Deutsche Nationalmannschaft 1912 (Quelle: Wikipedia)

Deutsche Nationalmannschaft 1912 (Quelle: Wikipedia)

Die stummen Münder der deutschen Nationalmannschaft

Ich muss zugeben, dass ich es schöner gefunden hätte, wenn alle deutschen Nationalspieler das Deutschlandlied mitgesungen hätten. Ich Einfallspinsel dachte schon beim ersten Auftritt bei der EM (warum eigentlich erst da?), dass angesichts der stummen Münder vielleicht Beschwerden eingehen könnten. So von wegen Multi-Kulti und so. In den einschlägigen Blogs war das leider längst Thema.

Hätten alle mitgesungen, hätten wir wenigstens das Endspiel der EM erreicht! Jawoll! So denken viele. Richtig? Die Italiener haben es uns vorgemacht. Ähm, jedenfalls fast. 

Um ein Spiel hätte kaum jemand Notiz von diesem Mangel an patriotischem Bewusstsein in unserer Mannschaft genommen. Es kamen zwar hier und da ein paar kritische Anmerkungen dazu,  aber die hat man geflissentlich ignoriert. Dann kam die Niederlage gegen Italien und alles war anders. Die Mannschaft hatte plötzlich keinen Biss, die Mannschaft konnte nicht gewinnen (obwohl sie seit 15 Spielen nicht verloren hatte) und Löw hatte auf einmal falsche Personalentscheidungen getroffen – obwohl wir doch die stärkste Ersatzbank ever hatten. Das waren die markigsten Worte zur Zustandsbeschreibung der deutschen Fußball-Nationalmannschaft.

Aber inzwischen hat »man« die bedeutendste Ursache für unser Ausscheiden im Halbfinale gefunden: Wer nicht singt, verliert. Griffig und blöd, blöd aber griffig.

Deutsche Nationalmannschaft 1912 (Quelle: Wikipedia)

Deutsche Nationalmannschaft 1912 (Quelle: Wikipedia)

Es geht aber nicht ums Mitsingen der Hymne. Ich behaupte, viele von denen, die aus ihrem Herzen keine Mördergrube machen, stört die ethnische Zusammensetzung der Nationalmannschaft und die Chuzpe, dass der Teil der Mannschaft an dieser exponierten Stelle ihre Verbundenheit mit dem Deutschen vermissen lässt. Dass sie das so nie sagen würden, ist allerdings selbstverständlich. Soweit geht der Sinn für das »politisch Inkorrekte« dann doch (noch) nicht.

Anfang der 90er Jahre spielten wir schlecht. Eine Folge der vielen ausländischen Spieler, die innerhalb der Bundesliga deutschen Spielern aus qualitativen und wohl auch aus finanziellen Gründen vorgezogen wurden. Das war der Startschuss zu einer neuen Qualität der Jugendarbeit im deutschen Fußball. Wenn ich mich richtig entsinne, hatte an dieser Einsicht der so ungeliebte ehemalige Bundestrainer Berti Vogts maßgeblichen Anteil. Und das Resultat ist nun, dass sich unter den tollen Ausnahmefußballern, die dieses Land heute hervorbringt, viele Einwandererkinder befinden. Und die wollen tragischerweise aber die Nationalhymne nicht mitsingen. Waren deshalb die Anstrengungen seit Anfang der 90er Jahre vergebens?

Zu viele Migranten auf der Mattscheibe – ausgerechnet beim deutschen Volkssport Nummer 1! Das passt wohl vielen nicht! Nach der Niederlage ist ihre Stunde gekommen. Glauben sie. Weil wir das proklamierte Ziel der Europameisterschaft im Fußball nicht erreicht haben, soll also jetzt wieder gesungen werden. Dann klappts auch mit den Meisterschaften?! Vielleicht hätten sich die Leute, die nun mit diesem Unfug an die Öffentlichkeit gehen, nicht getraut, wenn die Mannschaft »wenigstens« ins Endspiel gekommen wäre. Nun ist sie aber im Halbfinale ausgeschieden, und alle hacken auf ihr rum. Da kann man wunderbar – um im Bild zu bleiben – nachtreten. Was meint dieser schreckliche Wagner eigentlich mit »einer Stunde Deutschunterricht« ? Sehr subtil.

Hoffentlich kommt mir jetzt keiner mit fehlendem Patriotismus. 

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