Religion heute: Von Kinderfickern und Penisverstümmlern

Nun nimmt sich also die deutsche Politik der Beschneidungsproblematik an. Das war zu erwarten. Schließlich erklärten Vertreter der jüdischen Gemeinde, dass das zugrundeliegende Gerichtsurteil der »schwerste Angriff auf jüdisches Leben seit dem Holocaust« sei. Eine Nummer kleiner hatten sie es nicht.

Es war zu erwarten, dass »die deutsche Politik« für ihre »Intervention« schlechte Kritiken bekommt. Schließlich ist Religion so was von out, dass man den Grad gar nicht mehr auszudrücken vermag.

Wenn Mitglieder der katholischen Kirche ungestraft als »Kinderficker« bezeichnet werden, kann man Juden und Muslimen natürlich auch das Herumschnippeln am Schnippel als archaische Unsitte vorhalten und selbiges am besten gleich untersagen. Nur die eigenen Argumente zählen. Tradition passt nicht zu  modern moralisierenden Vorstellungen des freien Internettums – der neuen Weltreligion.  All die, die ihre Werte – vollkommen beliebig – selbst stricken, kennen da gar nix.

Ich finde es total cool, wenn Leute ihre moralische Erhabenheit in geradezu schlafwandlerischer Selbstsicherheit dazu nutzen, uns verunsicherten armen Seelen, die wir uns immer noch nicht endgültig von den monotheistischen Weltreligionen lösen konnten, in absolut unmissverständlicher Weise klar zu machen, wie weit hinterm Mond wir sind. 

Einen zweiten Aspekt halte ich noch für erwähnenswert: Was wäre wohl in Deutschland los, wenn die Beschneidung lediglich im Islam und nicht auch im Judentum seit ewigen Zeiten üblich wäre? Das könnten wir dann alle schön bei PI nachlesen. Die geben sich schon jetzt Mühe, diese »Gemeinsamkeit« zu übersehen – und das nicht ganz erfolglos. Der Unterschied zur Rest-Blogossphäre ist, dass ich dort längst an gewisse Argumente gewöhnt bin.

aktualisiert: 10.09.2012 → Dieser Artikel wurde bisher 3182 mal aufgerufen

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