Kapitalisten: S. Hofschlaeger / pixelio.de

Kapitalisten: S. Hofschlaeger / pixelio.de

Schwerer Systemfehler: Alles paletti für Goldman Sachs

»Investmentbank«, »Finanzinstitut«. Nicht nur mir fallen andere Begriffe dafür ein — jedenfalls, wenn bestimmte Namen erklingen. Viele dieser »Institutionen« sind durch all ihren Aktivitäten und kriminellen Verstrickungen anders zutreffender zu beschreiben.

Nichtsdestotrotz: Die amerikanischen Behörden haben eingelenkt. Goldman Sachs wird jedenfalls nicht weiter belästigt von der amerikanischen Justiz. Davon können Kleinkriminelle wirklich nur träumen. Solche »Deals« bringen sie mit ihren Anwälten nie zustande. Nicht im Fernsehen und schon gar nicht in der Realität. Der Spruch stimmt also noch heute: die Kleinen werden gehängt, die Großen lässt man laufen.

«Bei unseren Untersuchungen sind wir auf eine Schlangengrube voller Gier, Interessenkonflikten und Missetaten gestoßen»

—  Senator Levin, US-Senatsausschuss zur Aufklärung der Finanzkrise

Tja, da war u.a. die Rede von Goldman Sachs. (weiterlesen …)

Verbrecherische Finanzindustrie: Wir sind doch nur neidisch!

Wolfgang Schäuble (CDU) hat Sigmar Gabriel (SPD) dafür kritisiert, dass er die Finanzindustrie in den Mittelpunkt de SPD-Wahlkampfes stellen will. Der »Spiegel« findet Gabriel mache Stimmung gegen die Banken. Statt also generell die bizarren Angriffe der Finanzwelt auf unser aller Zukunft aufs Korn zu nehmen, halten die Medien Gabriel den üblichen Populismus vor.

In einem Leitartikel der « ZEIT « las ich vor wenigen Wochen: »Europa hat nicht nur ein Finanzproblem. Europa hat auch ein moralisches Problem«. Und dreimal dürft ihr raten, von wem dieses Problem auch nach Meinung des Autors ausgeht?

Elite im Abzocken

Es sind eben nicht »nur« die Staatsschulden, es geht um den moralischen Verfall unserer Eliten und hier zuvorderst der Manager in den Finanzinstituten. Seit 2008 hat die politische Elite im Grunde genommen nichts auf die Beine gestellt, um den vielbeschworenen Primat der Politik zurückzuerlangen. Man könnte glauben, das dunkle Mächte ihre Hände im Spiel haben. Was könnte »die Politik« nur bisher davon abgehalten haben, wirksame Maßnahmen gegen die Finanzindustrie zu beschließen? Ah ja, natürlich. Solche Regelungen lassen sich nur auf internationaler Ebene vereinbaren. Und wenn die anderen nicht wollen, können wir halt auch nichts tun. Wie die Lemminge rennen wir auf den Abgrund zu. Wir wissen das. Auch unsere Politiker. Aber stoppen kann das keiner mehr.  (weiterlesen …)

England: Sollen die Eliten wieder unter sich bleiben?

Jetzt stellt euch nur mal vor, hier bei uns wären die Studiengebühren wie jetzt in England auch um den Faktor 3 erhöht worden. Ich frage mich, ob die Geburtenrate in GB denn so viel besser ist als in Deutschland. So von wegen: «wir tun nix für die Jungen und die sind doch unsere Zukunft». Finanziell wird es den Briten wohl auch nicht besser gehen als uns. Schließlich hat dort die Finanzbranche nicht weniger brutal gewütet als im Rest Europas.

Vielleicht sind die Briten aber auch, ähnlich wie die Amis, bei denen die Studiengebühren ja noch höher sind, auch ein bisschen daran interessiert, dass die Eliten für sich bleiben. Die Regierung nutzt die Chance der schlechten Finanzlage und krempelt die Gesellschaft um. Die da oben bleiben unter sich und der Rest kann sehen, wo er bleibt. Aber vielleicht ist die Begründung ja wirklich »nur« in der Finanzkrise zu sehen und es stecken keine gesellschaftspolitischen Absichten dahinter.

Für manche wird es normal sein, ich finde es widerwärtig!

Der E-Mail-Verkehr innerhalb eines Unternehmens wird vom Geiste der Profession geprägt sein. Aber gehört solcher Zynismus wirklich auch dazu?

»Natürlich haben wir dem Hypothekendesaster nicht ausweichen können. Wir haben Geld verloren, dann aber mehr gewonnen als verloren, weil wir auf fallende Preise gesetzt haben.« Blankfein fügte hinzu: »Also, es ist nicht vorbei. Wer weiß, wie es letzten Endes ausgeht.« Quelle: SEC-Klage: E-Mails belasten Goldman Sachs | FTD.de

Als Goldman an einem Tag 50 Mio. $ verdient hatte, nachdem die Verkaufspositionen angesichts des Kollapses am Hypothekenmarkt an Wert gewannen, schrieb Finanzchef David Viniar in einer Mail: "Das zeigt euch, was mit Leuten passiert, die nicht in großem Stil auf einen Preisverfall gegangen sind." Quelle: SEC-Klage: E-Mails belasten Goldman Sachs | FTD.de

Man muss also nur voll auf den Untergang der Welt setzen, dann kommt man auch zu was.

Wedel hat mich enttäuscht

Seit Tagen hatte ich mich auf den neuen Wedel (»Gier«) gefreut. Neben der tollen Besetzung schien mir Dieter Wedel aufgrund meiner Erfahrungen, ein Garant für tolle Fernsehunterhaltung zu sein. Blöder Fehler!

Sogar die tollen Schauspielerinnen und Schauspieler agierten, jedenfalls meinem Eindruck nach, arg gelangweilt. Vielleicht kam das daher, weil der Stoff aber auch nicht die geringste Überraschung und Spannung bot. Egal, ob man sich das Leben der etwas betuchteren Damen und Herren so vorstellt, wie Wedel es hier zeigte oder ob man dieses dämliche Getue als den miserablen Versuch enttarnte, Klischees zu bedienen, es war einfach nur öde.

Mir ist bewusst, dass es nicht wenige Leute gab (und sicher auch trotz der Erfahrungen der Finanzmarktkrise noch immer gibt), die in ihrer Gier nach Rendite verdammt viel Dummes anstellen, aber mit den Personen des Wedel-Films mochte und konnte ich mich nie identifizieren. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass andere Leute sich in dieser simplen Darstellung irgendwie wiederfinden konnten.

Die unvermeidlich folgende Diskussion bei »Hart aber fair« habe ich danach auch noch größtenteils über mich ergehen lassen. Auch diese bot nicht die geringste Überraschung. Jutta Dittfurth gegen Hans-Olaf Henkel – ein Dauerkonflikt ohne jede Überraschung.

Ich will nicht ausschließen, dass mein Frust mit der Ernüchterung zu tun hat, die sich schon zum Höhepunkt der Finanz- und Wirtschaftskrise (haben wir den überhaupt schon erreicht?) eingestellt hatte. Die Wahrnehmung der meisten Leute ist die, dass alles so weiterlaufen wird, wie es war. Ich will nicht bestreiten, dass allein das Gefühl für den Moment etwas Beruhigendes hat, allerdings kann ich nicht glauben, dass das moderierte »Weiter-So« tatsächlich funktionieren wird. Dafür ist die Höhe der Schulden, die wir allein in Deutschland aufgetürmt haben, einfach zu gigantisch. Und den Politikern glauben wir ja verständlicherweise auch schon länger nichts mehr.

Die Bedenken, dass die Wachstumshörigkeit unserer so genannten Eliten (jedenfalls hören wir von diesen leider wenig Differenzierteres) nicht wirklich Substanz hat, werden mich nicht alleine umtreiben. Umso mehr irritiert und frustriert es, dass nach diesem Desaster, das das kapitalistische System verursacht hat, keine offene Diskussion in Gang kam.

Außer Schimpfen nix gewesen. Dank unserer tollen neuen Regierung werden die Kapitalisten, Banken und Börsen, die unsere Zukunft verspielt haben, nicht einmal mit dem simpelsten  Instrumenten an dem beteiligt, was das gemeine Volk zu schultern hat. Die Einkommenssteuer, wenn sie denn bezahlt wird, einmal ausgenommen.

Der Film, um nochmal zum Ausgangspunkt zurückzukommen, hat Aspekte dieses Wahnsinns weder witzig, noch informativ und nicht einmal spannend wiedergegeben. Von Wedel hatte ich mir sehr viel mehr erhofft. Mal sehen, was der zweite Teil bringt.

Deutsche Staatsverschuldung auch in 2002 schon bei 1,2 Billionen Euro

Interessant an diesem Panorama-Beitrag aus dem Jahr 2002 ist der erwähnte deutsche Schuldenberg, der auch schon damals bei 1,2 Billionen Euro gelegen hat. Die Finanzkrise war zu diesem Zeitpunkt nicht mal in Konturen zu erkennen – außer natürlich für diejenigen, die es immer schon gewusst haben, also so wie 1989 den Fall der Mauer.

Jetzt liegen unsere Schulden bei 1,6 Mio. Die paar Milliarden können uns doch nicht mehr schrecken. Oder?

197941_R_K_B_by_Jutta-Anger_pixelio.de  (Misslogo @ Pixelio)

Von Bock und Gärtner

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Die Welt ist kompliziert, und »sie« kann sich steigern. Daran sollte man nicht zweifeln.  Deshalb sollten wir uns  nicht den Stress antun, alles verstehen zu wollen. Und doch gibt es immer wieder Nachrichten, die einen an den Rand des Verstandes bringen.

Die Finanzkrise bzw. ein »Meilensteine« ihrer Entwicklung liegt jetzt fast ein Jahr zurück. Damals war die »HRE« fast pleite. Wir haben sie gerettet. Sie war systemrelevant – hat man uns erzählt und deshalb gab es keinen Widerspruch. Mehr als 100 Mrd. Euro hat der Steuerzahler bisher zugebuttert. Vielleicht am Ende auch dafür, dass die Aktionäre der Bank, die nun gegen diese klagen, am Ende auf unsere Kosten entschädigt werden. Aber das ist gemessen an dem, was man ansonsten zum »Umgang mit der Krise und ihren Folgen« so feststellen muss, eher eine Petitesse.

Wir hören in diesen Wochen ständig davon, dass Banken ihre Top-Mitarbeiter wieder mit horrenden Boni entlohnen und dies deshalb auch möglich ist, weil sie, die Banken, wieder richtig Kohle verdienen. Nicht alle aber doch immer mehr Banken kommen langsam aus dem Jammertal heraus. An sich ist das eine Nachricht, die man nicht unbedingt skeptisch kommentieren muss.

Dass das dicke Ende für die Arbeitnehmer auch in Deutschland erst noch vor uns liegt, davon ist weniger die Rede. Für den Herbst ist ein starker Anstieg der Arbeitslosenzahlen prognostiziert. Natürlich wird sich das auch prompt im Nachfrageverhalten der Menschen niederschlagen. Die Regierung wird von vielen für das kritisiert, was sie getan und auch unterlassen hat. Die Liberalen mäkeln ständig an den Konjunkturmaßnahmen herum. Inbesondere ist ihnen die Abwrackprämie ein Dorn im Auge, und man kann auch als Privatmann das Argument gut nachvollziehen, dass die aufgrund dieser Subvention vorgezogenen Neuwagenkäufe in den nächsten Jahren schmerzlichst vermisst werden. Was die FDP aber unterlässt, sind eigene Vorschläge, wie man diese beispiellose Krise wirksam bekämpfen könnte.

Sie behauptet allerdings steif und fest, dass man den Leuten etwas zurückgeben müsse, damit die Krise überwunden wird. Da wird von Steuerentlastungen in Milliardenhöhe geredet.  Ganz so, als könne man den Staat (Bund, Länder und Kommunen) einfach mal eben um zweistellige Milliardenbeträge bringen, ohne dass sich das an allen möglichen Stellen auswirkt. Diese Auswirkungen aber würden wir sehr schnell zu spüren bekommen. Und dann möchte ich diejenigen, die dieser FDP heute ihre Stimme geben würden oder sogar im September geben werden, mal hören. Die Kommunen sind aufgrund der Gewerbesteuerausfälle durch die Krise bereits jetzt in einer absoluten Notsituation. Was würde wohl geschehen, wenn über diese zwangsläufigen Auswirkungen der Krise hinaus, nun auch noch andere Einnahmequellen des Staates deutlich geringer »sprudeln« würden?

Ich traue denen nicht über den Weg, die jetzt, gerade vor den Wahlen, von Steuersenkungen sprechen, obwohl wir uns noch in der Krise befinden. Die angeblichen Verbesserungen für die Wirtschaft werden, das erlaube ich mir mal zu weissagen, werden sobald nicht dafür sorgen, dass die Arbeitsplätze sicherer werden und darüber hinaus, dass die Arbeitsbedingungen sich wieder verbessern. Im Gegenteil. Der Markt regelt das und die Zeichen für die Arbeitnehmer stehen definitiv auf Sturm. Die Arbeitgeber sind wieder mal am längeren Hebel.

Wenn die Politik die Banken jetzt gewähren lässt, was wohl zu befürchten ist, dann werden die alten Mechanismen sehr schnell wieder greifen und es wird wohl das Verfahren, das bei dieser beispiellosen Krise angewendet worden ist, zementiert werden. Gewinne werden privatisiert, Verlust dagegen sozialisiert. Hat doch wunderbar funktioniert – jedenfalls bisher.

Ich glaube nicht daran, dass diese Regierung (mit den anderen dieser Welt) etwas am Verhalten der Banker verändern kann. Deren Macht scheint ungebrochen und von Regulierung sieht man außer zaghaften Versuchen, über die noch dazu nur geredet wird, wenig bis gar nichts.

Stattdessen blasen sich diejenigen auf, die von Haus aus auf Deregulierung und freie Märkte stehen und haben noch die Stirn, sich als diejenigen anzupreisen, die Konzepte für Lösungen in Händen halten. Und die (FDP) wird im September gemeinsam mit der CDU die Bundestagswahlen gewinnen und dann schon die Weichen dafür stellen, dass alles so bleibt wie es war wie es für die Wirtschaft am besten ist.

Foto von Misslogo @ Pixelio

Bankenkrise? Die Arschlöcher machen einfach weiter wie vorher

Sorry für die drastische Ausdrucksweise, aber mir schwillt der Kamm, wenn ich sehen muss, dass sich im vielkritisierten Banksektor offenbar überhaupt nichts zu ändern scheint.

Im Gegenteil. Die Hinweise sprechen eher dafür, dass die Kapitalistenärsche nicht nur nicht im Geringsten daran denken, ihre Geldscheffelmentalität kritisch zu überdenken und geschweige denn, sie zu ändern, sondern so weiterzumachen, wie es vorher der Fall gewesen ist. Schaut euch mal den Bericht der Tagesthemen von vorgestern Abend an (ca. ab Minute 6:30).

Es werden weltweit noch viele Menschen ins Elend gestürzt, weil diese Geldaffen ihrer “Profession” gefolgt sind und was geschieht? Die Politik schaut hilflos zu und alles geht seinen Gang. Keiner weiß, wie hoch die Arbeitslosenzahlen im nächsten Jahr um diese Zeit sein werden. Aber mich beruhigen die Daten, die wir aus dem Wirtschaftssektor bekommen, nicht. Gerade ihre Widersprüchlichkeit ist in meinen Augen ausgesprochen besorgniserregend.

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Die Moral ist pleite

An der Diskussion über die Wirtschaftskrise schätze ich ganz besonders die Meinung derer, die in den Mittelpunkt ihrer Argumentation die Behauptung stellen, wir hätten alle über unsere Verhältnisse gelebt. Es wird in diesem Zusammenhang der Hang zur Vermögensumverteilung durch Steuern und Abgaben angeprangert. “Die Politik” muss bequemerweise als Verursacher die Verantwortung tragen.

Persönlich würde ich da schon eher der Meinung von Cicero Chef Weimer zustimmen, der “die Welt der Moralität im Planinsolvenzverfahren” sieht.

Dagegen steht die Haltung des in diesem Fall meist politisch links orientierten Teils der Leute, die in der Krise den Beleg für das Scheitern des Kapitalismus sehen. Dass diese Meinung neben irgendwelchen dubiosen Chancen für die Zukunft, einen Abgesang auf die jetzige Welt enthält, bedenken wohl nicht alle.

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