Ehrlichkeit vor Kompetenz?!

Politik ist ein schmutziges Geschäft. So heißt es. Politiker arbeiten professionell. Politiker neigen dazu, den Leuten etwas vorzumachen. Wenn sie zum Beispiel danach gefragt werden, warum sie in die Politik gegangen sind, hören wir oft: Ich möchte die Zukunft „mitgestalten“. Klingt ja auch prima. Und schafft Vertrauen. So war das mal. Heute glauben wir, dass es vielen dabei doch nur um das bisschen Macht geht, das sie mit unserer Hilfe für eine begrenzte Zeit erlangen können. „Ehrlichkeit vor Kompetenz?!“ weiterlesen

Der Euro – ein Problem am Bein vieler Länder

Wenn der EU-Parlamentspräsident  durch Europa reist und vom möglichen Ende des Euro und sogar der EU redet, kann jedem überzeugten Europäer angst und bange werden. Die Verantwortlichen werden gewusst haben, dass es richtig ist, was Dirk Müller mit einfachen Worten beschrieben hat:

Jedes Land braucht die Währung, die zu seiner eigenen Leistungsfähigkeit passt. … Die arbeiten mit einer viel zu starken Währung für ihre Leistungsfähigkeit

Angesichts der weiteren Entwicklung in Spanien und der Aversion, die sich in vielen Ländern Europas gegen die neuerdings so sparsamen Deutschen entwickelt, kann man nur atemlos zur Kenntnis nehmen, wie ahnungs- und konzeptlos die verantwortlichen Politikern bis in die Gegenwart hinein agiert haben. „Der Euro – ein Problem am Bein vieler Länder“ weiterlesen

Schimpfen, pöbeln und zerstören – ein Dreiklang im Internet

Udo Vetter, Law Blog, und Prof. Dr. Bernhard Pörksen, Uni Tübingen, gaben heute morgen bei WDR5 Einblick in die aktuelle und immer wieder sehr interessante Thematik.

Heute reicht eine unbedachte Äußerung bei Facebook, ein einziger Klick im Netz um einen digitalen Skandal auszulösen. SMS-Botschaften und Twittermeldungen machen Menschen zu Helden oder beenden Karrieren. Das gilt für die Piraten, die derzeit mit ihren unbedachten Nazi-Vergleichen im digitalen Shitstorm stehen. Das gilt für die Sportlerin Ariane Friedrich, die mit dem Outing eines Belästigers bei Facebook eine Diskussion um den „Internet-Pranger“ ausgelöst hat. Wird der Reputationsverlust im Netz zum Dauerrisiko?

— WDR 5

WDR – interessante Diskussion (60 Min)

Merkels Geschwätz zum Betreuungsgeld: „Das ist ein Gebot der Fairness….“

An ihren Worten sollt ihr sie erkennen! Dazu haben wir gerade mal wieder Gelegenheit.  „Das ist ein Gebot der Fairness„. Mit diesem Satz versuchte Merkel gerade eben, die auch koalitionsintern geführte Debatte um das Betreuungsgeld zu beenden.

Ein „Gebot der Fairness“ gilt allerdings Pressemeldungen zufolge nicht für die, die das Geld am Nötigsten brauchen. Allerdings passt es ins Bild, dass es an Hartz IV – Empfänger zwar auch ausgezahlt, dann aber wieder vom Hartz IV-Regelsatz abgezogen werden soll. Ähnlich hat man dies bereits beim Kindergeld „geregelt“. Auch zu dieser Regel gab es Proteste. Das hat an der Entscheidung nichts geändert.

Die Entscheidung,  Hartz IV – Empfängern kein Betreuungsgeld für ihre Kinder zu geben ist in sich konsistent. Die Regierung kann jetzt damit argumentieren, dass Hartz IV – Empfänger das Betreuungsgeld nicht erhalten. Das ist ja der Personenkreis, der nach Meinung der Gegner des Betreuungsgeldes ohnehin nicht zweckgemäß damit umgehen würde.

Oder lässt diese Finte der Regierung auch andere perverse Schlussfolgerungen zu?

Foto: Kersten Schröder / pixelio.de

Es ist ein bisschen wie in Frankensteins Keller — was geht, wird gemacht

Deshalb: Einfach mal konsequent die Abschaffung des Urheberrechts fordern.

Die stressige Diskussion hätte man mit einem Schlag vom Hals. Die Forderung, das Urheberrecht abzuschaffen, kann entweder nur von sehr furchtlosen Menschen kommen oder von solchen, die ihre Sicht ausschließlich mit einem Blick durch die eigene Brille erlangt haben.

Bestimmt sind darunter Leute, die sich um ihren Lebensunterhalt als Künstler (sofern sie welche sind) keine Gedanken zu machen brauchen bzw. die nach einer etwaigen Realisierung der Forderung kein Risiko darin sehen, schon bald brotlos dazustehen. Doch, es gibt auch solche Künstler. Und sie sind auch deutlich vernehmbar. Auch sie setzen für ein freies Internet ein. Vielleicht wäre es  aber zu kurz gedacht, wenn man ausschließlich der eigenen Sympathie zum Netz wegen,  das Kind mit dem Bade ausschütten bzw. das Urheberrecht ganz aufgeben würde.

Der pointierte Vergleich mit dem Segelflieger im Vakuum gefällt mir. Im Internet scheint sich nichts erzwingen zu lassen. Und überhaupt: Zwänge sind ja nur was für Loser. Aber Internet-Nutzer sehen sich natürlich überhaupt nicht so. Im Gegenteil. Sie fühlen sich einer (noch) elitären Gruppe von Durchblickern und  Technikverstehern zugehörig. Diesen Habitus sollte man schnell los werden. Er ist oberflächlich, lächerlich und natürlich längst obsolet. Trotzdem ist es ein bisschen wie in Frankensteins Keller. Was geht, wird gemacht. Das soll so bleiben! Und wer anderer Meinung ist und Einwände formuliert (das reicht bereits), ist ein rückständiger Offliner. Und wer will das schon sein?

Ein „bisschen regulieren“ lässt sich das Internet nicht. Das glaube ich auch. Die Konsensbemühungen, die für eine Regulierung erforderlich wäre, würden sich samt und sonders totlaufen. Entsprechende Tendenzen dafür sehen wir beim Thema ACTA. Die Politiker trauen sich nicht gegen den Widerstand des Webs nicht mehr so richtig, an diesem  internationalen Projekt festzuhalten – trotz langer Vorbereitungszeit und der damit verbunden Abstimmungsprozesse. Das Web sagt nein und die Politiker trauen sich scheinbar immer weniger, sich mit ihm anzulegen.

Ich weiß nicht, ob ich das wirklich möchte. Persönlich wäre mir eine behäbigere und dafür abgeklärtere Herangehensweise an diese so wichtigen Themen doch lieber. Aber das ist nicht mal mehr Web 2.0. Das ist Offline-Denken.