Verarschen kann ich mich allein

Ich weiß nicht, ob Wolfgang Michals Kommentar noch als Ironie durchgeht oder nicht eher die sehr bitter klingende Abrechnung mit dem Aktionismus der »alten Säcke« ist, die nicht begriffen haben, dass ihr krachender Zusammenstoß mit dem Eisberg ihren Untergang schon besiegelt hat.

Ich zitiere mal nur das PS seines Artikels:

P.S. Von den Auflagenverlusten des Focus (-22 Prozent in den letzten 5 Jahren) und der Bildzeitung (-24 Prozent in den letzten 5 Jahren) soll hier aus Respekt vor den Revolutionären nicht die Rede sein.
Quelle: Die Revolution der alten Säcke — Carta

Drei Springer – “Aupairs” in Kalifornien

Das Interview, das das Handelsblatt mit Kai Diekmann, Chefredakteur B*ld-Zeitung, geführt hat, ist bestimmt interessant.

Das Foto von Kai Diekmann, das den Handelsblatt-Artikel schmückt, fiel mir sofort ins Auge. Ich konnte nicht glauben, dass das Diekmann ist. Was so’n Bart und Kontaktlinsen ausmachen! Sollte ich vielleicht auch mal probieren.

Persönlich fand ich Martin Weigerts Schilderung seines Treffens mit den Springer-Größen im schönen Kalifornien ansprechender und sogar etwas informativer als die im Handelsblatt-Artikel zur Sprache kommenden Hinweise zur Motivation der Zeitreise. Wahrscheinlich sollte ich die 0,99 Cent für den Download ausgeben? Mache ich vielleicht auch noch.

Martin Weigert erzählt vom Widerspruch, den er empfand, als er auf Christoph Keese, den Cheflobbiysten Springers in Sachen Leistungsschutzrecht, Kai Diekmann und Peter Würtenberger traf. Dieser 3. Manager, der mit den beiden anderen eine Art von Wohngemeinschaft in San Francisco führt, ist der Springer-Marketingchef. Fast ein Jahr dauert die »Auszeit« bereits. Da kann man wohl viel lernen.

Und, was gelernt?

Das Leistungsschutzrecht wird wohl bleiben. Aber zum einen ist es bemerkenswert, dass der Konzern drei wichtige Leute für relativ lange Zeit in die Sonne Kaliforniens abkommandiert. Es war wohl ein Ziel dieser Studienreise, den Konzern vor Fehlern zu bewahren, die vor dem Hintergrund der durch das Internet vonstatten gehenden Veränderungen vielleicht schon längst gemacht wurden.

Martin Weigert wundert sich verständlicherweise darüber, dass man auf der einen Seite so begeistert von den Möglichkeiten des Internets sein kann und auf der anderen Seite eben diese Entwicklung per LSR nachdrücklich bekämpft. Keine Ahnung, ob man das Vorgehen Springers dabei als Kampf um den »eigenen Machterhalt« oder um einen Existenzkampf bezeichnen sollte. Beides unterscheidet sich an der Stelle nicht grundlegend von einander.

Es geht um viele Existenzen und natürlich um massive finanzielle Interessen. Ich glaube nicht, dass man unter diesen Voraussetzungen, wie Martin Weigert hofft, zu neuen Einsichten kommen wird. Deutschland und Europa gehen in dieser Hinsicht vielleicht andere Wege. Die »örtliche und mentale Distanz von deutschen Kontroll- und Regulierungsbedürfnissen« von 3 Leuten des Springer – Konzern wird daran wohl nicht viel ändern. Ich weiß auch gar nicht, ob das so sehr wünschenswert wäre.

Deutsche Bank: Unheimlich oder unerhört?

Diesen ZDF-Beitrag sollte man gesehen haben. Es geht um die Bank der »Deutschen«. Wahrscheinlich ist sie im Moment ähnlich beliebt wie Deutschland in der EU.

Ich hatte bisher mit der Deutschen Bank nichts zu tun. Das könnte sich ändern. Wenn nämlich all die Prozesse gegen die Deutsche Bank am Ende dazu führen, dass dieses Flagschiff deutschen Unternehmertums ins Strudeln gerät, haben wir Steuerzahler da zu sein, um es mit unserem Geld aufzufangen. Die Bank gewinnt immer?! Alle Deutschen wären dann Shareholder dieses feinen Bankhauses. Das hätte uns noch gefehlt!

Nur mit unserer Unterstützung wird Josef Ackermann vorausschauend wie er war, sein damals ausgegebenes Renditeziel von 25 % auch weiter erreichen.

Bei all der Aufregung über Ackermanns damals ausgegebene »Losung« 25% Eigenkapitalrendite erwirtschaften zu müssen (auch zum Preis von Entlassungen) haben wir übersehen, dass diesem Ziel  noch ganz andere Prinzipien untergeordnet werden mussten. Schön, wenn man weiß, dass am Ende die Allgemeinheit den Preis zahlen darf.

50 Jahre “Kanzlermappe”

Diese Arbeit brauchte sich eigentlich niemand zu machen. Jedenfalls, wenn das alles stimmen würde, was man im Internet so über die »gleichgeschalteten deutschen Medien« liest. Abgesehen von den Kosten, die dieser Dienst wohl in den letzten 50 Jahren »verschlungen« hat.

Natalie Horler - By Dirk Hilger - www.dirkhilger.com [CC-BY-SA-3.0]

Natalie Horler - By Dirk Hilger - www.dirkhilger.com [CC-BY-SA-3.0]

Merkel, die ARD oder das doofe Lied?

Wie wir uns wieder aufregen! Dabei ging es doch nur um ein Lied. Ein nicht so Gutes, sag ich mal. Wir landeten beim ESC nach dem 1. Platz im vorvorletzten und dem 10. Platz im vorletzten in diesem Jahr auf dem 21. Platz. 26 Finalteilnehmer gab es.

Im »Blätterwald« klingt es so, als gebe es dafür keine Entschuldigung. Ergo ging gleich die Suche los.  Verlierer suchen gern Schuldige. Insofern unterscheidet sich der ESC nicht sonderlich von Spielen der deutschen Fußballnationalmannschaft. Wie bekloppt, wenn man überlegt, dass Nationalbewusstsein im vereinten Europa aber so was von out zu sein hätte.

Für manche hatte Merkel schuld, weil ihre Regierung Europa soviel zumutet und sich die Europäer mit ihrem ESC-Voting an Deutschland rächen konnte. Andere sahen wieder einen Grund, die öffentlich-rechtlichen Sender zu bashen.

»Die ARD ohne Raab? Das konnte ja nix geben. …Weil, der Raab…, der ist ja so was von kreativ. Und diese GEZ-Eintreiber können es ja einfach nicht.« 

Laut WAZ hat Deutschland sich beim ESC ordentlich blamiert und die ARD lieferte dazu eine »billige Ausrede«:

Thomas Schreiber hatte gesagt: »Es gibt sicher auch eine politische Lage. Ich will nicht sagen »18 Punkte für Angela Merkel«. Aber man muss eben auch sehen, da stand nicht nur Cascada, sondern da stand auch Deutschland auf der Bühne.«

Kein Mensch hat sich blamiert, auch nicht Deutschland. Wir waren mit einem Lied am Start, das von der so genannten »ARD-Jury« (bestehend aus Tim Bendzko, Roman Lob, Anna Loos, Mary Roos und Peter Urban) nach Malmö geschickt wurde. Ja, und die haben natürlich alle keine Ahnung von Musik. Stattdessen hätte »das Publikum«, so hieß es, es besser gefunden, diese schrecklichen Bayern-Bläser (ja, ich habe den Vorentscheid gesehen und leider auch gehört!) nach Schweden zu schicken. Ein Stück von der gleichen Klasse wie »Wadde hadde dudde da?« oder »Guildo hat euch lieb«. Aber von Raab, dem Kreativsten von allen — jedenfalls wenn man manchen Journalisten folgt.

Kriegt euch einfach alle mal wieder ein. Vielleicht gelingt uns mal wieder ein Treffer beim ESC. Zweimal hat es immerhin schon geklappt – bei 58 Anläufen. Und irgendwann in den nächsten Jahrzehnten wird die Euro-Krise ja auch vorbei sein. Dann haben wir auch wieder Chancen. Wenn es die EU und den ESC dann noch gibt.

Schutz vor Entführung: Ein Kind wie ein Fahrrad mit einer Eisenkette an den Baum gefunden

Eben habe ich ein Foto gesehen, das mich richtig erschüttert hat. Es zeigt einen kleinen chinesischen Jungen, vielleicht zwei Jahre alt, der mit einer Fußfessel an einen Baum angebunden ist. Die Kette hat einige Meter Länge. Das Foto scheint in irgendeiner chinesischen Großstadt entstanden zu sein. In dem Zeitungsbeitrag, in dem das Foto abgebildet war, wurde erklärt, dass der Vater den Jungen deshalb an den Baum angekettet hat, damit er nicht entführt werden kann. Er hat niemanden, der tagsüber auf das Kind aufpassen könnte – während er seiner Arbeit nachgeht.

Da muss ich wieder daran denken, wie privilegiert meine Kindheit und die der meisten meiner Freunde und Bekannten war. Dafür müssen wir unseren Eltern ewig dankbar sein. Und wirtschaftlich gesehen waren das damals auch nicht gerade rosige Zeiten (50er Jahre).

Amazon Reportage

Amazon Reportage

Was haben Amazon und die GEZ – Gebühren gemeinsam?

Von der Reportage des Hessischen Rundfunks über die Behandlung von Leiharbeitern bei Amazon hört man nichts mehr. Der letzte Stand ist, dass der HR seinerseits eine einstweilige Verfügung gegen die Firma erwirkt hat, die groß in die Öffentlichkeit hinausposaunt hatte, ihrerseits eine solche gegen den HR  erwirkt zu haben. Die Reportage kann man sich im Internet ansehen. Es wird behauptet, dass einige Passagen gekürzt wären. Interessant, ich habe nämlich keine Quelle finden gefunden, die das bestätigen würde. Ich bleib dran und schreibe auch noch einmal an den HR.

Jetzt wird erstmals gestreikt — bei Amazon. Das kann niemand wegkommentieren. Und die Gründe dafür schon gar nicht. Ich sehe das Verhalten des Konzern in einer Linie mit den Aussagen der Reportage des hessischen Rundfunks.

Aber natürlich gibt es andere Stimmen:

Die journalistische Glaubwürdigkeit des Hessischen Rundfunks bekam diese Woche erneut einen Dämpfer“, so der Kreisanzeiger aus Bad Hersfeld.

Erneut? Anfang Mai gab es von »DWN« die  «Information«, der HR habe sich erneut eine Einstweilige Verfügung eingehandelt. Diese kam laut »DWN« vom ehemaligen Amazon-Wachdienst, der sich dagegen zur Wehr gesetzt hat, pauschal als rechtsextremistische Organisation bezeichnet zu werden.

Manche Medien/Blogger scheinen sich mit Vorliebe an öffentlich-rechtlichen Sendern abzuarbeiten. Da greift man auch mal auf Informationen zurück, die ein [sic?] Journalist, im konkreten Fall des Kreisanzeiger Bad Hersfeld, veröffentlicht hat. Muss man das glauben? Mir reichen die wenigen Informationsquellen nicht aus, um mir ein schlüssiges Bild zu machen. Ich wäre der Erste, der Abbitte leistet, wenn sich herausstellt, dass bei der Amazon-Reportage des hessischen Rundfunks etwas nicht mit rechten Dingen zugegangen ist. Ich hoffe, dass sich das noch klären lässt. Das Interesse der Öffentlichkeit daran scheint jedenfalls nicht sonderlich groß zu sein. Der Shitstorm ist längst vergessen. (weiterlesen …)

Rentenaussicht - Foto Bernd Kasper / pixelio.de

Rentenaussicht - Foto Bernd Kasper / pixelio.de

Maybrit Illner und die Beamtenpensionen

Eines vorweg: Katharina Nocun, neue politische Geschäftsführerin der Piraten, war bei ihrem ersten Fernsehauftritt im neuen Amt überzeugend. Sie stellte aus meiner Sicht die richtigen Fragen und machte Änderungsvorschläge, die wahrscheinlich vielen Zuschauern gefallen haben.

Ihr Konter an die Adresse des CDU-Politikers Michael Fuchs, der mit seinem »Riester-Wissen« auftrumpfen wollte und ausgerechnet einen Versicherungsvertreter als Quelle dafür anführte, saß: „Wenn Sie eine Meinung zur Riesterrente habe wollen, fragen Sie einen Versicherungsvertreter?“. Fuchs entgegnete in einem (zu erwartenden!) belehrenden Ton: »Hier in Berlin, und dass werden sie dann ja noch kennen lernen, wenn Sie häufiger hier sind, gibt es jede Menge Verbände und mit diesen Verbänden können Sie sich unterhalten.“

Mit diesem Spruch hätte Frau Nocun ihn richtig in die Enge treiben können. Die Bevölkerung glaubt sicher nicht mehr daran, dass etwas halbwegs Gutes dabei herauskommt, wenn man Gesetze unter Mithilfe von Interessenverbänden — in diesem Fall der Versicherungsbranche — formulieren lässt. Was »Riester-Renten« taugen, und wem sie Gewinne einbringen, haben längst alle verstanden!

Die Politik hat einen schweren Stand in der Rentendebatte. Jedenfalls die Parteien, die seit der misslichen Entwicklung mit Beginn dieses Jahrtausends in Regierungsverantwortung gestanden haben. Seitdem kam es einen Kaufkraftverlust von 22 Prozent im Osten und im Westen von 17 Prozent. Das sind offizielle Zahlen der Bundesregierung vom letzten Jahr.

Nocun bezeichnete die fortwährenden Diskussionen und die Flickschusterei um die Rentenversicherung als Angstdebatte. Diese gelte es dringend zu beenden. Recht hat sie!

Nur, wie lösen wir denn die Probleme, die unsere Rentenversicherung trotzdem weiterhin haben wird? Für mich war es beruhigend zu hören, dass auch junge Leute den Generationenvertrag, auf dem die gesetzliche Rentenversicherung basiert, anderen Finanzierungsformen den Vorzug geben.

Den schwersten Stand in der Diskussionsrunde hatte der Vorsitzende des deutschen Beamtenbundes, Klaus Dauderstädt. Er verteidigte die Pensionen und deren Höhe im Vergleich zum miesen Rentenniveau des heutigen und künftigen Rentenempfängers. Richtig überzeugend waren seine Argumente nicht. Dafür waren die Vorhaltungen und die Vorurteile, mit denen er sich herumzuplagen hatte, zu präsent und ausgeprägt. (weiterlesen …)