Wert vor Leben

Wert vor Leben

 

Mich stören solche Dinge. Da werden Nachrichten aufgemacht deren Reihenfolge (nein, da sitzt vermutlich keiner, der diese anordnet) einfach daneben ist. Es sterben 340 Menschen aber der Aufmacher heißt: „Unwetter in den USA US-Versicherer rechnen mit fünf Milliarden Dollar Schaden“.

So tickt unsere Welt. Werte zählen offenbar mehr als Menschenleben. Machen wir einen kleinen Schenker zur deutschen Rechtsprechung. Warum werden Eigentumsdelikte (nach meinem Eindruck jedenfalls) oft strenger bestraft als Körperverletzung oder so etwas? Ich finde, diese Dinge hängen miteinander zusammen. Solche Botschaften sind es, die unseren zivilisatorischen Fortschritt in einem schlechten Licht erscheinen lassen.

Stevie Wonder wiedergefunden

1982 habe ich meinen ersten CD-Player bekommen. Geschenkt. Von meinem damaligen Chef zu Weihnachten. Zusätzlich gabs übrigens noch Weihnachtsgeld. Ja, das gab es — wirklich. Es kommt einem vor wie in einem anderen Leben.

Ich komme deshalb auf diese Geschichte, weil ich eben über Simfy.de eine meiner gaaaanz alten Lieblingsplatten aus Urzeiten (Innervisions von Stevie Wonder) aufgestöbert habe. Die Platte liegt noch irgendwo im Keller mit den anderen (500-600) und gammelt vor sich hin. Eine Schande! Ich hatte sie mir 1973 gekauft und wirklich viel gehört – auch in der Disco liefen einige der Stücke rauf und runter.

Mit der Inbetriebnahme des CD-Players habe ich den Plattenspieler links liegenlassen. Manche der Platten habe ich allerdings im Lauf der Jahre als CD zugelegt. Natürlich längst nicht alle. Tja, stelle ich da mal für mich so fest: Stevie Wonder war wirklich ein ganz toller Musiker. So vor „I Just Called to Say I Love You“. Nix für ungut, liebe Leserinnen.

Heiliger St. Florian, verschon unser Haus, zünd andere an – oder so ähnlich

Auch die weitsichtige Ökonomie des Nachdenkens bezeugt eine Sparsamkeitsentschlossenheit, die seiner Partei gut zu Gesicht steht.
Quelle: Politische Geologie

Den Artikel fand ich auch insofern interessant als ich noch vor wenigen Tagen zu meiner Zufriedenheit las, dass die bayerische Landesregierung durchaus geneigt sei, auch in Bayern nach einem geeigneten Lager suchen zu lassen. Das wäre ja immerhin mal ein Fortschritt gewesen. Alles zurück auf St. Florian.

Wie soll das nur weitergehen?

Wenn ich durch die Straßen unseres kleinen Städtchens fahre und die wieder mal so was von verstopft sind frage ich mich, wie lange das eigentlich noch so weitergehen kann. Bestimmt fragen sich das auch andere.

Trotzdem sind alle unterwegs und nerven sich gegenseitig durch ihre bloße Präsenz.

Meine Frau kam vom Einkaufen am Karsamstag nach Hause und war fix und fertig. „Stelle dir vor“, sagte sie. „Beim Metzger stand eine fast 30 Meter lange Menschenschlange bis aufs Trottoir hinaus. Das habe ich mir nicht antun wollen“. Recht hat sie und verhungert sind wir auch nicht.

Wir schimpfen verständlicherweise auf die explodierenden Benzin- und Dieselpreise. Mancher wird deshalb weniger tanken. Andere können es gar nicht, weil sie auf ihr Auto angewiesen sind. Der Preis einer zum Teil durchaus aufgezwungenen Mobilität.  Ich bewundere die Leute, die für die Umwelt eine Menge auf sich nehmen. Nicht die, die reden, sondern die, die wirklich etwas tun. Und davon gibt es sicher viele.

Ich bin persönlich sehr bequem und beschränke mich darauf, ab und an mal darüber zu schreiben. Bisschen wenig. Ich weiß. Es wäre bestimmt interessant, mal zu erfahren, wie viele genauso halten wie ich aber nicht mal darüber schreiben. *lol* Aber geschenkt.

Nicht nur die Straßen innerorts sind dicht, genauso sind es  die Autobahnen. Und da fragt man sich, wie die für Deutschland so wichtige Autoindustrie künftig bloß ihre Zuwachsraten erreichen will. Aber da liegt ein Denkfehler vor. Die Automobilkonzerne machen den größten Teil ihrer Umsätze nämlich längst nicht mehr im Binnenmarkt sondern in ausländischen Märkten. Gegenüber 2009 wurde der Absatz deutscher Autos ins Ausland um 23% (auf 4,2 Mio. Stück) gesteigert. Der Export nach China wurde im gleichen Zeitraum um sagenhafte 54,2% gesteigert! Im Inland wurden im Jahr 2010 5,5 Mio. Personenwagen hergestellt und im Ausland weitere 6,1 Mio. Das bezieht sich allein auf die deutschen Automobilhersteller. Ihr Inlandsumsatz sank von 2009 zu 2010 um 2,7 % (-ca. 2 Mrd. Euro), der Auslandsanteil hingegen stieg um satte 32,6% (+43 Mrd. Euro).

Ungeachtet der Entwicklung freuen sich die Medien wie die Plätzchen, wenn sie von der Zunahme der Erstzulassungen in Deutschland berichten können. Warum sollten sonst auch unsere Straßen immer voller werden, wenn das nicht der Fall wäre? Außerdem gibt es ja noch die ausländischen Hersteller, die auch ihren Euro in Deutschland machen wollen. Im Grunde läuft alles bestens – liest man. Die deutsche Wirtschaft brummt.

Wir sollten zufrieden sein – trotz des hohen Anteiles von 1Euro-Jobbern und zu vielen Aufstockern. Mindestlöhne würden nur stören. Das kriegen wir nicht nur von unserer Regierung gesagt, sondern von denen, die es einfach nicht fassen können, wie unwissend oder naiv der gemeine Deutsche die Dinge doch sieht. Wachstum ist alles was zählt. Diesem Ziel ist alles andere unterzuordnen. Auch die Fairness und die Menschenwürde. Deshalb gibts Sprüche wie: „Alles was Arbeit schafft ist sozial“. Das hat natürlich längst auch „die“ Politik verstanden.

Das Primat der Politik wurde der Wirtschaft übereignet.  Über die Auswirkungen dieses bewussten Transfers wird sich hoffentlich keiner wundern. Schröder hat die SPD dauerhaft ruiniert in seinem Irrglauben, von dieser Wirtschaft etwas zurückzuerhalten, wenn die Politik in dieser Hinsicht in Vorleistung trete. Was für ein grandioser Irrtum.

Hartz IV – Empfänger zahlen den höchsten Preis dafür – bis heute! Obwohl Fehler in der Formulierung der Gesetze parteiübergreifend längst von Politikern eingestanden wurden, waren diese auch nach Jahren nicht dazu in der Lage, diese zu beseitigen und gesetzliche Grundlagen zu schaffen, um die Zigtausende von Klagen bei den Sozialgerichten einzudämmen.

Wir sind gelehrig und haben sie rausgelassen – die Gier. Alles muss immer schöner, größer und weiter sein. Und vor allem billiger natürlich! Alles andere ist kalter Kaffee. „Wenn jeder an sich denkt, dann ist an alle gedacht!“ Ein Grundsatz, der so zwar nicht offen ausgesprochen wird, nachdem immer mehr Menschen aber nichtsdestotrotz leben.

Die Unzufriedenheit, die  in der Bevölkerung verbreitet ist, kommt vermutlich daher, dass wir den Mangel in diesem «Lebensentwurf» längst entdeckt haben. Wir wünschen uns etwas anderes. Vielleicht, weil wir ahnen, dass die Zeit knapp werden könnte und dass das, was danach kommt, umso schlimmer wird, je länger wir es weiter treiben lassen. Immer mehr Autos, immer weniger Platz. Immer höhere Verbräuche von Ressourcen. Wir fragen uns, was zuerst passiert: Geht das Benzin oder der Platz aus? Die Preisentwicklung könnte uns die Entscheidung abnehmen. Aber das ist nur die eine Seite. Die andere ist, dass ggf. keine Autos mehr verkauft und dann auch nicht mehr gebaut werden. Hoffentlich bilden wir uns nicht ein, dass die großen deutschen Automarken, die wunderbaren Premiummarken dieser Welt, auf den deutschen Markt nicht verzichten könnten und dass die Qualifikation unserer Ingenieure und Techniker in den Autoschmieden unerreich- und deshalb unersetzbar seien. All das lässt sich genauso spielend transferieren, wie das im Falle anderer Industrien längst über die Bühne gegangen ist. Auf die Kapitalisten dürfen wir uns nicht verlassen. Die packen ihre Koffer und ziehen von dannen.

Man erzählt uns, dass wir vielleicht nicht konsequent genug den Umbau zur Dienstleistungs- und Informationsgesellschaft vollzogen hätten. Welche Auswirkungen hätte die Energiewende tatsächlich und welche Industrien kann es danach in Deutschland noch geben?

Angesichts all dieser Fragen muss man doch ins Grübeln kommen. Und die Verschuldung des Staates (2 Billionen Euro) und die Stabilität des Euro habe ich bisher nicht mal erwähnt.