Im Internet weiß jeder alles – vor allem besser.
Wäre ja noch schöner, wenn wir uns von alten Journalisten, die erwiesenermaßen ja keine Ahnung vom Internet haben, das Netz vermiesen ließen. Die kennen ja nicht mal den Unterschied zwischen »Tweet und Twitter«. Das geht gar nicht.
In meinen Augen ist es nicht zeitgemäß, eine Unterscheidung zwischen Journalismus und Onlinejournalismus zu treffen. In beiden »Kategorien« finden sich gute und schlechte Journalisten – jedenfalls meiner Meinung nach. Kürzlich wurde ich von einem (nicht unbekannten) Online-Redakteur dazu aufgefordert, einen Link von »seinem« Artikel zu entfernen. Er möchte nicht mit dem Inhalt des von mir verfassten Artikel im Internet in Verbindung gebracht werden. Seinem Wunsch habe ich sofort entsprochen. Der scheint das Internet irgendwie noch nicht ganz verstanden zu haben.
Peter Schumachers Auseinandersetzung mit dem »Bescheidwisser-Buch« von [W:Wolf Schneider] und [W:Paul-Josef Raue] empfinde ich deshalb als ungerecht, weil er – wie die Autoren – am mangelnden Verständnis der anderen Seite herummäkelt. Ja, vielleicht ist der Ton im kritisierten Buch unangemessen (»Bescheidwisser-Ton«). Schumacher geht nicht darauf ein, dass die von Schneider und Raue angesprochene Überforderung der Internet-Nutzer real existiert. Das Internet wird nicht nur von jungen, netzaffinen Menschen genutzt. Außerdem habe ich meine Zweifel, ob diese Gruppe junger Nutzer ihren vermeintlichen Informationsvorsprung wirklich sinnvoll verwendet. Der Lernbedarf ist immer noch enorm hoch, und er wird vielleicht auch noch längere Zeit fortbestehen.
Jeder, der Wolf Schneider ein bisschen kennt, weiß natürlich, was Schumacher meint. Der Mann ist wie er ist, und ich persönlich finde ihn (meistens) gut und sehr inspirierend. Den Autoren wegen der Tonalität des Buches quasi die Eignung als Kritiker des Internets abzusprechen, ist frech – auch wenn das im Internet natürlich prächtig ankommt.
Wer hat die Kompetenz?
Viele reden weiter davon, dass die Leute sich die Kompetenzen im Umgang mit dem Internet aneignen müssen. Wir kommen langsam voran – manche vielleicht auch etwas schneller. Aber hält unser Lernfortschritt mit der Entwicklung des Netzes stand? Ich sehe Risiken, weil viel zu viele Leute mit «Informationen« ihre Meinung bilden, die oft selbst nur »Meinung« sind und diese – angereichert wiederum durch eigene Meinung – weitergeben und vervielfältigen. Vielleicht gelten solche Gefahren für junge Leute weniger als für ältere. Junge Leute entwickeln, will ich hoffen, ein natürliches Verständnis für die Tücken und Fallstricke des Internets. Aber an dieser Hoffnung kann man auch zweifeln. Es schadet nach meiner Überzeugung nicht, wenn immer wieder auch darauf hingewiesen wird, dass »Information« nicht unkritisch »konsumiert« werden dürfen und dass die Ansprüche an die Klugheit der Nutzer des Webs viel höher sind, als viele das wahrhaben wollen.

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