Hans-Jochen Vogel fragt, ob die ARD 150 Jahre alt wird

Einer muss das doch mal sagen. Vogel (SPD) tut es:

“Wer weiß, ob die ARD überhaupt 150 Jahre alt wird.”
Quelle: 150 Jahre SPD: Vogel stänkert gegen Moderatorin – Politik | STERN.DE

Das müsste die Leute, die mit dem ör Rundfunk so ihre Probleme haben sehr erfreuen. Der alte Vogel zeigt mal ein bisschen von dem, was Politiker auch tun könnten, wenn sie Charakter haben. Nämlich einfach mal verbal zurückschlagen, wenn ein Reporter ihnen blöde Fragen stellt.

Wir brauchen keine Tagesschau mehr?

Ich wäre geneigt, hinter die Frage zwei Fragezeichen zu setzen. Aber das tut man ja nicht. Im Tagesschaublog hat sich Chef Gniffke des Zwiegespräches angenommen, das die Grandseigneure Ulrich Wickert und Claus Kleber in der Printversion der »Zeit« über die Nachrichtenlage, besser die Situation der Nachrichtensendungen bei ARD und ZDF, miteinander geführt haben. Dabei kamen die beiden Herren, ich habe verstanden übereinstimmend, zum Schluss, dass das Konzept der heutigen Tagesschau ein Auslaufmodell sei. Claus Kleber vertrat die Auffassung, dass sich dieses Konzept überlebt habe und dass das Internet solche Sendungen überflüssig mache. Ist ja auch ungeheuer populär!

Im Gegenteil, so lange ich Verantwortung in diesem Laden trage, bleibt die Tagesschau eine Sprecher-Sendung, weil ich sicher bin, dass die Menschen die knackige Viertelstunde um 20 Uhr schätzen, ohne Emotionalisierung und lange Interviews. Knack und Back sagen, was aus unserer Sicht heute für dieses Land von Bedeutung war. Das ist Tagesschau. (Dr. Kai Gniffke)
Quelle: Kleber, Wickert und die Tagesschau | blog.tagesschau.de

Dazu kann ich nur applaudieren und hoffen, dass Herr Gniffke noch möglichst lange an seinem Platz aushalten wird. Im Internet lese ich immer häufiger, dass die Medien in Deutschland gleichgeschaltet seien und dass nichts Kritisches geschrieben bzw. gesendet würde. Was für ein ausgemachter Blödsinn! Als wie bedrohlich könnten sich solche Legenden für unsere Staatsform künftig wohl erweisen? Erst waren es die Politiker, die nichts taugen, obwohl sie doch bekanntlich aus unseren Reihen stammen und von uns in freien Wahlen gewählt wurden, nun sind es die gebührenfinanzierten öffentlich-rechtlichen Sender. Morgen sind es die übrigen Medien, die uns erklären, dass sie nun mit ihren Produkten Geld verdienen müssen.

Die so genannten »Zwangsgebühren«, gern nach Schönenborns Aussetzer als Demokratieabgabe verhohnepipelt, zahle ich gerne — gerade auch für Sendungen wie »Tagesschau«, »Tagesthemen«, »Heute« oder dem »Heute Journal«. Ein Vergleich mit den News-Sendungen der meisten Privatsender kann doch eigentlich zu gar keinem anderen Schluss führen. Aber vielleicht schauen die Leute, die so vehement gegen die GEZ-Sender hetzen, ja gar kein Fernsehen mehr und beziehen ihre Informationen nur noch aus dem Internet. Gibt es wohl alles.

Darunter werden sich künftig dann allerdings keine Websites von ARD, ZDF oder ihren Ablegern befinden. Wenn man den Kritikern glauben darf, fallen ja außer den Angeboten der öffentlich-rechtlichen Sender im Internet auch andere Medien durchs Raster. Das beginnt mit der »B*ld«-Zeitung und endet mit »FAZ« und »Zeit«. Einige beziehen ihre Nachrichten im deutschprachige Ausland. Sie ziehen die Lektüre der »NZZ« jedem deutschen Qualitätsprodukt vor. Kann man ja zum Glück alles tun.

Kurz vor dem Endspiel: Allen gehts gut

Das sind die gleichen Lebenslügen, mit denen linke Parteien seit Jahrzehnten scheitern: sozialromantische Vollversorgungsfantasien, in denen der Laden nur läuft, solange ein anderer die Zeche zahlt.
Quelle: Katrin Albsteiger: Hört auf zu jammern! – SPIEGEL ONLINE

Wenn dem so ist, muss sich die amtierende Bundesregierung die Frage gefallen lassen, weshalb sie an den Verhältnissen immer dann, wenn sie Regierungsverantwortung trug, wenig bis gar nichts geändert hat, so dass viele Bundesbürger den Eindruck haben, es mache keinen großen Unterschied, welche Volkspartei man wählt.

Obwohl es um wichtige Themen geht, wirkt die Debatte, die der »Spiegel« anzettelt, konstruiert. Das ist in Wahlkampfzeiten keine Besonderheit.

Schaut man auf die Entwicklung des DAX und der Ifo-Geschäftsklimaindex könnte man wirklich auf die Idee kommen, es ginge uns gut. Zumal auch die GFK von uns Verbrauchern Positives zu vermelden weiß.

Gut, nicht allen. Bisschen Schwund ist immer. Sagt wohl auch Frau Albsteiger, wenn sie das gelesen hat. Freuen wir uns heute stattdessen darüber, dass es nur noch einen Tag bis zum großen Endspiel dauert und dass uns aus England die Nachricht erreicht, dass Deutschland das beliebteste Land auf der Welt ist. Die (BBC) wollen uns doch verarschen!

Verarschen kann ich mich allein

Ich weiß nicht, ob Wolfgang Michals Kommentar noch als Ironie durchgeht oder nicht eher die sehr bitter klingende Abrechnung mit dem Aktionismus der »alten Säcke« ist, die nicht begriffen haben, dass ihr krachender Zusammenstoß mit dem Eisberg ihren Untergang schon besiegelt hat.

Ich zitiere mal nur das PS seines Artikels:

P.S. Von den Auflagenverlusten des Focus (-22 Prozent in den letzten 5 Jahren) und der Bildzeitung (-24 Prozent in den letzten 5 Jahren) soll hier aus Respekt vor den Revolutionären nicht die Rede sein.
Quelle: Die Revolution der alten Säcke — Carta

Drei Springer – “Aupairs” in Kalifornien

Das Interview, das das Handelsblatt mit Kai Diekmann, Chefredakteur B*ld-Zeitung, geführt hat, ist bestimmt interessant.

Das Foto von Kai Diekmann, das den Handelsblatt-Artikel schmückt, fiel mir sofort ins Auge. Ich konnte nicht glauben, dass das Diekmann ist. Was so’n Bart und Kontaktlinsen ausmachen! Sollte ich vielleicht auch mal probieren.

Persönlich fand ich Martin Weigerts Schilderung seines Treffens mit den Springer-Größen im schönen Kalifornien ansprechender und sogar etwas informativer als die im Handelsblatt-Artikel zur Sprache kommenden Hinweise zur Motivation der Zeitreise. Wahrscheinlich sollte ich die 0,99 Cent für den Download ausgeben? Mache ich vielleicht auch noch.

Martin Weigert erzählt vom Widerspruch, den er empfand, als er auf Christoph Keese, den Cheflobbiysten Springers in Sachen Leistungsschutzrecht, Kai Diekmann und Peter Würtenberger traf. Dieser 3. Manager, der mit den beiden anderen eine Art von Wohngemeinschaft in San Francisco führt, ist der Springer-Marketingchef. Fast ein Jahr dauert die »Auszeit« bereits. Da kann man wohl viel lernen.

Und, was gelernt?

Das Leistungsschutzrecht wird wohl bleiben. Aber zum einen ist es bemerkenswert, dass der Konzern drei wichtige Leute für relativ lange Zeit in die Sonne Kaliforniens abkommandiert. Es war wohl ein Ziel dieser Studienreise, den Konzern vor Fehlern zu bewahren, die vor dem Hintergrund der durch das Internet vonstatten gehenden Veränderungen vielleicht schon längst gemacht wurden.

Martin Weigert wundert sich verständlicherweise darüber, dass man auf der einen Seite so begeistert von den Möglichkeiten des Internets sein kann und auf der anderen Seite eben diese Entwicklung per LSR nachdrücklich bekämpft. Keine Ahnung, ob man das Vorgehen Springers dabei als Kampf um den »eigenen Machterhalt« oder um einen Existenzkampf bezeichnen sollte. Beides unterscheidet sich an der Stelle nicht grundlegend von einander.

Es geht um viele Existenzen und natürlich um massive finanzielle Interessen. Ich glaube nicht, dass man unter diesen Voraussetzungen, wie Martin Weigert hofft, zu neuen Einsichten kommen wird. Deutschland und Europa gehen in dieser Hinsicht vielleicht andere Wege. Die »örtliche und mentale Distanz von deutschen Kontroll- und Regulierungsbedürfnissen« von 3 Leuten des Springer – Konzern wird daran wohl nicht viel ändern. Ich weiß auch gar nicht, ob das so sehr wünschenswert wäre.

Deutsche Bank: Unheimlich oder unerhört?

Diesen ZDF-Beitrag sollte man gesehen haben. Es geht um die Bank der »Deutschen«. Wahrscheinlich ist sie im Moment ähnlich beliebt wie Deutschland in der EU.

Ich hatte bisher mit der Deutschen Bank nichts zu tun. Das könnte sich ändern. Wenn nämlich all die Prozesse gegen die Deutsche Bank am Ende dazu führen, dass dieses Flagschiff deutschen Unternehmertums ins Strudeln gerät, haben wir Steuerzahler da zu sein, um es mit unserem Geld aufzufangen. Die Bank gewinnt immer?! Alle Deutschen wären dann Shareholder dieses feinen Bankhauses. Das hätte uns noch gefehlt!

Nur mit unserer Unterstützung wird Josef Ackermann vorausschauend wie er war, sein damals ausgegebenes Renditeziel von 25 % auch weiter erreichen.

Bei all der Aufregung über Ackermanns damals ausgegebene »Losung« 25% Eigenkapitalrendite erwirtschaften zu müssen (auch zum Preis von Entlassungen) haben wir übersehen, dass diesem Ziel  noch ganz andere Prinzipien untergeordnet werden mussten. Schön, wenn man weiß, dass am Ende die Allgemeinheit den Preis zahlen darf.

50 Jahre “Kanzlermappe”

Diese Arbeit brauchte sich eigentlich niemand zu machen. Jedenfalls, wenn das alles stimmen würde, was man im Internet so über die »gleichgeschalteten deutschen Medien« liest. Abgesehen von den Kosten, die dieser Dienst wohl in den letzten 50 Jahren »verschlungen« hat.

Natalie Horler - By Dirk Hilger - www.dirkhilger.com [CC-BY-SA-3.0]

Natalie Horler - By Dirk Hilger - www.dirkhilger.com [CC-BY-SA-3.0]

Merkel, die ARD oder das doofe Lied?

Wie wir uns wieder aufregen! Dabei ging es doch nur um ein Lied. Ein nicht so Gutes, sag ich mal. Wir landeten beim ESC nach dem 1. Platz im vorvorletzten und dem 10. Platz im vorletzten in diesem Jahr auf dem 21. Platz. 26 Finalteilnehmer gab es.

Im »Blätterwald« klingt es so, als gebe es dafür keine Entschuldigung. Ergo ging gleich die Suche los.  Verlierer suchen gern Schuldige. Insofern unterscheidet sich der ESC nicht sonderlich von Spielen der deutschen Fußballnationalmannschaft. Wie bekloppt, wenn man überlegt, dass Nationalbewusstsein im vereinten Europa aber so was von out zu sein hätte.

Für manche hatte Merkel schuld, weil ihre Regierung Europa soviel zumutet und sich die Europäer mit ihrem ESC-Voting an Deutschland rächen konnte. Andere sahen wieder einen Grund, die öffentlich-rechtlichen Sender zu bashen.

»Die ARD ohne Raab? Das konnte ja nix geben. …Weil, der Raab…, der ist ja so was von kreativ. Und diese GEZ-Eintreiber können es ja einfach nicht.« 

Laut WAZ hat Deutschland sich beim ESC ordentlich blamiert und die ARD lieferte dazu eine »billige Ausrede«:

Thomas Schreiber hatte gesagt: »Es gibt sicher auch eine politische Lage. Ich will nicht sagen »18 Punkte für Angela Merkel«. Aber man muss eben auch sehen, da stand nicht nur Cascada, sondern da stand auch Deutschland auf der Bühne.«

Kein Mensch hat sich blamiert, auch nicht Deutschland. Wir waren mit einem Lied am Start, das von der so genannten »ARD-Jury« (bestehend aus Tim Bendzko, Roman Lob, Anna Loos, Mary Roos und Peter Urban) nach Malmö geschickt wurde. Ja, und die haben natürlich alle keine Ahnung von Musik. Stattdessen hätte »das Publikum«, so hieß es, es besser gefunden, diese schrecklichen Bayern-Bläser (ja, ich habe den Vorentscheid gesehen und leider auch gehört!) nach Schweden zu schicken. Ein Stück von der gleichen Klasse wie »Wadde hadde dudde da?« oder »Guildo hat euch lieb«. Aber von Raab, dem Kreativsten von allen — jedenfalls wenn man manchen Journalisten folgt.

Kriegt euch einfach alle mal wieder ein. Vielleicht gelingt uns mal wieder ein Treffer beim ESC. Zweimal hat es immerhin schon geklappt – bei 58 Anläufen. Und irgendwann in den nächsten Jahrzehnten wird die Euro-Krise ja auch vorbei sein. Dann haben wir auch wieder Chancen. Wenn es die EU und den ESC dann noch gibt.

Schutz vor Entführung: Ein Kind wie ein Fahrrad mit einer Eisenkette an den Baum gefunden

Eben habe ich ein Foto gesehen, das mich richtig erschüttert hat. Es zeigt einen kleinen chinesischen Jungen, vielleicht zwei Jahre alt, der mit einer Fußfessel an einen Baum angebunden ist. Die Kette hat einige Meter Länge. Das Foto scheint in irgendeiner chinesischen Großstadt entstanden zu sein. In dem Zeitungsbeitrag, in dem das Foto abgebildet war, wurde erklärt, dass der Vater den Jungen deshalb an den Baum angekettet hat, damit er nicht entführt werden kann. Er hat niemanden, der tagsüber auf das Kind aufpassen könnte – während er seiner Arbeit nachgeht.

Da muss ich wieder daran denken, wie privilegiert meine Kindheit und die der meisten meiner Freunde und Bekannten war. Dafür müssen wir unseren Eltern ewig dankbar sein. Und wirtschaftlich gesehen waren das damals auch nicht gerade rosige Zeiten (50er Jahre).