
Alles im Lot
Was wollt ihr dann?
Für die Bundesrepublik bedeutet diese Debatte die Begegnung mit Paradoxien, die älteren Hegemonialmächten wie den USA schon lange vertraut sind. Etwa: Wenn man sich zurückhält, »wird man seiner Verantwortung nicht gerecht«, wenn man aber die angeblich gewünschte Führung aufbringt (zum Beispiel mit dem Versuch, in Europa eine neue »Stabilitätskultur« durchzusetzen, ist das rücksichtslose Machtpolitik.
Es fällt auch auf, dass die eingeforderte Führung einen eigentümlich braven, um nicht zu sagen: gehorsamen Charakter hat. Die Deutschen sollen ja nicht etwa tun, was sie selbst, sondern was die anderen von ihnen wollen. Man sucht eigentlich keinen Anführer, sondern einen gutmütigen, treuherzigen Riesen, stark und lenkbar, eine Art europapolitischen heiligen Christophorus, der die immer schwerer werdende EU auf seinem breiten Rücken durch den Strom der Krise schleppt. Führung und Gefolgschaft sehen sich da zum Verwechseln ähnlich.
— Jan Ross, ZEIT
Wenn man sich zudem ansieht, wie massiv sowohl die Forderungen als auch die Vorhaltungen der internationalen Koalition gegen den Kurs unserer Regierung ist, kann man mit Merkel schon Mitleid bekommen.
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