Beweise sammeln

Spitzenverdiener sollen künftig zu deutlich höheren Geldstrafen verurteilt werden.

So war laut Zettel der Anfang einer Meldung in der 17.00 Uhr Heute-Sendung. Natürlich wird dieser freud’sche Versprecher in die knallharte Beweissammlung neoliberaler Debattantenstadel eingehen. Die helle Aufregung der Öffentlichkeit über Steuerhinterziehungen, unanständig hohe Managergehälter oder auch Massenentlassungen trotz hoher Gewinne, nur einen Grund hat — nämlich die allgemeine und grässliche Neigung der Deutschen, auf alle Erfolgreichen einen Pick zu haben. Neidhammel ist ja quasi der 2. Vorname des Deutschen.

So einfach kann man sich das machen.

Unsere Empörungsrituale kotzen mich an!

G e g e n Denkverbote

Wenn man Böhmers Aussagen zu Kindstötungen liest, ist man erst einmal empört. Das geht ratzfatz. Und das wird im Westen nicht anders sein als im Osten. Warum auch? Wenn man allerdings konzediert, dass Böhmer aufgrund seiner beruflichen Erfahrungen als Chef einer gynäkologischen Abteilung ganz persönliche Erkenntnisse mit dem Verständnis betroffener Frauen mit ungewollten Schwangerschaften gewonnen hat, sollte man schon nicht gleich losschreien. Denkverbote sind auch bei einem Problem dieser Tragweite nicht angebracht.

Die Abtreibungspraxis in der ehemaligen DDR war jedenfalls offenbar eine andere, als die in der Bundesrepublik. Vielleicht gibt es einen Zusammenhang mit den häufigen Kindestötungen, über die wir uns heute alle gemeinsam erschüttert äußern. Vielleicht ist das deshalb so, weil man sich damals mit dem Wert menschlichen Lebens weniger intensiv befasst hat, als das hier und heute der Fall ist. Wenn das aber so sein könnte, dann sollten wir nicht jeden, der sich ernsthaft darum bemüht, diese ungeheuerlichen Vorgänge in unserer Gesellschaft zu klären oder eine überhaupt eine Erklärung dafür zu finden, gleich an den medialen Pranger stellen und den Rücktritt zu fordern. Irgendeinen Grund muss es geben, wenn Mütter oder Väter ihre Kinder töten. Und dass dieser Grund auch in der Sozialisierung von Menschen zu suchen sein kann, liegt nicht außerhalb des Denkbaren. Warum sollte man es dann nicht aussprechen? Ich sehe in diesem Beitrag keine einseitigen Schuldzuweisungen, sondern einen ernst zunehmenden Beitrag, um dahinter zu kommen, welche Dinge in unserer Gesellschaft falsch laufen.

Ein ganz neuer Grund für Massenentlassungen

Im Saarland hat die Erde gebebt. 4.0 auf der Richterskala. Das ist nicht von Pappe und entsprechend groß ist die Sorge in der betroffenen Region des Saarlandes. Fast die gesamte Belegschaft des Bergwerk Saar der RAG Deutsche Steinkohle (3.600 Bergleute) wurde freigestellt. Ob Kurzarbeit angemeldet werden muss, wird in den nächsten Tagen entschieden.

Das sieht nicht gut aus für die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Unternehmens. Schon vor Jahresfrist war dort von Massenentlassungen die Rede. Nun gab es ein Erdbeben, bei dem eine Reihe Gebäude beschädigt wurden. Ein Junge stürzte von einer Leiter und zwei Menschen mussten nach Angaben der Polizei wegen psychischer Probleme behandelt werden. In der Region gibt es Proteste wegen der Gefahren, die mit der Steinkohleförderung verbunden sind. Es war nicht das erste Beben. Bis Sonntag Mittag gingen 250 Schadensmeldungen ein.

Der Westen: Ursachen für große Erdbebenstärke nicht genau geklärt