Armut Foto von Gabi Eder / pixelio.de

Armut Foto von Gabi Eder / pixelio.de

Richtig oder falsch, Wahrheit oder Lüge?

Die Arbeitsagentur hat neue Zahlen zur Entwicklung der Hartz – IV – Aufstocker in Deutschland vorgelegt. Die Medien kommentieren dies entsprechend ihrer politischen Ausrichtung. Besonders apart finde ich die Argumentation der FAZ:

Mehr Aufstocker über 800 Euro, weil mehr Menschen so viel verdienen

Und letztlich zeigten die Daten eine Verschiebung innerhalb der Aufstockergruppen: Es gebe weniger Personen, die zwischen 400 und 800 Euro im Monat verdienten und mehr, die mehr als 800 Euro erzielten. Dies zeige, dass Aufstieg im Arbeitsmarkt – wenn auch mühsam – gelinge und sei das Gegenteil von Abstieg.
Quelle: Arbeiten und Hartz IV: Weniger Aufstocker in Deutschland – Armut und Reichtum – FAZ

Immerhin räumt man ein, dass der Aufstieg mühsam sei. Dass der Kommentator der FAZ überhaupt auf die Idee kommt, einen Lohn von 800 Euro im Monat mit einem »Aufstieg« in Verbindung zu bringen zeigt, welch Geistes Kind er ist.

Bruttoverdienst von ALG II Empfängern mit Arbeit
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Seit 2009, erst seit 2008 wird eine Statistik darüber geführt, mussten Jahr für Jahr immer deutlich mehr als 1,3 Mio. Menschen aufstocken, weil ihr Lohn nicht ausreichend war. In einem Kommentar der Süddeutschen Zeitung wird von der »hässlichen Seite der Aufstocker-Statistik« geredet. Schröders Agenda hat unter anderem erst ermöglicht, dass Unternehmen Lohndumping als zentralen Punkt ihres Geschäftsmodells etablieren. Dass über diese »Möglichkeit« anerkannte Ökonomen vorher bereits lange Zeit fantasiert haben, sei nur am Rande erwähnt.

Es ist grotesk, wie unterschiedlich manche Medien den gleichen Sachverhalt darstellen oder jedenfalls betiteln:

1.) Immer mehr Hartz IV Aufstocker mit höherem Einkommen
2.) Immer mehr Menschen brauchen trotz Job Hartz IV – Aktuelle Nachrichten – Berliner Morgenpost – Berlin
3.) »Aufstocker«: Weniger Menschen mit Einkommen auf Hartz IV angewiesen – Deutschland – Politik – Wirtschaftswoche
4.) Mehr Menschen mit Einkommen im Land auf Hartz IV angewiesen – Stuttgart – Bild.de
5.) Hartz IV-Aufstocker: Arbeit reicht immer seltener zum Leben | Arbeit & Soziales - Frankfurter Rundschau
6.) Hartz IV: Bundesagentur: Zahl der Aufstocker geht zurück

Steinbrück geht gar nicht!

Wer glaubt inzwischen schon noch, dass Steinbrück Kanzler werden könnte? Das hat er nicht zuletzt, sich selbst zuzuschreiben.

Zettels Analyse und die vieler anderer Kommentatoren sind wohl zutreffend. Mich erinnerte das Getue von Steinbrück (gerade zuletzt, als er u.a. das Kanzlergehalt zum Thema machte) an eine bei mir schon verschüttete Erkenntnis: Eloquenz hat nicht unbedingt was mit Intelligenz zu tun.

Mir hängen Steinbrücks Zumutungen an die Partei inzwischen so zum Halse heraus, dass ich meine Stimme der SPD im Herbst nicht geben werde!

Vielleicht wähle ich erstmals die Linken. Steinbrück geht jedenfalls gar nicht.

Voll daneben!

Die Konstruktion einer Gegenthese kann leicht daneben gehen. Und den Versuch, eine solche mithilfe dieses Textes zu entwickeln, finde ich beinahe schon unglaublich.

Die aus eigenen Lebenserfahrungen vorgetragenen Beispiele wirken auf mich nicht nur provozierend (das sollen sie vielleicht), sie machen in meinen Augen vor allem überdeutlich, wie grundverschieden Menschen beobachten. Der Text demonstriert anschaulich, wie weit Individuen sich von der Lebenswirklichkeit der Mitmenschen entfernen können und aus komplett individuellen Beobachtungen allgemeine Schlussfolgerungen für eine Gesellschaft zu ziehen.

Vielleicht ist die die von Zettel verneinte und doch so offensichtliche Diskrepanz der Lebensverhältnisse maßgeblich darauf zurückzuführen, dass die von Soziologen auf Parallelgesellschaften verengte Betrachtung der Lebensumstände von Migranten und Einheimischen längst zu erweitern gewesen wäre. Menschen nehmen nicht aus ideologischen Gründen wahr, dass es groteske Unterschiede bei den Vermögensverhältnissen/Einkommen gibt. Ich weiß nicht, wie man dazu kommen kann, alle offiziellen Daten über diesen Sachverhalt einfach infrage zu stellen. Aber ich vermute, dass die an gleicher Stelle immer wieder vorgetragene Skepsis zum Thema der »menschengemachten Klimaerwärmung« sehr ähnliche Ursachen hat. Da ist es schon komisch, dass nur der »Gegenseite« ideologische Motive unterstellt werden.

Das ist die Krankheit in unserem Land. Und genau da läge eine Chance für die Sozialdemokratie. Sofern diese überhaupt in der Lage ist, den neoliberalen Quatsch über Bord zu werfen, den sie auch heute noch vertritt. Obwohl so viele Bereiche unseres Lebens so stark von ökonomischen Prinzipien beherrscht werden und dies nach den erkennbaren Irrungen und Wirrungen der anhaltenden weltweiten Finanzkrise schon fast pervers ist, soll nach dem Willen der beiden großen Volksparteien (inkl. FDP und Grüne) alles genauso weiterlaufen. Wo steckt die Avantgarde von Politikern und Intellektuellen, deren Ideen uns vor dem spürbar nahen oder zumindest befürchteten Zerfall der demokratischen Gesellschaften bewahren könnten?

Es ist an der Zeit, mit dem ideologischen Schnickschnack libertärer und neoliberaler »Vordenker« abzuräumen. Leider finden die Sozis dafür bisher nicht die Kraft. Ich bezweifle stark, dass dies unter Steinbrück gelingen kann!

Steinbrück, der ungeschickte Taktierer. Taktierer?

Steinbrück wird weiter durch die Gazetten gejagt. Der »Focus« stellt relativ ausführlich die »Verfehlungen« des SPD-Kanzlerkandidaten zusammen. Diese erschrecken den geneigten SPD-Wähler hoffentlich wenig – durchsichtig, wie die meisten der Bericht sind.

Steinbrück ist auch für mich (als SPD-Wähler, der sich dem linken Lager zurechnet) nicht der ideale Kandidat. Aber nicht deshalb, weil er so ungeschickt taktiert, wie »Focus« scheinheilig argumentiert. Gerade das macht ihn für mich persönlich nämlich glaubwürdiger, als das Geschwurbel, das zum Teil von der aktuellen Regierung verbreitet wird.

SPD und Steinbrück: Gernot Hassknecht hat das Szenarium vor zwei Wochen beschrieben

Endlich hat sich die SPD entschieden. Peer Steinbrück heißt also der Kandidat ihres Vertrauens. Viele kommentieren das erst einmal nicht. Sie frotzeln, die SPD habe den Vizekanzler für 2013 bestellt. Hatte man etwas anderes erwartet? Hauptsache, Gabriel ist es nicht, denken wohl viele. Nur aussprechen wollte das auch keiner so richtig.

Gabriel wollte keiner, Steinmeier auch nicht richtig. Blieb doch nur Steinbrück. Die Kommentare, die ich heute dazu gelesen habe, gehen irgendwie alle am Kern vorbei. Der liebe Gernot hat es auf den Punkt gebracht.

Und sie wird solange genauso weiterbestehen, bis die Elenden, die die Agendapolitik auf den Weg gebracht haben, von der Bildfläche verschwunden sind. Vielleicht tut sich die Partei dann ja auch leichter, die von ihren früheren Wählern erwartete Kehrtwende zu vollziehen und nicht herumzueiern und doch nicht zu wissen, wie sie mit ihrer Situation umgehen soll.

Gabriels Hyperaktivität – Will er nicht Kanzler werden?

Gabriels Hyperaktivität während seiner Elternzeit wird manchem in der CDU zu viel.

Ja, und nicht nur in der CDU!

Ich frage mich langsam, ob Gabriel glaubt, mir seinen Aktionen Tiraden seine Chancen auf die Kanzlerkandidatenkür erhöhen zu können oder ob er vielleicht gar keinen Bock auf Kanzler hat.

So dumm ist er doch nicht, dass er glaubt, damit positive Resonanz zu ernten. Dabei geht es mir weniger um die Themen, die er zu besetzen versucht, sondern vielmehr um die Art und Weise, in der er dies tut. Seine Formulierungen und die selbst in Zeitungsartikeln »hörbare« Empörung nervt nur.

Verbrecherische Finanzindustrie: Wir sind doch nur neidisch!

Wolfgang Schäuble (CDU) hat Sigmar Gabriel (SPD) dafür kritisiert, dass er die Finanzindustrie in den Mittelpunkt de SPD-Wahlkampfes stellen will. Der »Spiegel« findet Gabriel mache Stimmung gegen die Banken. Statt also generell die bizarren Angriffe der Finanzwelt auf unser aller Zukunft aufs Korn zu nehmen, halten die Medien Gabriel den üblichen Populismus vor.

In einem Leitartikel der « ZEIT « las ich vor wenigen Wochen: »Europa hat nicht nur ein Finanzproblem. Europa hat auch ein moralisches Problem«. Und dreimal dürft ihr raten, von wem dieses Problem auch nach Meinung des Autors ausgeht?

Elite im Abzocken

Es sind eben nicht »nur« die Staatsschulden, es geht um den moralischen Verfall unserer Eliten und hier zuvorderst der Manager in den Finanzinstituten. Seit 2008 hat die politische Elite im Grunde genommen nichts auf die Beine gestellt, um den vielbeschworenen Primat der Politik zurückzuerlangen. Man könnte glauben, das dunkle Mächte ihre Hände im Spiel haben. Was könnte »die Politik« nur bisher davon abgehalten haben, wirksame Maßnahmen gegen die Finanzindustrie zu beschließen? Ah ja, natürlich. Solche Regelungen lassen sich nur auf internationaler Ebene vereinbaren. Und wenn die anderen nicht wollen, können wir halt auch nichts tun. Wie die Lemminge rennen wir auf den Abgrund zu. Wir wissen das. Auch unsere Politiker. Aber stoppen kann das keiner mehr.  (weiterlesen …)

Welche Assoziationen verbinden wir mit der SPD?

Ich werde in NRW diesmal wieder SPD wählen. Einfach aus »alter Anhänglichkeit« und mangels mir passender Alternativen. Und weil ich finde, dass diese Regierung einen guten Job gemacht hat. Allen anderslautenden Behauptungen zum Trotz. Die Entscheidung macht mir auch Fefe nicht mies, obwohl ich mich fast ein bisschen darüber erschrocken habe. An die Adresse des Autors gerichtet, muss ich sagen: Ist nicht bös gemeint, aber das passt m.E. nicht zur Partei.

Ich finde die ganze Aktion weder nett noch kreativ. Vielleicht muss ich mich jetzt gleich für meine Kritik entschuldigen. Schließlich sind die Eingaben ja wohl gut gemeint. Aber ich finde, unter den wirklich vielen Vorschlägen nur wenig passende Ideen. Ich meine passend zur SPD. Außerdem können solche Aussagen auf die Partei ein falsches Bild werfen. Das Beispiel zeigt das ja.