Das Gejammer über nicht beachtete Menschenrechte klingt mir wie ein Tinnitus im Ohr
Wir loben und ehren Liu Xiaobo, einen chinesischen Mann, der unter Einsatz seines Lebens für Menschenrechte eintritt. Dieser Friedensnobelpreis gibt uns den Glauben daran zurück, dass der Preis doch seinen Sinn hat.
Wie vereinbaren wir das aber damit, dass die millionenfache Unterdrückung und Ausbeutung chinesischer Arbeiterinnen und Arbeiter sowie der dortigen Umwelt von unseren kapitalistischen Leuchtfeuerträgern betrieben wird? Haben die großen Wirtschaftsmächte, allesamt aus demokratische Staaten, übersehen, dass ihr wirtschaftliches Engagement im Reich der Mitte zur Entwicklung und Stabilisierung eines Systems beigetragen haben, das sie doch vorgeblich abgelehnt und gekämpft haben?
Selbstverständlich haben sie das nicht! Die Politik hat den Wünschen der Kapitalisten entsprochen und die Weichen dafür gestellt, dass viele Wirtschaftszweige ihr “Engagement” in lukrative neue Regionen (Märkte) verlagern konnten. Wir wussten und ignorierten es, dass humanitäre und ökologische Aspekte dabei keine Rolle spielten, wenn uns auch durch “Experten” andere Entwicklungsmöglichkeiten vorgegaukelt wurden. Es ging immer nur um wirtschaftliche Interessen.
Von dieser Expansionspolitik, das bekommt man prompt als Argument entgegengeschleudert, hätten ja schließlich hier auch alle profitiert. Die Verlierer der Globalisierung lassen grüßen!
Die wohlfeilen Appelle mancher Politiker bei ihren Besuchen in China, die wiederum in erster Linie wirtschaftlichen Interessen dienten, haben die chinesische Führung nie wirklich beeindruckt. Das Gejammer über nicht beachtete Menschenrechte klingt mir wie ein Tinnitus im Ohr.
Ich erinnere an das Klagen vieler Medien und Politiker, als der Dalai Lama von Merkel empfangen wurde und der voraussehbare chinesische Protest negative wirtschaftliche Konsequenzen prophezeite. Nun loben und preisen die gleichen Leute die Weitsicht des Nobelpreiskomitees und die Chinesen attackieren Norwegen, weil aus ihrer Sicht ein “Krimineller” den Preis erhalten habe. Xiaobo wurde erst im Dezember 2009 zu 11 Jahren Gefängnis verurteilt. Begründung: „Untergrabung der Staatsgewalt“.
Liu Xiaobo wird die Medien einige Tage beschäftigen und sein tapferer Widerstand wird zum Zeitpunkt der Preisüberreichung erneut für einige Tage überall präsent sein. Vielleicht sorgt die Verschleppung seiner Ehefrau Liu Xia über einen gewissen Zeitraum dafür, dass es nicht wieder schnell sehr still wird um den Preisträger und um sein Anliegen.
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