Gauck-Debatte: Die “Würdigung” des Würdenträgers

Joachim Gauck ist charakterlich nicht im Ansatz in der Lage, das Amt des Bundespräsidenten auszufüllen — noch viel weniger als Christian Wulff.

Quelle: Joachim Gauck: Ein Spalter und egoistischer Selbstdarsteller auf Schloss Bellevue »

Update: Oder wie wäre es mit diesem Kommentar, der eine ganz andere aber nicht weniger abstoßende Note ins Spiel bringt. 

(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.

(2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.

Entspricht das Zitat noch diesen Grundsätzen? Was ist mit dem »Recht der persönliche Ehre«?

Joachim Gauck hat sein Amt noch nicht einmal angetreten. Manche glauben, die Wahl Gaucks stoppen zu müssen. Auch das gehört zu den demokratischen Spielregeln. Vielleicht nehmen die, die nun schon wieder #notmypresident postulieren für sich in Anspruch, all dies in guter demokratischer Tradition zu tun. Vielleicht ist dem so und ich liege mit meinem mulmigen Bauchgefühl völlig daneben.

Aber wenn ich manche Stimme im Internet höre (und es sind ja Stimmen!), baut sich da eine  Aversion gegen den »neuen« Kandidaten auf, über deren Dynamik wir uns angesichts gewisser Erfahrungen später nicht wundern müssen.

Es gibt einige vielgelesene Blogger, die sich nicht lumpen lassen und mutig im Brustton der (eigenen) Überzeugung richtig in die Vollen gehen.  Bei Twitter, bei Facebook und natürlich auch bei Google+ werden Anwürfe, Verdächtigungen, Verschwörungstherorien verbreitet, dass die Schwarte kracht. Ich möchte denen, die sich so leichtfertig äußern empfehlen, sich ein klein wenig mehr Mühe zu geben und Gaucks Aussagen etwas genauer zu betrachten. Viele Anwürfe sind einfach nur lächerlich. Jedenfalls, wenn man seine Aussagen im Zusammenhang lies oder hört. Das gilt für seine Kritik an der Occupy-Bewegung, das Sarrazin-Buch oder auch die Agenda-Politik Schröders. Zudem halte ich es mit Felix Schwenzel. Er meinte in einem Kommentar zu seinem Blog: »ich kann gut damit leben, dass jemand der bundespräsident werden soll andere politische ansichten als ich hat«. Dazu sollten doch alle in der Lage sein – alle Demokraten jedenfalls.

Besserwisserei ist eine Triebfeder unseres Zeitgeistes

Was man über die Brüsseler Beschlüsse im Internet zu lesen kriegt, fasse ich unter der Überschrift: »denn sie glauben, sie wissen wieder alles besser« zusammen.

Ob Kapt’n Ahab aus Schwabing oder -um im politischen Spektrum einigermaßen ausgeglichen zu sein- Jens Berger, Spiegelfechter, oder auch Burkhard Schröder, Burk’s Blog. Alle maulen, nölen rum und halten der Politik schlicht Dumm- und Faulheit vor. (weiterlesen …)

Sebastian Edathy

Im Nullkommanix zur Abmahnung

Seit gestern ist auf den SPD Abgeordnete [W:Sebastian Edathy] ein ordentlicher Shitstorm niedergegangen. Gut, Edathy ist Politiker und die haben ja bekanntlich eine Vorbildfunktion. Nicht wahr?

Warum es so ist, dass sich gerade im Internet viele Leute gern im Ton vergreifen, kann man nur vermuten. Viele denken ja, die gern genutzte und deshalb vehement verteidigte Anonymität könnte im Falle verbaler Entgleisungen vor Konsequenzen schützen.

Das kann bei Edathy natürlich nicht angenommen werden, weil er unter seiner Flagge (seinem Facebook-Profil) gepostet hat. Er beschimpfte einen Kritiker, der eigentlich nur ganz nett eine Frage gestellt hat. Nun, ich habe ich die Frage nicht lesen können. Und klar ist, ausfallend werden – das dürfen nur die anderen. Nämlich die, die anonym unterwegs sind.

Ich weiß das zwar auch, dass man dieses und jenes nicht tut, aber trotzdem übermannt mich manchmal der Ärger über die garstigen Worte, die mir im Lauf der Zeit so entgegen geschlagen sind. Vielleicht liegt die Bereitschaft, mal eben so richtig auf die Kacke zu hauen, auch ein bisschen an der Einsamkeit vor dem Bildschirm. (weiterlesen …)

Schön, ein kleiner, freier Blogger zu sein

Es hat doch seine Vorteile, ein geliebtes aber kleines Blog zu besitzen. Eines, das höchstens mal von einem … Rechtsanwalt heimgesucht wird, weil sich der Blogger einen ähnlichen Patzer erlaubt hatte, wie der Autor eines FAZ-Blogs, der angeblich heute von der Redaktion aus diesem (zumindest vorgegebenen) Grund gelöscht wurde. Auch dieser hatte Fotos veröffentlicht und damit gegen irgendwelche Regeln verstoßen. FAZ-Blogs gelten natürlich als kommerziell. Da gelten für die Verwendung von Fotos noch einmal andere Regeln. Die Sachlage war also ein wenig anders, die Wirkung (vor allem auf den Blogger selbst) aber offenbar ähnlich schlimm.

Es gibt bereits eine große Menge an Reaktionen. Im Moment sieht es so aus, als wäre dieses Blog von der FAZ – Redaktion wegen eines Vorganges gelöscht worden, der für diese konkrete Maßnahme womöglich gar nicht ausschlagend gewesen ist. Es sind viele Spekulationen im Raum. Jedenfalls musste ich schlucken. Blogger, die ihre Texte verfassen (gleich, ob gut, weniger gut oder so durchschnittlich wie meine eigenen) werden über diese wohl in aller Regel selbst bestimmen wollen und für diesen Wunsch der Selbstbestimmung auch klare Worte finden.

Ich habe noch nie darüber nachgedacht und war ehrlich überrascht, dass dies keineswegs der Fall ist, wenn man zum Beispiel für die FAZ bloggt. Man tritt, wie ich es verstanden habe, das Recht an seinen Texten an die Zeitung ab. Gut, man wird dafür bezahlt. Insofern wird das wohl in Ordnung gehen. Aber erwirbt man in einem solchen Fall nicht auch Urheberrechte an einem eigenen Text? Oder tritt man die durch einen etwaigen Vertrag komplett und für immer ab?

Neben dem Bericht des betroffenen Bloggers, lege ich euch zur Lektüre Enno Parks tolle Zusammenfassung im Blog “die ennomane” ans Herz.

Ich bin gespannt wie eine Flitzebogen, ob die Texte nicht doch noch vorhanden sind und was damit weiter geschehen wird. Der Vorgang dürfte auch in den nächsten Tagen noch ein wenig für Unruhe in der Blogsphäre sorgen.

Update: Und das hier klingt ja nach echter Freundschaft und Verbundenheit unter »uns« Bloggern.

Es gibt kein Medium, das auf Dauer so arbeiten könnte, das ein oder andere Gossenorgan und ein paar andere Onlinepostillen mal ausgenommen.
Quelle: Blogs! Buch Blog » Ein paar Fakten und persönliche Worte über das Bloggen bei der FAZ

Querblog im “heute journal”

Ulysses und Martin (vielen Dank!) haben mich per E-Mail darauf aufmerksam gemacht, dass der Querblog gestern Abend im heute journal vorkam. 3sec. aber sehr deutlich. Ich habe “mitgeholfen”, bei “einer Skandalisierung von unten”. Nein, ich war lediglich wachsam, so dass mir eine Textpassage im Interview von dradio mit Horst Köhlers auffiel, die mich wirklich aufgeregt hat und die ich deshalb sofort und etwas unflätig kommentiert habe.

heutejournal

Link zur Sendung (ab Minute 1.01) | Hier der Ausschnitt bei Youtube.

Auch wenn das nicht von Belang ist, einen Rücktritt des Bundespräsidenten wegen seiner Äußerungen bzw. der folgenden Reaktionen hätte nie erwartet, und ich empfinde ihn auch heute noch als völlig überzogen.

Seine Einlassungen allerdings empfinde ich (trotz der vielen anderslautenden Meinungen – auch hier im Blog) heute genauso fragwürdig wie am Samstag, dem 22. Mai, also dem Tag, an dem das Interview bei dradio veröffentlicht wurde. Richtig geärgert bei dieser Geschichte hatte mich übrigens die Feststellung, dass die kritische Passage zunächst aus dem Text wieder herausgenommen worden ist. Auch das ist inzwischen Geschichte.

Es war aus meiner Sicht der falsche Ort, an dem Köhler sein Statement (übrigens ganz ohne Not) abgegeben hat.

Netzgeschreibsel

Dieser Artikel ist mit Abstand das Ekelhafteste was mir in letzter Zeit im Netz begegnet ist. Da kann man ja glatt Sympathie mit Printjournalisten haben, die solches Netzgeschreibsel von Bloggern als qualitativ wertlosen Müll abtun.
Quelle: Tauss, der Kinderschändergucker der Piraten, ist verurteilt – zu recht | Ruhrbarone

Was sich da bei den Ruhrbaronen in Sachen Tauss, der übrigens heute aus der Piratenpartei ausgetreten ist (gebührt ihm dafür Respekt?), abspielt, ist interessant und weckt vermutlich nicht nur bei mir zwiespältige Gefühle. Einerseits hasse ich Vorverurteilungen, andererseits halte ich die Reaktionen, die einige Leser dort abgeladen haben, für ebenso kritisch. Es geht um Standpunkte zu einem kritischen Thema. Dass sich ausgerechnet die, die sich doch sonst so vehement auf die Meinungsfreiheit im Netz berufen, nun weit über das Ziel hinausschießen, ist bezeichnend. Bezeichnend für eine immer mehr verlorengehende Streitkultur in Deutschland. (weiterlesen …)

Plugins, Blogparaden und andere Blogsachen

Hoffentlich kommt das jetzt nicht falsch rüber, aber im Moment kommt es mir so vor, dass wir uns in unseren Blogs (wieder?) ganz überwiegend mit uns selbst beschäftigen. So geht es derzeit z.B. um die schlechtesten Filme aller Zeiten, um Fotos von verlassenen Häusern, um ein Plugin hier, ein Theme da oder wie man zu einem Performancegewinn des eigenen Blogs gelangt.

Das ist ja auch alles schön und gut und das Schreiben darüber macht Spaß. Das weiß ich aus eigener Erfahrung. Ich bekenne, dass ich mich solange ich blogge (und das sind immerhin 6 Jahre) kaum einmal an einer Blogparade, einem Blogstöckchen oder ähnlichem beteiligt habe. Es soll nicht so klingen, dass ich darauf stolz wäre. Es ist auch nicht so, dass mich die behandelten Themen überhaupt nicht interessieren würden, aber wir drehen uns meiner Meinung nach entschieden zu viel um uns selbst. Blogger unter sich.

Als wir mit dem Bloggen anfingen, hatten wir, jedenfalls wohl die meisten von uns, eine mehr oder weniger klare Vorstellung davon, welche Themen wir behandeln wollen bzw. wollten. Oder wir haben einfach angefangen und wollten mal sehen, was so abging. Bei mir war das so und vielleicht deshalb ist mein Blog so etwas wie ein Gemischtwarenladen.

Ich schreibe über die Themen, die mich interessieren und nerve meiner Leser(innen) mit dem, was ich glaube, an Senf dazugeben zu müssen. Das Bloggen ist also gewissermaßen auch eine Art Ventil für den Frust, den ich so im Alltag aufzubauen in der Lage bin. So hatte ich mir das vor 6 Jahren vorgestellt. Die Realität sieht allerdings ein bisschen anders aus.

Entweder langweile ich meine Leser(innen) durch den Stil meiner Beiträge, oder ich provoziere sie. Auch das passiert gelegentlich. Gerade in der Anfangszeit gab es Phasen, in denen wiederum mein Frust über die Reaktionen des geneigten Publikums relativ groß war. So nebenbei ist mir auch klar, dass das eine oder andere offene Wort über politische oder gesellschaftliche Missstände für mein Ansehen nicht zwingend förderlich sein muss. Andererseits erfahre ich aber auch, wie wenig Leute, beispielsweise in meiner Firma, überhaupt wissen, was Blogs sind. Einige wissen, dass ich blogge und lesen hier und da auch mal mit. Aber im Großen und Ganzen interessieren sich die Kolleginnen und Kollegen nicht dafür, was ein Kollege so schreibt. Natürlich liegt auch das an den behandelten Themen und auch daran, ob das, was ich da absondere, irgendeinen Mehrwert für den Leser bietet. Und das auch dann, wenn man den Autor persönlich kennt und vielleicht deshalb einfach mal “gucken” will.

Nach 6 Jahren kann ich behaupten, dass ich mir treu geblieben bin und mich nicht auf spezielle, vielleicht gefälligere Themen verlegt habe. Auf solche eben, die weniger Konfliktpotenzial besitzen. Deshalb habe ich die Spezialisierung auf ein Thema nicht hinbekommen. Ich blogge immer noch über Sachen, die mich an- oder aufregen und zu denen ich den Drang verspüre, die begrenzte Öffentlichkeit mit meiner Meinung malträtieren zu müssen. Natürlich kommt man so ins Gespräch. Und das ist am Ende auch der Grund dafür, warum ich überhaupt blogge.

Stubbe und das Zeitungssterben

Stubbes Tochter arbeitet für eine Zeitung in Hamburg und ist mit ihrem Job nicht zufrieden. Sie ignoriert auch schon mal gern die Ansagen ihres Chefs oder interpretiert seine Aufträge um.

Sie hatte den Auftrag, ein Portrait über eine Boutiquenbesitzerin zu schreiben. Sie war mit dem Kollegen Fotografen vor Ort und bekam mit, wie herablassend diese sich gegenüber einer Kundin benahm. Sie sah in ihr eine Hartz-IV-Empfängerin, die in ihrer Boutique nichts verloren habe. Gelungener Griff ins Klischeeklo? Der hat sie’s dann (via “Portrait”) aber so richtig gegeben… Dann kam, was kommen musste.

Sie sollte sich bei der Frau Boutiquenbesitzerin entschuldigen. Andernfalls drohte ein Rauswurf. Natürlich musste sich Stubbe (der übrigens in dieser Folge doch tatsächlich Sex im Hallenbad hatte) auch aus dem Kurzurlaub um die Tochter kümmern. Er riet ihr, sich zu entschuldigen. Sie habe ja Journalismus gerade zur Zeit des großen Zeitungssterbens studieren müssen.

Aber wenn du nicht über deinen Schatten springen und dich bei der wichtigen Werbekundin der Zeitung nicht entschuldigen willst, kannst du ja wieder bloggen.

Demnach sind die Alternativen: Idealistischer Journalist mit Hang zum Investigativen immer knapp vor dem Rauswurf oder Blogger für immer…