Das Interview, das das Handelsblatt mit Kai Diekmann, Chefredakteur B*ld-Zeitung, geführt hat, ist bestimmt interessant.
Das Foto von Kai Diekmann, das den Handelsblatt-Artikel schmückt, fiel mir sofort ins Auge. Ich konnte nicht glauben, dass das Diekmann ist. Was so’n Bart und Kontaktlinsen ausmachen! Sollte ich vielleicht auch mal probieren.
Persönlich fand ich Martin Weigerts Schilderung seines Treffens mit den Springer-Größen im schönen Kalifornien ansprechender und sogar etwas informativer als die im Handelsblatt-Artikel zur Sprache kommenden Hinweise zur Motivation der Zeitreise. Wahrscheinlich sollte ich die 0,99 Cent für den Download ausgeben? Mache ich vielleicht auch noch.
Martin Weigert erzählt vom Widerspruch, den er empfand, als er auf Christoph Keese, den Cheflobbiysten Springers in Sachen Leistungsschutzrecht, Kai Diekmann und Peter Würtenberger traf. Dieser 3. Manager, der mit den beiden anderen eine Art von Wohngemeinschaft in San Francisco führt, ist der Springer-Marketingchef. Fast ein Jahr dauert die »Auszeit« bereits. Da kann man wohl viel lernen.
Und, was gelernt?
Das Leistungsschutzrecht wird wohl bleiben. Aber zum einen ist es bemerkenswert, dass der Konzern drei wichtige Leute für relativ lange Zeit in die Sonne Kaliforniens abkommandiert. Es war wohl ein Ziel dieser Studienreise, den Konzern vor Fehlern zu bewahren, die vor dem Hintergrund der durch das Internet vonstatten gehenden Veränderungen vielleicht schon längst gemacht wurden.
Martin Weigert wundert sich verständlicherweise darüber, dass man auf der einen Seite so begeistert von den Möglichkeiten des Internets sein kann und auf der anderen Seite eben diese Entwicklung per LSR nachdrücklich bekämpft. Keine Ahnung, ob man das Vorgehen Springers dabei als Kampf um den »eigenen Machterhalt« oder um einen Existenzkampf bezeichnen sollte. Beides unterscheidet sich an der Stelle nicht grundlegend von einander.
Es geht um viele Existenzen und natürlich um massive finanzielle Interessen. Ich glaube nicht, dass man unter diesen Voraussetzungen, wie Martin Weigert hofft, zu neuen Einsichten kommen wird. Deutschland und Europa gehen in dieser Hinsicht vielleicht andere Wege. Die »örtliche und mentale Distanz von deutschen Kontroll- und Regulierungsbedürfnissen« von 3 Leuten des Springer – Konzern wird daran wohl nicht viel ändern. Ich weiß auch gar nicht, ob das so sehr wünschenswert wäre.