Es kann das liebste Kind nicht in Frieden spielen, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt
Der Staat stellt nicht genügend Kita-Plätze zur Verfügung. So heißt es. Politiker behaupten das Gegenteil. Angesichts dieser Ausgangslage könnten wir eigentlich froh darüber sein, dass es Tagesmütter als Alternative zu diesen Einrichtungen gibt. So viel zu Theorie.
Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.
— Friedrich Schiller
Heute entschied der Bundesgerichtshof darüber, dass Kinderlärm der alleinstehenden Nachbarin nicht zugemutet werden kann. Er bestätigte das Urteil des Kölner Landgerichtes. Die Entscheidung gilt jedoch nicht als Grundsatzentscheidung des Bundesgerichtshofes.
Kinderlärm – ein echter Dauerbrenner in Deutschland. In diesem Fall hat eine Frau in ihrer Mietwohnung mehrere Kinder als Tagesmutter betreut. Das gefiel einer direkt unter der Wohnung in einer Eigentumswohnung lebenden Nachbarin nicht. Sie wollte ihre Ruhe haben. Die Nachbarn mit etwas weiterem Abstand zur Wohnung der Tagesmutter hatten dagegen keine Einwände.
Sofort ist wieder die Rede von den »kinderunfreundlichen« Deutschen. Bei mir löst die Geschichte unterschiedliche Gefühle aus. So praktisch die Tagesmutter-Lösung aus Sicht der Tagesmutter selbst und auch aus Sicht der Eltern ist, die ihre Kinder in ihre Obhut geben können, so sehr habe ich doch Verständnis für die Leute, die direkt unter der betreffenden Wohnung leben. Insofern war dies eine wirklich schwierige Entscheidung. Im Endeffekt wird sie denen Wasser auf die Mühlen geben, die unser Land für durchweg kinderunfreundlich halten. Wir lernen allerdings an vielen Beispielen, wie es um unsere allgemeine Toleranzbereitschaft steht. Sobald wir nämlich selbst betroffen sind oder uns auch nur betroffen fühlen, gehen wir auf die Barrikaden. Ich sage nur »Verspargelung der Landschaft«, Alternativenergien und Straßenbau. Diese Liste ließe sich ohne viel Aufwand verlängern.
In frage mich, ob Menschen in anderen Ländern, die in einer solchen Konstellation leben, wirklich so viel toleranter sind. In dieser Fragestellung verwirrt mich auch die Tatsache, dass in Ländern, die als besonders kinderfreundlich gelten (Spanien und Italien) die Geburtenrate inzwischen niedriger ist als hier in Deutschland.