
Polizeifahrzeug - Foto von Thomas Siepmann / Pixelio.de
Wählen gehen wir nicht mehr. Denunzieren ist ja auch schöner.
Bestimmt erinnert ihr euch noch an die allgemeinen, nicht unberechtigten aber auch vorschnellen und hartherzigen Forderungen, Oberbürgermeister Adolf Sauerland, nach der Katastrophe bei der Loveparade aus dem Amt zu jagen.
Da waren wir »alle« dabei. Inzwischen hat Duisburg einen neuen OB. Die Stichwahl hatte eine noch geringe Wahlbeteiligung als dem 1. Wahlgang. Jetzt lag Duisburg wohl bei unter 30%. Beschämend ist dafür ein zu schwaches Wort! Es wird immer schlimmer, unsere Missachtung für das, was uns doch mal so wichtig gewesen ist.
Wir können aber auch ganz anders. Und das dann wieder mit größter Begeisterung. Wenn es zum Beispiel darum geht, anderen Leuten ein Beinchen zu stellen. Sagen wir als Tippgeber für die, die uns – natürlich nicht grundlos – unverschämt abzocken wollen. Daran sind wir zwar gewöhnt. Aber dass es soweit geht, ist schon ein starkes Stück. Da nennen viele BürgerInnen ganz freiwillig geeignete Standorte für Radarfallen. Orte direkt in unserer Nähe, aus dem unmittelbaren Lebensumfeld. Nicht etwa, um der Polizei bei ihrer Arbeit zu helfen, sondern deshalb, weil uns die Raser hier an unserer Straße ganz besonders gefährden ärgern. Denen muss man es mal zeigen. Das ist der richtige Tonfall, die richtige Begründung für die freundliche Unterstützung der Behörden.
Die Gesetzeshüter wählten nach Angaben des NRW-Innenministeriums die Stellen aus 15 000 „Wutpunkten“ aus, die per Email oder Telefon vorgeschlagen wurden.
Quelle: Fokus
Ja, die »Wutbürger« vergeben also nun »Wutpunkte«. Das sorgt bestimmt für die weitere gedeihliche Entwicklung unserer Gesellschaft. Sowas stärkt ungemein die Solidarität unter den Menschen. Es lebe das Denunziantentum!
Diesen Leuten, die mit 40 durch unsere 30er Zone rasen, wollen wir mal richtig einen mitgeben. So was liegt den Deutschen. Da ist uns keine Mühe zu groß. Aber wählen, nee wählen gehen wir nicht. Die hören ja doch nicht auf uns. Es sei denn, der Innenminister des Landes wendet in geradezu hilfesuchender Form an uns. Dann zeigen wir, was in uns steckt.
Nee, nee. Ich hab kein Ticket bekommen. Bin schön vorsichtig gefahren und hab nicht mal einen Polizisten gesehen. Und ich hab schon genau geguckt.
Polizeifahrzeug – Foto von Thomas Siepmann / Pixelio.de