Kein Freibrief für den Freiherrn
Guttenberg steht weiterhin unter Druck. Ehrlich gesagt, ich auch. Meine Frau steht zu Guttenberg – wie ein Mann. Viele interessiert es einen feuchten Kehricht, dass Guttenberg seinen Doktor auf fragwürdigem Weg gemacht hat. Er ist futsch und nun soll endlich Ruhe im Karton sein!?
Für differenzierte Betrachtungen ist wenig Raum. Viele finden, der Mann habe Wichtigeres zu tun und überhaupt: “Guttenberg ist (wieder) einer, den die Medien fertig machen wollen”. Das ist die eine Seite. Für diesen Teil der Leute ist die Sache längst beendet. “Es nervt nur noch!« Die politischen und gesellschaftlichen Aspekte werden in den Medien zum Glück weiterhin ausführlich beleuchtet. Insofern kann man in diesem Fall sicher sein, dass das letzte Wort im Skandal noch längst nicht gesprochen ist.
Es wurde spät damit begonnen, die bisherigen Leistungen Guttenbergs auf den Prüfstand zu stellen. Es beginnt mit seiner Position als Wirtschaftsminister zum Fall “Opel” und reicht bis zur Bewertung der noch nicht einmal gestarteten Bundeswehrreform. Der Öffentlichkeit werden dazu aber schon schwere handwerkliche Fehler aufgetischt, freilich ohne dabei ganz konkret zu werden.
Der Fall Guttenberg eignet sich durch seine Intensivität gut zu Demonstrationszwecken. Wir bekommen auf unseren Logenplätzen vorgeführt, wie Öffentliche Meinung gemacht wird. Dichte und Dauer der Berichterstattung ist für meine Begriffe ungewöhnlich. Aber gibt sie uns auch die Möglichkeit, uns aufgrund der vielen, auch gegenläufigen Informationen, ein Gesamtbild zu verschaffen, das uns in die Lage versetzt, unser Urteil zu bilden? Widerstehen wir den Manipulationsversuchen, die in diesem Fall insbesondere der Springer-Presse unterstellt werden? Ich empfinde den Fall Guttenberg jedenfalls als einen »geglückten« Manipulationsversuch erster Güte.
Bei Twitter las ich den Hinweis (Das #Guttenbergkomplott: Spannende Story und gar nicht lustig) zu einen Blogeintrag bei »Zeit«-Online: Das Guttenbergkomplott | ZEIT ONLINE Oh, wir haben es also mit einem »Guttenbergkomplott« zu tun? Der Artikel liest sich interessant. Am Ende dann steht mein Urteil: Verschwörungstheoretiker der Welt vereinigt euch!
Dass im Artikel auf das Wiki »Mein Parteibuch« verwiesen wird, spricht in diesem Zusammenhang in meinen Augen für sich. Wenn wir in Deutschland was von Elite lesen, werden wir gleich misstrauisch. Vor allem wir, auf der linken Seite des politischen Spektrums. Wenn dann auch noch transatlantische Beziehungen und dazu passende Begriffe wie »Think Tanks« vorkommen, ist es ganz aus. Höchst verdächtig. So ein Mumpitz!
Die, denen ein Begriff wie »Elite« vielleicht unheimlich ist oder denen deren Einfluss auf unser Land unerwünscht scheint sollten sich fragen, welchen Leuten sie denn sonst die Verantwortung für unser Land sonst zutrauen. Damit ich nicht falsch verstanden werden: Ich rede keinem Freibrief für Freiherrn das Wort. Guttenberg muss zurücktreten.