometer langer Stau auf der A 61 gemeldet. Zwischen Wehr und Niederzissen hieß es. Jeder, der die Strecke kennt, der weiß, dass dort eine Dauerbaustelle (bis November 2013) eingerichtet ist und dass es dort schon mal eng wird. Richtige Staus sind das aber meistens nicht, sondern höchstens wird es dort mal ein bisschen „Dicke“.

Weil ich ja manchmal ein risikofreudiger Mensch bin und auch mein Navigationsgerät mir von diesem Stau zu berichten wusste, habe ich mich mal ganz stur durchgesetzt. Ich bin einfach auf der A 61 geblieben und siehe da: Von Stau war nirgends auch nur ein Hauch zu sehen. Auf der ganzen Strecke nicht und an besagter Baustelle war auch alles ganz normal. Der Verkehr floss prächtig. Am Freitagmittag ist das weiß Gott nicht immer so.

Ich frage mich immer wieder, warum zum Teil Staus gemeldet werden, die sich längst aufgelöst haben. Es ist aber auch schon vorgekommen, dass es Staus gab (und zwar keine kurzen), die überhaupt nicht vom Navigationsgerät gemeldet wurden. Das ist dann besonders toll, wenn man doch mal den Stau umfahren will und sich im Gebiet nicht auskennt. Dann hat man nämlich verloren. Meistens sind alle Nebenstraßen durch diesen Stau (weil alle das Gleiche machen) total verstopft und wenn dann noch das Navi den Stau nicht kennt, versucht das blöde Ding, einen immer wieder auf diese Autobahn zu lotsen. „Gundula“ (so hat meine Frau unser Navi getauft) ist halt auch nur ein Computer.

An dieser Stelle gibt es wohl noch einigen Verbesserungsbedarf. Vielleicht mache ich ja mal den Staumelder auf der 61. Bisher habe ich noch nie in irgendeiner Redaktion angerufen und einen Stau an- oder abgemeldet. Wie haltet ihr das?

Shitstorm: Jeder will und darf mal

Eigentlich ist es ja schön, wenn man sein Missfallen über einen Zeitungsartikel gleich online verfassen und abschicken kann. Darin liegt natürlich die Gefahr, dass man etwas schreibt, was einem nachher vielleicht leid tun wird.

Gar nicht mal wegen der Abmahnung, die theoretisch auch in solchen Fällen im Bereich des (technisch) Möglichen läge. Aber nein. Das wäre zu viel der Ehre. Die Leute, die sich da so unerbittlich zeigen, sind bestensfalls wohl das, was man im Web (als man noch einigermaßen unter sich war) als Trolle bezeichnet hätte. Heute sind Ausfälle dieser Art völlig normal. Außer Offlinern regt sich darüber kaum einer auf. Den Eindruck macht das. Manche stilisieren die schrägsten Shitstorms zum Ausdruck der Meinungsfreiheit im Internet.

Dass mit der Nutzung des Internets eine gewisse Verantwortung verbunden ist und wenigstens einige wenige Regeln einzuhalten sind, wollen die Ritter der Meinungsfreiheit nicht sehen. Manche kotzen sich – vorzugsweise anonym – aus, weil sie feige wie nur was sind. Aber diese Geisterfahrer machen anderen Leuten das Leben verdammt schwer. Andererseits sind das vielleicht sogar gerade die, sich sich im realen Leben über Mobbing und andere Widerlichkeiten beklagen.

Wer weiß schon, ob diese „Ausfälle“ in der Sache begründet sind oder ob die Absender solcher Tiraden nicht auch deshalb so übers Ziel hinaus schießen, weil sie dem Irrtum unterliegen, dass ihnen niemand was kann – egal, wie schlimm die Beleidigungen sind, die sie im Web absondern.

Auch hochgefährliche Straftäter sind Menschen

Interview

[yellow_box]Ein beeindruckendes Interview mit Prof. Jörg Kinzig, Rechtswissenschaftler an der Universität Tübingen, über die Neukonzeption der Sicherheitsverwahrung.[/yellow_box]

Die ruhige Analyse der aktuellen Bedingungen und auch die sachliche Kritik Kinzigs an der medialen „Aufbereitung“ der Thematik ist bedenkenswert. Sein Hinweis auf die 70er Jahre, in denen in dieser Hinsicht ein „anderer Geist“ geherrscht habe, wird bei der „Kopf-Ab-Fraktion“ wenig Zuspruch finden.

Und ich sage weiter, dass dies nicht nur bei dieser Frage zutrifft. Damals waren wir auf dem Weg in eine bessere Gesellschaft. Heute will davon keiner mehr was wissen. Schließlich haben wir ja mit dem tollen Internet die Demokratiemaschine schlechthin. Viele Konservative und ganz Rechte gehen im Gegenteil soweit, die 68er, die diesen Prozess der Liberalisierung unserer Gesellschaften maßgeblich beeinflusst haben, für alles Schlechte auf dieser Welt verantwortlich zu machen. Aber das ist eine ganz andere Diskussion.

Armutsberichte der Bundesregierung ein Armutszeugnis?

Ein Armutszeugnis über unsere Gesellschaft stellt uns unsere Bundesregierung regelmäßig in Form eines so genannten  „Armuts- und Reichtumsbericht“ aus. Das Ding wiegt 400 Seiten und ist bei vielen nicht sehr beliebt. Die Linken stürzen sich naturgemäß auf die zentralen Aussagen, die gar nicht negativ genug sein können. Das gehört wohl zu den unvermeidlichen politischen Spielchen, die vielen lange am Halse heraushängen.

In einem Artikel der „Süddeutschen Zeitung“ erklärt Autor Thomas Denkler, dass die ursprüngliche Fassung des aktuellen Berichtes deutlich negativer formuliert war als die jetzige, endgültige Version, die „auf den Markt“ kommt. Verantwortlich – und natürlich passt dies ganz wunderbar zu unserer Erwartungshaltung – ist das Wirtschaftsministerium und damit Philipp Rösler (FDP).

Immer, wenn diese Bericht an die Öffentlichkeit kommen, gab es große Diskussionen über deren Inhalt. Jede sich bietende Gelegenheit wurde – egal von welcher Seite – ideologisch aufgeheizt, kommentiert und über uns ausgeschüttet. Von allen Seiten, nicht nur von der Linken. Dabei beruft sich – das ist auch Ritual – mindestens eine der beteiligten Seiten im Brustton der Überzeugung darauf, es gehe ihr nur um die Wahrheit und dass die Sache von ihrer Seite bar jeder Ideologie beschrieben werde.

Wir haben über unsere Verhältnisse gelebt

Mit Verlaub, das ist ärgerlich und ziemlich albern. Jeder Mensch kann, sofern er mit offenen Augen durch’s Leben geht, auf Anhieb erkennen, dass sich in unserem Land viel zum Negativen verändert hat. Er hat erlebt, was um ihn herum passiert und wie sich das Land verändert hat. Ob es im familiären Umfeld, im Freundes- oder Kollegenkreise oder gar persönlichen Bereich „eingeschlagen“ ist, die Einkommenssituation hat sich aus vielfältigen Gründen oft erheblich verschlechtert. Es ist also nicht mehr möglich, beispielsweise die Menschen, die irgendwann mal nebulös als mögliche „Verlierer der Globalisierung“ eingeordnet wurden, in der Anonymität zu halten. Es betrifft viele – nicht nur Pechvögel.

Wie viele Leute sind heute von Tafeln abhängig, wie viele Leute sind obdachlos. Erst vor kurzem lasen wir, dass sich 400.000 Menschen in Deutschland schon heute kein Pflegeheim mehr leisten können. Das sind nur drei Beispiele, die wir alle kennen.  Auch solche konkreten Beobachtungen werden von den Beschönigern (sind es auch die Nutznießer der Einkommensverteilung von unten nach oben?) der sozialen Situation in unserem Land prompt relativiert werden. Es wäre interessant zu erleben, wie diese Leute sich verhalten, wenn sie dereinst einmal persönlich betroffen sein werden – oder ihre Kinder.