Finanzmarktregulierungswahlkampf ist eröffnet

Ist ja schon praktisch, wenn man ziemlich genau weiß, dass die eigenen Vorschläge niemals in dem Rahmen umgesetzt werden können, wie man es rechtzeitig zum bevorstehenden Wahlkampf »verlautbart«. Die anderen werden diesen Wahnsinn schon verhindert! Nicht wahr, Frau Merkel!?

Und der Finanzplatz Frankfurt würde, so soufflieren die Bankenverbände, wird unter diesen Maßnahmen sehr leiden. Das Kapital ist doch bekanntlich so ein flüchtiges Reh. Oliver Welke hat vor einiger Zeit mal demonstriert, wie man damit umgehen sollte.

Europa, Foto von Dieter Schütz / pixelio.de

Europa, Foto von Dieter Schütz / pixelio.de

Eine miese “Verkaufe” von Merkels Regierungssprecher, Steffen Seibert

…wunderbar, dass in dieser Phase, in der die europäische Union wirklich kämpfen muss, nicht nur die Eurozone, die ganze EU muss kämpfen um Wettbewerbsfähigkeit, um neue Strukturen, um ein neues miteinander, dass sie in dieser Phase diesen Preis bekommt…

— Regierungssprecher Steffen Seibert
im heute veröffentlichten Video der Regierung »2012 war ein gutes Jahr«.

Wettbewerbsfähigkeit ist für Seibert (auch auf europäischer Ebene) also das erste, wofür zu sorgen ist. Denn wir wissen, ohne die Wirtschaft, die erst die Voraussetzungen dafür schafft, dass wir uns sozialstaatliche Leistungen überhaupt leisten können, geht es nicht. Bla bla bla. Diese Simplifizierung verführte viele dazu, alles (einschließlich des Gesundheitswesens) ökonomischen Prinzipien unterzuordnen. Gut, der FDP ging das alles längst nicht weit genug! Aber das soll jetzt nicht das Thema sein. Dafür haben wir ja die 5% Hürde…

Richtiger wäre es gewesen, wenn auf die einmal als Errungenschaft geltenden Regeln der sozialen Marktwirtschaft verwiesen würde. Oder ist der hiermit verbundene Interessenausgleich nach Meinung der »Mächtigen« so obsolet? Heute herrscht der Turbokapitalismus. Dieses »divide et impera« ist eben so alt, dass es aus der Mode gekommen ist. Egoismus herrscht – an allen »Fronten«. Totalitäre Staatsformen können dessen Effizienz nicht einmal ansatzweise standhalten. (weiterlesen …)

Kersten Schröder / pixelio.de

Kersten Schröder / pixelio.de

Merkels Geschwätz zum Betreuungsgeld: “Das ist ein Gebot der Fairness….”

An ihren Worten sollt ihr sie erkennen! Dazu haben wir gerade mal wieder Gelegenheit.  «Das ist ein Gebot der Fairness». Mit diesem Satz versuchte Merkel gerade eben, die auch koalitionsintern geführte Debatte um das Betreuungsgeld zu beenden.

Ein »Gebot der Fairness« gilt allerdings Pressemeldungen zufolge nicht für die, die das Geld am Nötigsten brauchen. Allerdings passt es ins Bild, dass es an Hartz IV – Empfänger zwar auch ausgezahlt, dann aber wieder vom Hartz IV-Regelsatz abgezogen werden soll. Ähnlich hat man dies bereits beim Kindergeld »geregelt«. Auch zu dieser Regel gab es Proteste. Das hat an der Entscheidung nichts geändert.

Kersten Schröder / pixelio.de

Kersten Schröder / pixelio.de

Die Entscheidung,  Hartz IV – Empfängern kein Betreuungsgeld für ihre Kinder zu geben ist in sich konsistent. Die Regierung kann jetzt damit argumentieren, dass Hartz IV – Empfänger das Betreuungsgeld nicht erhalten. Das ist ja der Personenkreis, der nach Meinung der Gegner des Betreuungsgeldes ohnehin nicht zweckgemäß damit umgehen würde.

Oder lässt diese Finte der Regierung auch andere perverse Schlussfolgerungen zu?

Foto: Kersten Schröder / pixelio.de

ic_Personal

Praxisgebühr künftig bei jedem Arztbesuch?

Vor ein paar Tagen war der Presse zu entnehmen, dass die Politiker angeblich die Praxisgebühr abschaffen wollen. Bestimmt hätten einige der Menschen, denen diese quartalsweise erhobenen Gebühren »weh tun« gejubelt. Aber natürlich war das eine Ente. In Wahrheit steht wohl eher eine Änderung der bisherigen Regelung bevor. Und diese wird teurer für uns Patienten.

Alles andere hätte uns ja auch gewundert. Schließlich kassiert der Staat über diese Sonderabgabe über 2 Milliarden Euro jährlich. Würden die einfach entfallen, müssten -so höre ich es heute im Radio- die Krankenversicherungsbeiträge um 0,x % erhöht werden. Ich glaube, der Wert war 0,2% – aber ich bin nicht sicher. Bei einem monatlichen Krankenversicherungsbeitrag von ca. 300 Euro wären das gerade 0,60 Cent im Monat. Also, die würde ich locker ausgeben, wenn ich dafür keine Scheiß-Praxisgebühr mehr zahlen müsste. (weiterlesen …)

ic_politiker

Das ist wieder typisch Presse

Merkel kommt mit Aufgaben von Brüssel nach Hause. Der Bundestag muss erneut über den Euro-Rettungsfonds abstimmen. Sonst -so die Pressemeldungen- sei Merkel bei der nächsten Sitzung »handlungsunfähig«.

Diese Formulierung insinuiert auf fast dämliche Art und Weise, dass genaue Gegenteil dessen, was erst vor ganz kurzer Zeit von den deutschen Medien lauthals gefordert wurde — nämlich die stärkere Beteiligung des Parlaments an den Entscheidungen von solcher Tragweite.

Jetzt verzögern sich durch diese Tatsache deutsche Entscheidungen und wieder ist es nicht gut.

Hartz IV – Familien und ihre Kinder

Ursula von der Leyen (c) Daniel Bleyenberg, Pixelio.de

Ursula von der Leyen (c) Daniel Bleyenberg, Pixelio.de

Es galt außerdem, zwei Aspekte »sinnvoll« miteinander zu verquicken. Auf der einen Seite waren es die politischen Gegner, die sogleich ihre Chance gegen die Regierung und von der Leyen wahrnehmen wollten. Oppositionsarbeit scheint sich heute mehr und mehr auf die Feststellung zu beschränken, dass es  ja doch alles Mist ist, was die Regierung macht. Substanzielles auf der Seite dieser Schreihälse macht man jedenfalls nicht aus. Die andere Seite repräsentiert die, die mehr unterschwellig zu verstehen geben wollten, dass Hartz IV – Empfänger sich nicht um ihre Kinder sorgen.

Eine feine Mischung und so ausgesprochen angemessen, wenn man bedenkt, welche Probleme wir zu lösen haben.

Ich freue mich ehrlich gesagt darüber, dass die Zahl der Anträge für das Bildungspaket offenbar doch deutlich zugenommen hat. Das heißt nicht, dass ich mit den Änderungen des Gesetzes an sich zufrieden wäre.

via Kölner Stadt-Anzeiger

Zu Guttenberg - Wikipedia Foto von Peter Weis

Kein Freibrief für den Freiherrn

Guttenberg steht weiterhin unter Druck. Ehrlich gesagt, ich auch. Meine Frau steht zu Guttenberg – wie ein Mann. Viele interessiert es einen feuchten Kehricht, dass Guttenberg seinen Doktor auf fragwürdigem Weg gemacht hat. Er ist futsch und nun soll endlich Ruhe im Karton sein!?

Für differenzierte Betrachtungen ist wenig Raum. Viele finden, der Mann habe Wichtigeres zu tun und überhaupt: “Guttenberg ist (wieder) einer, den die Medien fertig machen wollen”. Das ist die eine Seite. Für diesen Teil der Leute ist die Sache längst beendet. “Es nervt nur noch!« Die politischen und gesellschaftlichen Aspekte werden in den Medien zum Glück weiterhin ausführlich beleuchtet. Insofern kann man in diesem Fall sicher sein, dass das letzte Wort im Skandal noch längst nicht gesprochen ist. (weiterlesen …)

Atomare Scheißspiele

Ob im Fall Krümmel oder jetzt im Fall des Atommülllagers Asse, immer wird gleich abgewiegelt. Die festgestellte Häufung von Krebsfällen wird auch dann, wenn sie statistisch signifikant ist, nicht diesen Anlagen zugeschrieben. Kann das wirklich so sein oder wollen die uns verarschen?

Btw: Habt ihr mitgekriegt, dass die Energiekonzerne die von der Regierung beschlossene Brennelemente-Abgabe von der Steuer absetzen können? Darüber haben sich die Ministerpräsidenten beklagt. Das in den Ländern nämlich so dringend benötigte Steueraufkommen wird dadurch so stark reduziert, dass nun von der Regierung nach einem finanziellen Ausgleich gesucht wird. Ich bin sicher, denen wird was einfallen. (weiterlesen …)

Keine Zeit zur Besinnung – nicht mal in der Opposition

Ich war zunächst auch empört über die 5-Euro-Erhöhung mit der schwarz/gelb am Sonntag an die Öffentlichkeit ging. Die Hartz-4er sollen arm bleiben. Keine Lobby, keine Kohle. So einfach funktioniert Politik. Erstaunlich, dass sich der Reflex zur unverzüglichen Empörung bei uns soweit verfestigt hat, dass man sich auch als halbwegs vernunftbegabter Mensch dem Ritual nicht ganz entziehen kann.

Die Wirtschaft brummt, die Arbeitslosenzahlen sinken, selbst die Inlandsnachfrage kommt in Gang (obwohl große Teil unserer Wirtschaft nach wie vor auf ihre Exportchancen setzen und diesen Teil weiterhin sträflich vernachlässigen). Selbst die Währung scheint (jedenfalls vorerst) stabilisiert. Das passiert in schwarz/gelber Regierungsverantwortung. Plötzlich geriert Merkel sich auch noch, vielleicht weniger als führungs-, so doch aber als meinungsstark. Das hatte der Opposition noch gefehlt. Eine Reihe liegengelassener Projekte gewinnen an Fahrt und die Opposition hechelt hinterher.

Jetzt zeigt sich, wie miserabel das Spitzenpersonal der SPD  ist. Gabriels und Nahles’ Tiraden überschlugen sich. Der Zeitpunkt schien günstig, aber die Inhaltsleere der Argumente waren die pure Katastrophe. Es war gerade so, als hätten die Oppositionspolitiker, die sich so überaus kritisch zu den 5 Euro äußerten, gar nicht mitbekommen, welche Aufgabe das Bundesverfassungsgericht der Regierung gestellt hatte. Über die Sachleistungen für Kinder, die nach von der Leyens Erklärung, Bestandteil des Pakets waren, wurde zunächst überhaupt nicht gesprochen. Die 5 Euro, um die der Regelsatz erhöht wird, waren das Thema. (weiterlesen …)

Von ungenutzten Potenzialen und “unbalancierten Persönlichkeiten”

Vielleicht kann man feststellen, dass Bernd Ulrich einen für die “Zeit” ungewöhnlich bösartigen Artikel verfasst hat. Allerdings darf man auch die politische Ortung des Autors nicht ganz außer Acht lassen.

“Ist das nicht irre” ist den Hauptstörenfrieden der Regierungskoalition gewidmet, Horst Seehofer und Guido Westerwelle.

Unbalancierte Persönlichkeiten an der Spitze von traumatisierten Parteien – wenn diese Analyse stimmt, dann genügt es nicht, dass Angela Merkel mehr Führung zeigt und den Irrationalitäten ihrer beiden Koalitionspartner Seehofer und Westerwelle Grenzen setzt. Dann müssen sich auch die beteiligten Parteien aus ihren Zwängen befreien. Und ihre Vorsitzenden genauso.
Quelle: Bundesregierung: Ist das nicht irre? – Seite 3 | Politik | ZEIT ONLINE

Thank you for more than 13,000 clicks on that photo!  Dome of the Reichstag building - La cúpula del Reichstag - Reichstagskuppel Berlin

Foto von Daniela Hartmann, Flickr.

Jemandem, der beiden Parteien nicht so nahe steht, geht das runter wie Öl. Ich hätte mir auf die Schenkel geklopft, aber dieser Leckerbissen bleibt einem angesichts des Wissens um die Probleme, die endlich gelöst werden müssen, dann doch im Hals stecken. Hoffen wir, dass es doch nicht so schlimm um die Führung dieser Parteien steht oder dass es unter ihnen wenigstens genügend fähige und verantwortungsbewusste Leute gibt, die sich der Erschließung solcher “Potenziale” nicht verschreiben (müssen).

Oder will man lieber etwas böser werden: In Deutschland existiert ein bisher ungenutztes politisches Kapital für wutorientierte, populistische Politik, die sich vor allem gegen muslimische Zuwanderer richtet. In vielen Nachbarländern haben entsprechende Parteien schon erheblichen Zuwachs, sie gewinnen an Macht. Die Verführung für die FDP besteht darin, dass rechter Populismus heutzutage nicht mehr reaktionär und dumpf sein muss, sondern durchaus im Gewande der Liberalität daherkommen kann. In den Niederlanden oder in der Schweiz kann man das modellhaft schon sehen. Dort werden Araber und Türken von den Populisten nicht etwa abgelehnt, weil sie rassisch minderwertig wären, sondern weil sie als Religion getarnten Ideologien anhängen, die sich gegen die Emanzipation der Frau und der Schwulen richten.
Quelle: Bundesregierung: Ist das nicht irre? – Seite 2 | Politik | ZEIT ONLINE

Heute ging es zu Beginn im ARD-Presseclub, an dem auch Bernd Ulrich von der “Zeit” teilnahm, um die Aktion so genannter deutscher Unternehmerpersönlichkeiten, die der Öffentlichkeit einmal mehr klar machte, wer in unserem Land die Richtlinien der Politik bestimmt.

Die Frankfurter Rundschau fand: «AKW-Anzeige: Schlecht gemacht und nicht mal gut gemeint | Politik – Frankfurter Rundschau». Die Regierung war “gemeint” und weniger die Atomenergie. Die Wirtschaftsbosse sind von ihrer Wunschkoalition schwer enttäuscht. Wie eigentlich alle. Günter Bannas, FAZ, beschrieb die aktuellen Gründe für das Desaster der Union, deren Zustimmung bei Umfragen nur noch 31% beträgt, und die damit auf dem Niveau der SPD liegt.

Ob es um die Wehrpflicht, die Atomenergie, die Gesundheitsreform oder die Bildungsgutscheine für die Kinder von Hartz IV – Empfängern geht, von politischer Führung ist nichts zu erkennen. Innenminister Thomas de Maizière tut sich schwer auf einem Feld, auf dem sich traditionell konservative Inhalte doch wirklich am besten transportieren ließen: der inneren Sicherheit. Selbst diese zentrale Kompetenz hat sich unter dieser Regierung in Luft aufgelöst. Wahr ist aber auch, dass man angesichts der katastrophalen Zustimmungswerte für die aktuelle Regierung nur ein Jahr zurückgehen muss und vielleicht noch eine Legislaturperiode. Es deutete sich am Ende der Ära Kohl schon an, was unter rot-grüner Regierungsverantwortung und bei der Großen Koalition seine Fortsetzung nahm.

Kann man das Verhältnis von Helmut Kohl zu Franz-Josef Strauß mit dem von Guido Westerwelle zu Horst Seehofer wirklich vergleichen oder sogar aus diesem Vergleich ableiten, dass die alten Kämpen professioneller gewesen wären, als die jetzigen Kontrahenten? Ich glaube, solche Vergleiche werden den heutigen Politikern einfach nicht gerecht. Wir haben es nicht nur mit unterschiedlichen Menschen und Charakteren zu tun, sondern eben auch mit völlig anderen Zeiten. Die Prozesse sind komplexer und erheblich komplizierter als früher. Die Globalisierung lässt grüßen. Auch die Politik muss sich in einem anderen, viel schwierigeren Umfeld behaupten.

Jedes Wort, das heute ein Politiker irgendwo im Lande oder im Ausland fallen lässt, wird schon von irgendeinem Journalisten gehört und medial ausgebeutet werden. Davon ist auszugehen. Früher gab es vielleicht einen Ehrenkodex, der ohne großes Trara eingehalten wurde, und ein Politiker musste nicht fürchten, dass jeder Satz, der vielleicht spontan ausgesprochen wurde, irgendwo sinnentstellt in der Presse wieder auftaucht.

Wir werden immer unzufriedener und schauen begierig auf die Fehler anderer. Das macht uns schnell wütend, weil wir doch davon ausgehen, dass sie, die Politiker, es schon für uns richtigen werden. In der Steigerung unser Unzufriedenheit werden wir immer schneller und immer vollkommener. Die Volkspartien machen es uns nicht mehr recht.

Die Politik(er) – Verdrossenheit nimmt immer weiter zu. Wir nehmen die handelnden Personen nicht mehr für voll, und ich frage mich, ob das wirklich nur an der Leistung der Politikerinnen und Politiker liegt oder nicht auch daran, dass wir unsere schon pathologische (und legendäre deutsche) Unzufriedenheit hegen und pflegen.

Vielleicht haben die neuen Kommunikationsmöglichkeiten ihren Anteil daran, dass wir unsere Meinungsfreiheit viel umfassender wahrnehmen? Könnte aus einen Plus an Demokratie, so würde ich die größere Meinungsfreiheit zunächst bewerten, unter bestimmten Umständen eine Bedrohung werden? Wir neigen wohl dazu, das Kind mit dem Bad auszuschütten. Sind wir nicht oft wirklich zu kritisch?

Der Öffentlichkeit wird signalisiert, dass diese Regierung nichts taugt. Die Medien spielen eine große Rolle. Interessanterweise ist das in diesen Zeiten ziemlich unabhängig davon, welchem politischen Lager das jeweilige Medium zuzurechnen ist. Auch die Plakataktion der Atomenergielobbyisten wird weniger als Demonstration für Atomkraft, sondern vielmehr als allgemeine Kritik an der Leistung der Regierung beschrieben.