Negerküsse

Negerküsse

Kampf mit “Sprachwattebäuschen”

Ich kann Jan Fleischhauers Spiegel Kolumne “Auf dem Weg zur Trottelsprache” zum Umgang mit “Sprachwatte” etwas abgewinnen — allerdings auch der Replik im Blog “Mädchenmannschaft”. Sie hat meine Sympathien teilweise jedoch verloren, weil die Autorin gegen Fleischhauer unangemessen persönlich wird. Aber das gehört gerade im Internet ja wohl unausweichlich dazu. Gewöhnen kann ich mich daran nicht. Ein Blick in die Leserkommentare zu beiden Artikeln macht manchem vielleicht noch deutlicher, was ich damit meine.

Ich glaube, verbale Grabenkämpfe, wie zum Beispiel die hier zur Debatte stehenden, sind bezeichnend für die Gegenwart – insbesondere im virtuellen Raum. Dass diese ihre Spuren in unserem realen Leben hinterlassen, ist wohl nicht von der Hand zu weisen. Es sind nicht die Argumente, die befremden. Es ist vielmehr die Form, in der die gegenseitigen Vorhaltungen vorgebracht werden. Dabei handelt es sich gerade in diesem Fall doch um die Benutzung von Sprache.

Sprache ändert sich stetig. Bestimmt nicht nur die deutsche. Wir reden seit den 90er Jahren von Globalisierung. Weshalb sollte sich gerade die Sprache dieser Entwicklung widersetzen können? Unsere Sprache unterliegt einem ständigen Veränderungs- und Erweiterungsprozess. Der in beiden Artikeln erwähnte “Sprachpapst” Wolf Schneider kämpft seit Jahren gegen die Verwendung von Anglizismen in der deutschen Sprache. Offenbar ist sein Kampf verloren. Oder habt ihr einen anderen Eindruck? Wurde in Deutschland, Österreich oder der Schweiz der Einfluss des Englischen gestoppt oder auch nur minimal zurückgedrängt? Ich habe nicht den Eindruck.

Persönlich mag ich es nicht, wenn Personalabteilungen “Department of Human Resources” genannt oder MitarbeiterInnen als “Human Resources” betrachtet werden. Allerdings muss zugeben, dass mein Vorbehalt daher rührt, dass ich kein Englisch kann. Wahrscheinlich finde ich es deshalb daneben, Menschen als Ressource zu bezeichnen. Ein Missverständnis, mit dem ich leben muss.

Liegt es nicht allein in der Verantwortung der Autoren und zuständigen Leute in den Verlagen, Begriffe auszutauschen, wenn sie das für richtig halten? Was ist das für eine Öffentlichkeit, die solche Vorgänge zum Politikum hochstilisiert?

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Herzlichen Dank.

Horst Schulte

Das Internet bietet mir die Möglichkeit, die ganze Welt (jedenfalls die deutschsprachige) mit meiner Meinung zu beglücken. Die Chance kann ich mir nicht entgehen lassen.

6 Antworten

  1. Ich kann englisch und fiinde “Human Resources” auch völlig daneben. Da hilft auch eine relativierende Erklärung der Ökonomen nicht (die sahen sich vor Jahren dazu genötigt, den Begriff so zu erklären, wie er aus Ökonomensicht gemeint ist – ich finde aber den Link gerade nicht). ;-)

    Ich verstehe aber bei Worten wie “Negerkuß” die Aufregung nicht – ich für meinen Teil denke dabei (um bei diesem Beispiel zu bleiben) eher an eine Schoko-Schaumspeise… die politisch-korrekten “maximalpigmentierte mit oder mit ohne Migrationshintergrund” fallen mir dabei nicht ein. Hat übrigens in dieser Diskussion schon mal jemand gemerkt, daß man die weißen und schwarzen Negerküsse nicht voneinander unterscheiden kann, wenn man die Schokolade abknabbert? Da sind nämlich alle gleich – man könnte also auch anhand von Negerküssen schön anschaulich erklären, daß nur die inneren Werte zählen. :-P

  2. Sven sagt:

    Ich habe es aufgegeben bei den Sprachdiskussionen mit zu diskutieren. Am Ende steht man(n) meist als Arsch da. Ich verwende die Sprache einfach so, wie ich es gelernt habe und drücke allen die Daumen, dass sie irgendwann glücklich sind.

  3. Benjamin sagt:

    Nach Lesen des Eintrags und der Kommentare fühle ich mich mit meiner Meinung nicht mehr ganz so alleine im Netz. Danke dafür.

  4. Horst Schulte sagt:

    @Broken Spirits: Für mich müssten die Begriffe auch nicht geändert werden. Und wenn, sollte man darum nicht einen solchen Bohei machen.

    @Sven: Es ist schon bezeichnend für unsere Zeit, wie erbittert über harmlose Begriffe gestritten wird.

    @Benjamin: Schön, dass wir gemeinsam der Meinung sind, dass es wohl Wichtigeres gibt, mit dem wir uns auseinandersetzen sollten. :-)

  5. blogZicke sagt:

    Ich kann auch noch etwas Englisch aus der Schule ;-) aber ich finde in DEUTSCHLAND sollte man DEUTSCH sprechen und schreiben. Auch heißt bei mir der Negerkuss weiterhin so.

  6. Horst Schulte sagt:

    @blockZicke: Ich halte das auch nicht anders. Die neuen Bezeichnungen klingen in meinen Ohren einfach lächerlich.

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