Das Volk bloggt, die Partei blockt
Ein weiteres Beispiel für den Einfluss chinesischer Blogger auf die dortige öffentliche Meinung gibt es heute im Kölner Stadt-Anzeiger zu lesen. Leider gibt es diesen Artikel nicht in der Online-Version. Natürlich haben andere deutsche Medien den Fall ebenfalls aufgegriffen. Es wird schon seit Wochen darüber berichtet.
Den Beitragstitel habe ich dem Artikel im Kölner Stadt-Anzeiger entliehen. Es ist interessant zu lesen, wie in China trotz des staatlichen Informationsmonopols und der einigermaßen wirkungsvoll in Szene gesetzten Überwachungstechniken- und Methoden längst eine kritische Gegenöffentlichkeit entstanden ist, an deren Entstehung nicht zuletzt die dortige Blogsphäre einen großen Anteil hat.
Zunächst versuchte die chinesische Regierung diesen Fall, wie andere vor ihm, nach eigenem Gusto und in einer Art abzuhandeln, wie wir es schon häufiger gehört und gelesen haben. Deng Yujiao hatte in Notwehr einen Regierungsbeamten erstochen. Dieser hatte versucht, sie zu vergewaltigen. Dem Polizeibericht war zu entnehmen, dass in der Handtasche Psychopharmaka gefunden worden sei. Mit dieser Meldung wurde eine Verdächtige gleich in eine bestimmte Ecke gesteckt. Der Zwischenfall ereignete sich in der kleinen Stadt Enshi. Natürlich wussten die Einwohner, dass viele der dortigen Badehäuser als Bordell betrieben wurden. Vermutlich erregte diese Tatsache das Misstrauen an der offiziellen Regierungsversion. Private Recherchen ergaben eine detailliertere Beschreibung des Tathergangs und so nahm die Geschichte ihren Lauf.
Zunächst hatte die Regierung drei Wochen lang versucht, die Geschichte klein zu halten. Die junge Frau wurde inzwischen wieder aus dem Gefängnis entlassen. Ihr hätte, ohne die Intervention der Öffentlichkeit, die Todesstrafe gedroht. Nun wird sie vermutlich wegen Totschlag angeklagt, und es wird bezweifelt, dass ihr ein fairer Prozess bevorsteht. Auch diese »Einsicht« der Regierung wird im Internet von chinesischen Bloggern kritisch kommentiert. »Je mehr Aufmerksamkeit die Medien einem Fall schenken, umso rationaler bleibt das zuständige Gericht.« Das Urteil werde aus »einer Kombination aus gründlichen Überlegungen zu den legalen und sozialen Auswirkungen« bestehen.
Ein Blogger fragt:
Ist es jetzt also offizielle Politik, dass man nur eine Chance auf Gerechtigkeit hat, wenn man prominent ist und die Regierung Angst vor Protest hat?
So unbekannt kommt uns diese Methode ja auch nicht vor, wenngleich ich natürlich damit keinen Vergleich zwischen China und Deutschland anstellen will. Aber die Wirkungsweise ist auch in demokratischen Staaten, natürlich unter ganz anderen Vorzeichen, doch gar nicht so unähnlich.
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